Dieser Text enthält alles Wichtige zum Thema vorsätzliche Körperverletzung.
Weitere Informationen finden Sie auch hier:
Was passiert nach einer Anzeige wegen Körperverletzung?
Wer eine Anzeige wegen Körperverletzung erhält, ist zunächst Beschuldigter in einem Strafverfahren. Die Polizei oder Staatsanwaltschaft wird Ermittlungen einleiten, um den Sachverhalt aufzuklären. Häufig werden Sie zunächst zur Vernehmung vorgeladen oder aufgefordert, schriftlich Stellung zu nehmen.
Wichtig: Sie sind nicht verpflichtet, bei der Polizei zu erscheinen oder Angaben zur Sache zu machen. Ohne anwaltliche Beratung sollten Sie grundsätzlich keine Aussage abgeben. Eine unüberlegte Äußerung kann die Verteidigung später erheblich erschweren.
Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Vorladung als Beschuldigter
Nach Abschluss der Ermittlungen entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob das Verfahren eingestellt oder Anklage erhoben wird. Eine frühe Verteidigung durch einen Anwalt für Körperverletzung kann bereits im Ermittlungsverfahren dazu beitragen, dass das Verfahren eingestellt wird, ohne dass es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung oder einer Eintragung im Führungszeugnis kommt.
Weitere Informationen: Ablauf des Strafverfahrens
Vorsätzliche Körperverletzung (§ 223 StGB)
Die vorsätzliche Körperverletzung ist in § 223 des Strafgesetzbuches geregelt. Danach macht sich strafbar, wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt.
Körperverletzung: Strafe
Die Strafe für Körperverletzung reicht von Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe bis fünf Jahre. In der Praxis kann allerdings häufig eine Einstellung wegen Geringfügigkeit oder gegen Geldauflage erzielt werden, insbesondere bei einem Ersttäter.
Die genaue Höhe der Strafe hängt vom Einzelfall ab, insbesondere
- Schwere der Verletzungen
- Verhalten nach der Tat
- Alkoholeinfluss
- Motive / Provokation
- Vorstrafen
Handelt es sich um eine gefährliche Körperverletzung – etwa wenn eine Waffe benutzt oder die Körperverletzung mit mehreren Personen begangen wird – droht eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren. Mehr dazu unter: Gefährliche Körperverletzung
Was bedeutet vorsätzlich?
Eine vorsätzliche Körperverletzung setzt voraus, dass der Täter die Verletzung des anderen für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen hat. Handelt der Täter fahrlässig, kommt lediglich eine fahrlässige Körperverletzung in Betracht (§ 229 StGB).
Versuchte Körperverletzung
Eine versuchte Körperverletzung ist ebenfalls strafbar, sofern der Täter bereits zur Tat ansetzt, aber keine Verletzung eintritt.
Beispiel: Jemand holt zum Schlag aus, trifft das Opfer aber nicht. Auch in diesem Fall kommt eine Strafbarkeit wegen versuchter Körperverletzung in Betracht.
Die Strafe kann milder ausfallen als bei einer vollendeten Tat. Dies hängt vom Einzelfall ab.
Wann wird eine Anzeige wegen Körperverletzung fallen gelassen?
Eine Einstellung des Verfahrens ist möglich, wenn
- kein hinreichender Tatverdacht besteht (z.B. bei unzureichenden Beweisen),
- die Schuld als gering anzusehen ist (§ 153 StPO) - vor allem bei einem Ersttäter,
- die Staatsanwaltschaft von einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflage (z.B. Geldauflage oder Täter-Opfer-Ausgleich) überzeugt werden kann
Gerade im Ermittlungsverfahren bestehen oft gute Chancen, das Verfahren ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung in das Führungszeugnis zu beenden. Hier zeigt sich der Vorteil einer frühen Strafverteidigung: Der Anwalt kann Akteneinsicht beantragen und gezielt auf eine Einstellung hinwirken.
Wenn Sie bereits einen Strafbefehl erhalten haben, beraten wir Sie gerne über Ihre Möglichkeiten und Erfolgsaussichten. Lesen Sie hierzu unseren Beitrag:
Strafbefehl
Schmerzensgeld wegen Körperverletzung?
Sowohl im Strafverfahren als auch auf dem zivilrechtlichen Weg können Geschädigte unter Umständen Schmerzensgeld wegen Körperverletzung verlangen.
Für Beschuldigte bedeutet das: Auch wenn das Strafverfahren eingestellt wird, kann der Verletzte weiterhin zivilrechtliche Forderungen stellen. Wenn das Strafverfahren wegen Fehlen eines hinreichenden Tatverdachts eingestellt wird, bestehen jedoch Chancen, dass kein Schmerzensgeld gezahlt werden muss. Ein Strafverteidiger kann hier helfen, das Verfahren so zu gestalten, dass zivilrechtliche Risiken minimiert werden.
Wann verjährt Körperverletzung?
Die Verjährung der Körperverletzung hängt von der jeweiligen Tatvariante ab:
| Tatbestand |
Verjährungsfrist |
| einfache Körperverletzung § 223 StGB |
fünf Jahre |
| gefährliche Körperverletzung § 224 StGB |
zehn Jahre |
| schwere Körperverletzung § 226 StGB |
zehn Jahre |
| fahrlässige Körperverletzung § 229 StGB |
fünf Jahre |
Die Verjährung der Körperverletzung kann durch verschiedene Maßnahmen der Staatsanwaltschaft unterbrochen werden. Ob die Körperverletzung verjährt ist, sollte daher ein Anwalt für Strafrecht prüfen.
Welcher Anwalt bei Körperverletzung?
Wenn Sie eine Anzeige wegen Körperverletzung oder eine Vorladung als Beschuldigter erhalten haben, sollten Sie sich umgehend an einen Anwalt für Strafrecht wenden.
Ein Strafverteidiger mit Erfahrung im Bereich der Körperverletzungsdelikte kann:
- Akteneinsicht beantragen und die Beweislage prüfen,
- die Kommunikation mit Polizei und Staatsanwaltschaft übernehmen,
- auf eine Einstellung des Verfahrens hinwirken,
- Sie umfassend zu möglichen Nebenfolgen (z.B. Schmerzensgeldforderungen) beraten.
Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.
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