Was ist das Erziehungsregister?
Das Erziehungsregister ist ein Sonderregister innerhalb des Bundeszentralregisters. Es wurde speziell für jugendstrafrechtliche Entscheidungen geschaffen und ist in § 60 Bundeszentralregistergesetz (BZRG) geregelt. Ziel des Registers ist es, erzieherisch wirksame Maßnahmen zu dokumentieren, ohne den Jugendlichen auf Dauer zu belasten.
Im Unterschied zum Bundeszentralregister oder Führungszeugnis hat das Erziehungsregister eine ausschließlich interne Funktion: Es ist nur für bestimmte Behörden einsehbar, etwa für Jugendgerichte oder Jugendämter.
Welche Entscheidungen werden im Erziehungsregister eingetragen?
Eingetragen werden alle jugendstrafrechtlichen Entscheidungen, bei denen der Jugendliche nicht freigesprochen wurde. Dazu zählen:
- Erziehungsmaßregeln (z.B. Teilnahme an sozialen Trainingskursen)
- Zuchtmittel (z.B. Verwarnung oder Auflagen)
- Einstellung des Verfahrens nach Jugendgerichtsgesetz
- Jugendarrest
- Jugendstrafe
Mehr zu den verschiedenen Sanktionen im Jugendstrafrecht.
Wie lange bleiben Eintragungen im Erziehungsregister bestehen?
Eintragungen im Erziehungsregister werden in der Regel mit Vollendung des 24. Lebensjahres gelöscht. In Ausnahmefällen besteht die Möglichkeit, eine vorzeitige Löschung zu beantragen, wenn die Sanktion vollstreckt ist und kein öffentliches Interesse besteht.
Wird das Erziehungsregister im Führungszeugnis sichtbar?
Nein. Eintragungen im Erziehungsregister tauchen nicht im Führungszeugnis auf, das man z.B. bei der Bewerbung um eine Ausbildung oder einen Job vorlegen muss. Selbst Eintragungen im Bundeszentralregister erscheinen unter bestimmten Voraussetzungen nicht im Führungszeugnis. Gerade bei Jugendlichen wird so verhindert, dass ein einmaliges Fehlverhalten die berufliche Zukunft dauerhaft belastet.
Unterschied zwischen Erziehungsregister, Bundeszentralregister und Führungszeugnis
Zwischen den Registern bestehen folgende Unterschiede:
| Registertyp |
Erziehungsregister |
Bundeszentralregister |
Führungszeugnis |
| Inhalt |
Jugendgerichtliche Entscheidungen |
Alle strafrechtlichen Entscheidungen |
Auszug aus dem Bundeszentralregister |
| Einsicht durch |
Jugendgerichte, Jugendämter |
Gerichte, Staatsanwaltschaften |
Privatpersonen, Arbeitgeber |
| Zweck |
Erzieherische Steuerung |
Strafverfolgung, Justizinformation |
Information für Dritte |
Was bedeutet das für die Zukunft meines Kindes?
Eine Eintragung im Erziehungsregister ist zunächst nur eine interne Information für die Justiz. Insoweit kann sie als Vorbelastung gewertet werden, sollte es zu weiteren Verfahren kommen.
Sie hat jedoch keine direkten Auswirkungen auf Bewerbungen oder schulische Laufbahnen. Zukünftige Arbeitgeber können aber ein Führungszeugnis verlangen. Einige Behörden bekommen im Bewerbungsprozess darüber hinaus Einsicht in das gesamte Zentralregister (z.B. für Bewerbungen bei der Polizei).
Das bedeutet: Gerade bei Heranwachsenden zwischen 18-21 Jahren sollte die Anwendung von Jugendstrafrecht durchgesetzt werden, um eine Eintragung im Führungszeugnis zu vermeiden. Ein erfahrener Anwalt für Jugendstrafrecht kann hier entscheidend unterstützen.
Vermeidung von Eintragungen: professionelle Verteidigung im Jugendstrafverfahren
Je früher Sie Kontakt zu einem spezialisierten Strafverteidiger aufnehmen, desto besser können Sie Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens nehmen. Ziel ist es, bereits im Ermittlungsverfahren eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen, bevor es zu einer Eintragung im Erziehungsregister oder im Führungszeugnis kommt.
Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.
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