Was ist Love Scamming?
Love Scamming bezeichnet eine besonders hinterhältige Form des Internetbetrugs. Täter geben sich in sozialen Netzwerken, z.B. auf Facebook oder Instagram bzw. auf Dating-Plattformen als interessierte Beziehungspartner aus. Manchmal kommt der Kontakt auch per E-Mail zustande. Ziel ist es, das Vertrauen der Opfer zu gewinnen – um sie schließlich um Geld zu bitten.
Was viele nicht wissen: Wer in diesem Zusammenhang Zahlungen weiterleitet, kann sich strafbar machen – auch wenn man selbst das eigentliche Opfer ist.
Mehr zur rechtlichen Bewertung erfahren Sie in unserem Beitrag zur Geldwäsche.
Wie funktioniert die Masche?
Täter agieren systematisch: Am Anfang steht der Aufbau einer intensiven Beziehung durch täglichen Kontakt (z.B. Schreiben oder Video-Call). Alles fühlt sich an, wie echte Liebe. Dann wird eine Notlage vorgetäuscht: Eine schwere Krankheit, Schwierigkeiten mit dem Flugticket, Probleme beim Zoll oder eine andere gefährliche Situation. Immer erfordert die angebliche Notlage, dass kurzfristig Geld an irgendeine Stelle gezahlt wird.
Dabei wird das Opfer häufig gebeten, Zahlungen von Dritten zu empfangen und weiterzuleiten – ohne zu wissen, dass es sich um kriminelles Geld handelt. Genau hier liegt das Risiko einer leichtfertigen Geldwäsche.
Welche Rolle spielt Geldwäsche beim Love Scamming?
Love Scamming endet oft fatal: Zum einen die Enttäuschung, zum anderen eine Vorladung wegen Geldwäsche, wenn Geld weitergeleitet wurde.
Denn: Das Geld, das über Ihr Konto läuft, stammt in vielen Fällen aus Straftaten, wie z.B. Betrug oder Computerbetrug. Und genau dieses Weiterleiten von Geld kann nach § 261 StGB als Geldwäsche gewertet werden – auch wenn Sie nichts davon wussten.
Leichtfertige Geldwäsche nach § 261 Abs. 6 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Hinzu kommt in der Regel die Einziehung des weitergeleiteten Geldes, auch wenn es längst ausgegeben oder weitertransferiert wurde. Das bedeutet: Der Staat kann den vollen Betrag zurückfordern, selbst wenn Sie selbst keinen Cent davon behalten haben. In der Praxis gelingt es häufig, das Verfahren zur Einstellung zu bringen. Dies gilt insbesondere dann, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Täuschung für das Opfer nicht erkennbar war.
Wann mache ich mich strafbar?
Strafbar macht sich, wer
- Geld weiterleitet, das aus Straftaten stammt, und
- dabei leichtfertig handelt – also hätte erkennen können, dass etwas nicht stimmt.
Entscheidend ist nicht, was Sie wussten, sondern was Sie hätten wissen müssen, Sie können also auch unwissentlich Geldwäsche begehen.
Abschnitt: Wie erkenne ich Love Scamming?
Love Scamming ist oft schwer zu erkennen, weil die Täter professionell vorgehen und über Wochen oder Monate Vertrauen aufbauen. Typische Warnsignale sind:
- Die Person gibt an, im Ausland zu wohnen.
- Trotz intensiver Kommunikation kommt es nie zu einem persönlichen Treffen.
- Fotos sind bei der Rückwärtssuche mehrfach im Internet auffindbar.
- Irgendwann wird eine emotionalen Notlage geschildert und darum gebeten, Geld zu überweisen oder weiterzuleiten.
Was kann ich tun, wenn ich betroffen bin?
Wenn Sie eine Vorladung erhalten haben und vermuten, dass Sie auf Love Scamming hereingefallen sind:
- Leiten Sie keine weiteren Zahlungen weiter.
- Dokumentieren Sie alle Kontakte, Nachrichten und Überweisungen.
- Kontaktieren Sie sofort einen Anwalt für Strafrecht.
- Geben Sie keine Aussage bei der Polizei ab, bevor Sie nicht mit einem Anwalt gesprochen haben.
Je früher Sie reagieren, desto höher ist die Chance, dass das Verfahren eingestellt wird oder mit einer möglichst geringen Strafe endet.
Ist es wichtig, dass der Anwalt in der Nähe sitzt?
NEMO Strafverteidiger verteidigt bundesweit. Unabhängig davon, wo Sie wohnen oder wo das Ermittlungsverfahren geführt wird. Im Ermittlungsverfahren spielt der Standort des Anwalts keine Rolle, da die entscheidenden Schritte (Akteneinsicht, Kontakt zur Staatsanwaltschaft und Antrag auf Einstellung des Verfahrens) schriftlich erfolgen. Eine erste Beratung ist kostenlos, unverbindlich und kann telefonisch oder per Video stattfinden.
Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.
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