Alexander Schlüter
18.02.2026
·
0 Min.
Lesedauer

Körperverletzung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung führt zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Dies beginnt oftmals mit einer Vorladung als Beschuldigter.
  • Sie sind nicht verpflichtet, zur Polizei zu gehen oder Angaben zur Sache zu machen.
  • Die Verjährung der Körperverletzung hängt von der Art der Körperverletzung und dem Gang des Verfahrens ab. Im Regelfall verjährt Körperverletzung nach fünf Jahren.
  • Geschädigte können unter Umständen Schmerzensgeld wegen Körperverletzung verlangen.

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Inhaltsverzeichnis

Dieser Text enthält alles Wichtige zum Thema vorsätzliche Körperverletzung.

Weitere Informationen finden Sie auch hier:

Was passiert nach einer Anzeige wegen Körperverletzung?

Wer eine Anzeige wegen Körperverletzung erhält, ist zunächst Beschuldigter in einem Strafverfahren. Die Polizei oder Staatsanwaltschaft wird Ermittlungen einleiten, um den Sachverhalt aufzuklären. Häufig werden Sie zunächst zur Vernehmung vorgeladen oder aufgefordert, schriftlich Stellung zu nehmen.

Wichtig: Sie sind nicht verpflichtet, bei der Polizei zu erscheinen oder Angaben zur Sache zu machen. Ohne anwaltliche Beratung sollten Sie grundsätzlich keine Aussage abgeben. Eine unüberlegte Äußerung kann die Verteidigung später erheblich erschweren.

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Nach Abschluss der Ermittlungen entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob das Verfahren eingestellt oder Anklage erhoben wird. Eine frühe Verteidigung durch einen Anwalt für Körperverletzung kann bereits im Ermittlungsverfahren dazu beitragen, dass das Verfahren eingestellt wird, ohne dass es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung oder einer Eintragung im Führungszeugnis kommt.

Weitere Informationen: Ablauf des Strafverfahrens

Vorsätzliche Körperverletzung (§ 223 StGB)

Die vorsätzliche Körperverletzung ist in § 223 des Strafgesetzbuches geregelt. Danach macht sich strafbar, wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt.

Körperverletzung: Strafe

Die Strafe für Körperverletzung reicht von Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe bis fünf Jahre. In der Praxis kann allerdings häufig eine Einstellung wegen Geringfügigkeit oder gegen Geldauflage erzielt werden, insbesondere bei einem Ersttäter.

Die genaue Höhe der Strafe hängt vom Einzelfall ab, insbesondere

  • Schwere der Verletzungen
  • Verhalten nach der Tat
  • Alkoholeinfluss
  • Motive / Provokation
  • Vorstrafen

Handelt es sich um eine gefährliche Körperverletzung  – etwa wenn eine Waffe benutzt oder die Körperverletzung mit mehreren Personen begangen wird – droht eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren. Mehr dazu unter: Gefährliche Körperverletzung

Was bedeutet vorsätzlich?

Eine vorsätzliche Körperverletzung setzt voraus, dass der Täter die Verletzung des anderen für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen hat. Handelt der Täter fahrlässig, kommt lediglich eine fahrlässige Körperverletzung in Betracht (§ 229 StGB).

Versuchte Körperverletzung

Eine versuchte Körperverletzung ist ebenfalls strafbar, sofern der Täter bereits zur Tat ansetzt, aber keine Verletzung eintritt.

Beispiel: Jemand holt zum Schlag aus, trifft das Opfer aber nicht. Auch in diesem Fall kommt eine Strafbarkeit wegen versuchter Körperverletzung in Betracht.

Die Strafe kann milder ausfallen als bei einer vollendeten Tat. Dies hängt vom Einzelfall ab.

Wann wird eine Anzeige wegen Körperverletzung fallen gelassen?

Eine Einstellung des Verfahrens ist möglich, wenn

  • kein hinreichender Tatverdacht besteht (z.B. bei unzureichenden Beweisen),
  • die Schuld als gering anzusehen ist (§ 153 StPO) - vor allem bei einem Ersttäter,
  • die Staatsanwaltschaft von einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflage (z.B. Geldauflage oder Täter-Opfer-Ausgleich) überzeugt werden kann

Gerade im Ermittlungsverfahren bestehen oft gute Chancen, das Verfahren ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung in das Führungszeugnis zu beenden. Hier zeigt sich der Vorteil einer frühen Strafverteidigung: Der Anwalt kann Akteneinsicht beantragen und gezielt auf eine Einstellung hinwirken.

Wenn Sie bereits einen Strafbefehl erhalten haben, beraten wir Sie gerne über Ihre Möglichkeiten und Erfolgsaussichten. Lesen Sie hierzu unseren Beitrag:
Strafbefehl

Schmerzensgeld wegen Körperverletzung?

Sowohl im Strafverfahren als auch auf dem zivilrechtlichen Weg können Geschädigte unter Umständen Schmerzensgeld wegen Körperverletzung verlangen.

Für Beschuldigte bedeutet das: Auch wenn das Strafverfahren eingestellt wird, kann der Verletzte weiterhin zivilrechtliche Forderungen stellen. Wenn das Strafverfahren wegen Fehlen eines hinreichenden Tatverdachts eingestellt wird, bestehen jedoch Chancen, dass kein Schmerzensgeld gezahlt werden muss. Ein Strafverteidiger kann hier helfen, das Verfahren so zu gestalten, dass zivilrechtliche Risiken minimiert werden.

Wann verjährt Körperverletzung?

Die Verjährung der Körperverletzung hängt von der jeweiligen Tatvariante ab:

Tatbestand Verjährungsfrist
einfache Körperverletzung § 223 StGB fünf Jahre
gefährliche Körperverletzung § 224 StGB zehn Jahre
schwere Körperverletzung § 226 StGB zehn Jahre
fahrlässige Körperverletzung § 229 StGB fünf Jahre

Die Verjährung der Körperverletzung kann durch verschiedene Maßnahmen der Staatsanwaltschaft unterbrochen werden. Ob die Körperverletzung verjährt ist, sollte daher ein Anwalt für Strafrecht prüfen.

Welcher Anwalt bei Körperverletzung?

Wenn Sie eine Anzeige wegen Körperverletzung oder eine Vorladung als Beschuldigter erhalten haben, sollten Sie sich umgehend an einen Anwalt für Strafrecht wenden.

Ein Strafverteidiger mit Erfahrung im Bereich der Körperverletzungsdelikte kann:

  • Akteneinsicht beantragen und die Beweislage prüfen,
  • die Kommunikation mit Polizei und Staatsanwaltschaft übernehmen,
  • auf eine Einstellung des Verfahrens hinwirken,
  • Sie umfassend zu möglichen Nebenfolgen (z.B. Schmerzensgeldforderungen) beraten.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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FAQS

Die Antworten auf die häufigsten Fragen zu diesem Thema finden Sie hier.

Was passiert bei einer Anzeige wegen Körperverletzung?

Nach einer Anzeige wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sie erhalten meist eine Vorladung als Beschuldigter. Sie müssen und sollten gegenüber der Polizei keine Aussage machen. Ihr Anwalt kann Akteneinsicht beantragen und prüfen, ob eine Einstellung des Verfahrens möglich ist.

Was droht bei vorsätzlicher Körperverletzung?

Je nach Schwere der Tat droht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Bei gefährlicher oder schwerer Körperverletzung sind auch höhere Strafen möglich.

Kann eine Körperverletzung ohne Anzeige verfolgt werden?

Ja. Die vorsätzliche Körperverletzung kann auch ohne Strafantrag verfolgt werden, wenn ein öffentliches Interesse besteht. Die Rücknahme des Strafantrages beendet das Verfahren daher nicht automatisch.

Wann wird eine Anzeige wegen Körperverletzung fallen gelassen?

Wenn kein Tatnachweis geführt werden kann oder die Schuld als gering anzusehen ist. Auch eine Einstellung gegen Auflagen (z.B. gegen Geldauflage) ist möglich.

Wann verjährt Körperverletzung?

Je nach Tatvariante nach fünf bis zehn Jahren. Die Frist kann durch bestimmte Verfahrenshandlungen verlängert werden.

Kann man wegen versuchter Körperverletzung bestraft werden?

Ja. Auch der Versuch ist strafbar, wenn bereits ein Tatentschluss und ein unmittelbares Ansetzen vorliegen.

Muss ich Schmerzensgeld zahlen, wenn das Strafverfahren eingestellt wurde?

Ja, das ist möglich. Dies richtet sich danach, ob die geschädigte Person eine Körperverletzung trotz Einstellung des Strafverfahrens vor dem Zivilgericht beweisen kann.

Welcher Anwalt bei Körperverletzung ist der Richtige?

Ein Anwalt, der auf dem Gebiet des Strafrechts tätig ist und Erfahrung mit Körperverletzungsverfahren hat.

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View Fahrlässige Körperverletzung

Fahrlässige Körperverletzung

Verfahren z.B. nach Unfällen & Behandlungsfehlern

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist fahrlässige Körperverletzung?

Fahrlässige Körperverletzung ist in § 229 des Strafgesetzbuches geregelt. Danach macht sich strafbar, wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht.

Was bedeutet „Fahrlässigkeit“?

Fahrlässig handelt, wer die gebotene Sorgfalt außer Acht lässt, zu der er nach den Umständen verpflichtet und fähig ist. Entscheidend ist, dass kein Vorsatz vorliegt – der Beschuldigte wollte den Erfolg also nicht herbeiführen, hätte ihn aber bei pflichtgemäßem Verhalten vermeiden können.

Beispiele:

  • Ein Autofahrer übersieht beim Abbiegen oder Parken einen Fußgänger oder Radfahrer.
  • Eine Person überschreitet die zulässige Höchstgeschwindigkeit und verursacht hierdurch einen Unfall.
  • Ein Arzt macht sorgfaltswidrig einen Behandlungsfehler.
  • Beim Werfen eines Gegenstandes wird eine andere Person getroffen.

In all diesen Fällen kann eine fahrlässige Körperverletzung vorliegen.

Fahrlässige Körperverletzung bei Verkehrsunfall

Besonders häufig wird der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung bei einem Verkehrsunfall erhoben. Hier reicht oft schon ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, etwa beim Spurwechsel, bei zu geringem Abstand oder bei einem Rotlichtverstoß.

Die Ermittlungsbehörden prüfen dabei, ob der Fahrer gegen Verkehrsregeln oder allgemeine Sorgfaltspflichten verstoßen hat. Liegt eine Pflichtverletzung vor und wurde dadurch ein anderer verletzt, gilt dies regelmäßig als fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr.

Auch wenn der Unfall „versehentlich“ geschah, bedeutet das nicht automatisch, dass keine strafrechtlichen Konsequenzen drohen. Entscheidend ist, ob der Fahrer objektiv und subjektiv pflichtwidrig gehandelt hat.

In solchen Fällen erhalten Beschuldigte häufig eine polizeiliche Vorladung als Beschuldigter. Sie sind nicht verpflichtet, dieser Folge zu leisten oder zur Sache auszusagen. Um alle Verteidigungschancen zu erhalten, sollten Sie sich umgehend an einen Anwalt für Strafrecht wenden.

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr – typische Fälle

Die meisten Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr entstehen durch:

  • Unaufmerksamkeit oder Ablenkung (z. B. Handy am Steuer),
  • Geschwindigkeitsüberschreitung,
  • Missachtung der Vorfahrt oder roter Ampeln,
  • Abstandsverstöße oder
  • Alkohol- oder Medikamenteneinfluss.

Besonders bei Vorwürfen im Straßenverkehr kann ein erfahrener Strafverteidiger bereits im Ermittlungsverfahren eine Einstellung des Verfahrens ohne Gerichtsverhandlung oder Eintragung in das Führungszeugnis erzielen.

Fahrlässige Körperverletzung – Strafe und Folgen

Welche Strafe droht bei fahrlässiger Körperverletzung? Das Gesetz sieht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. In der Praxis wird meist eine Geldstrafe verhängt oder das Verfahren (z.B. gegen eine Schadenswiedergutmachung) eingestellt. In gravierenderen Fällen kann der Entzug der Fahrerlaubnis drohen.

Neben der Strafe können auch zivilrechtliche Forderungen (z.B. Schmerzensgeld oder Schadensersatz) auf den Beschuldigten zukommen.

Eine frühzeitige anwaltliche Beratung ist daher entscheidend, um die Konsequenzen zu minimieren.

Vorladung wegen fahrlässiger Körperverletzung – was tun?

Wenn Sie eine Vorladung als Beschuldigter erhalten haben, sollten Sie keine Angaben zur Sache machen, bevor Sie mit einem Strafverteidiger gesprochen haben. Erfahren Sie mehr in unserem Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Ein Anwalt für Strafrecht beantragt zunächst Akteneinsicht und kann anschließend eine fundierte Verteidigungsstrategie entwickeln. Häufig besteht die Möglichkeit, das Verfahren im Ermittlungsverfahren einzustellen – etwa gegen Zahlung einer Geldauflage oder wegen Geringe der Schuld.

Erfahren Sie mehr über den Ablauf des Strafverfahrens.

Wann ist eine Einstellung möglich?

Ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung (im Straßenverkehr) kann eingestellt werden, wenn:

  • die Schuld als gering anzusehen ist (§ 153 StPO),
  • der Beschuldigte bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist,
  • das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung gering ist, oder
  • Wiedergutmachung erfolgt ist (z.B. Entschuldigung, Schadensregulierung).

Ein erfahrener Anwalt für Strafrecht kann Sie unterstützen, die Chancen auf eine Einstellung zu erhöhen. Die Einstellung des Verfahrens ohne Gerichtsverhandlung ist immer unser oberstes Ziel.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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Bedrohung

Anzeige wegen Bedrohung: Alles Wichtige

Jonas Meese
12.15.2025
·
5 Min.
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Anzeige wegen Bedrohung – was bedeutet das?

Wenn Sie eine Anzeige wegen Bedrohung erhalten haben, wird Ihnen vorgeworfen, eine andere Person mit der Begehung einer gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten rechtswidrigen Tat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder gegen eine Sache von bedeutendem Wert bedroht zu haben (§ 241 Abs. 1 StGB).

Beispiele aus der Praxis:

  • Drohung, die Reifen eines Fahrzeugs aufzustechen (wenn Schaden über 750 € droht)
  • Drohung, jemanden zu schlagen (auch mit Baseballschläger oder Teleskopschlagstock)
  • Drohung, die Kinder der anderen zu schlagen.

Die Drohung muss konkret und ernst gemeint erscheinen. Flapsige Aussagen oder Übertreibungen im Streit sind nicht automatisch strafbar. Die Rechtsprechung verlangt, dass der Bedrohte die Ankündigung als ernsthafte Gefahr wahrnimmt. Irrelevant ist jedoch, ob die Drohung tatsächlich ernst gemeint war.

DROHUNG MIT VERBRECHEN (§ 241 ABS. 2 STGB)

Handelt es sich bei dem angedrohten Handeln um ein Verbrechen, greift ein höherer Strafrahmen (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren). Verbrechen sind alle Straftaten, die mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht sind (z.B. Mord, Totschlag oder Raub).

Beispiele aus der Praxis:

  • Drohung, jemanden „abzustechen“
  • „Wenn du das nochmal sagst, bringe ich dich um!“
  • Drohung, ein Gebäude „abzufackeln“

VORTÄUSCHEN EINES VERBRECHENS (§ 241 ABS. 3 STGB)

Strafbar ist auch, ein Verbrechen vorzutäuschen, auf das der Täter keinen Einfluss (mehr) hat. Nicht umfasst ist allerdings, wenn ein solches Verbrechen tatsächlich geplant ist oder bevorsteht.

Beispiele aus der Praxis:

  • Vortäuschen, eine Bombe versteckt zu haben, die jeden Moment explodieren könne.
  • Vortäuschen, dass jemand anderes den Adressaten töten werde.

Welche Strafe bei Bedrohung?

§ 241 StGB droht Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr, bei Bedrohung mit einem Verbrechen bis zu zwei Jahren an.

Wie hoch ist die Geldstrafe bei Bedrohung?

Die Geldstrafe richtet sich nach der Schwere des Vorwurfs und dem persönlichen Einkommen. Das monatliche Netto-Einkommen durch 30 dividiert ergibt die Höhe eines Tagessatzes. Die folgenden Faktoren bestimmen die Anzahl der Tagessätze:

  • Motiv und Hintergrund (z. B. Beziehungsstreit, Nachbarschaftskonflikt)
  • Ob Waffen oder gefährliche Gegenstände eine Rolle spielten
  • Ob die Drohung öffentlich oder in sozialen Medien erfolgte
  • Ob sich der Beschuldigte entschuldigt oder den Schaden wiedergutmacht

Bei Ersttätern werden häufig zwischen 30 und 120 Tagessätzen verhängt. Ab 90 Tagessätzen erfolgt regelmäßig eine Eintragung im Führungszeugnis.

Bedrohung Strafmaß – Geldstrafe oder Einstellung möglich?

Das Strafmaß bei Bedrohung und die Chancen für eine Einstellung des Verfahrens hängen von vielen Faktoren ab:

  • Vorstrafen
  • Art der Drohung (z.B. Morddrohung oder Drohung mit einer Körperverletzung)
  • Reaktion des Opfers
  • Verhalten nach der Tat

Gerade im Ermittlungsverfahren kann ein erfahrener Verteidiger mit der richtigen Strategie darauf hinwirken, dass das Verfahren eingestellt wird, insbesondere, wenn die Bedrohung im Affekt oder Streit gefallen ist.

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Was passiert nach einer Anzeige wegen Bedrohung?

Eine Anzeige wegen Bedrohung führt in der Regel zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Die Polizei nimmt den Sachverhalt auf, befragt Zeugen und verschickt anschließend häufig eine Vorladung als Beschuldigter.

Wer diese erhält, sollte nicht zur Polizei gehen und keine schriftliche Aussage tätigen, bevor ein Strafverteidiger Akteneinsicht genommen hat. Nur aus der Akte geht hervor, was Ihnen genau vorgeworfen wird und welche Beweise existieren.

Viele Beschuldigte denken, sie könnten den Vorwurf „aufklären“, indem sie ihre Sicht schildern. In der Praxis führt das jedoch oft zu Selbstbelastungen, die später kaum zu korrigieren sind.

Weitere Informationen finden Sie unter: Ablauf des Strafverfahrens.

Anwalt bei einer Anzeige wegen Bedrohung?

Ein erfahrener Strafverteidiger kann bereits im Ermittlungsverfahren entscheidend eingreifen:

Der Verteidiger erhält Einsicht in die Ermittlungsakte. Auf dieser Grundlage kann er einschätzen, ob eine Einstellung des Verfahrens realistisch ist oder ob eine Verteidigung vor Gericht vorbereitet werden muss.

In vielen Fällen lässt sich eine Einstellung nach § 153a StPO erreichen, z.B. gegen Zahlung einer Geldauflage. Das Verfahren wird dann ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung im Führungszeugnis abgeschlossen.

Haben Sie bereits einen Strafbefehl, ist schnelles Handeln erforderlich. Innerhalb von zwei Wochen kann Einspruch eingelegt werden – andernfalls wird der Strafbefehl rechtskräftig. Ein Strafverteidiger prüft, ob sich ein Einspruch lohnt oder ob eine mildere Lösung erreichbar ist.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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View Nachstellung

Nachstellung

Anzeige wegen Nachstellung – was tun?

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist Nachstellung? (§ 238 StGB)

Nach § 238 Abs. 1 StGB macht sich wegen Nachstellung strafbar, wer einem anderen unbefugt in einer Weise nachstellt, die geeignet ist, dessen Lebensgestaltung nicht unerheblich zu beeinträchtigen.

Dies kann etwa durch wiederholte (auch digitale) Kontaktaufnahmen, Beobachtungen, Bedrohungen oder Bestellungen unter unbefugter Verwendung der personenbezogenen Daten der anderen Person geschehen. Eine einmalige Handlung reicht nicht aus.

Entscheidend ist, dass das Opfer dadurch gezwungen wird, seine Lebensgestaltung zu ändern, z.B. durch Schutzmaßnahmen.

Die Handlungen müssen unbefugt erfolgen. Das bedeutet gegen den Willen der anderen Person. Daran kann es fehlen, wenn die andere Person ebenfalls Kontakt aufnimmt oder den Wunsch nach einem Kontaktabbruch nicht ausreichend deutlich macht.

Gerade in Trennungssituationen oder nach gescheiterten Beziehungen kommt es häufig zu einer Anzeige wegen Nachstellung, weil eine Person einen Kontaktabbruch wünscht. Für eine Strafbarkeit genügt jedoch noch nicht jede Belästigung, die mit Konflikten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Scheitern von Beziehungen verbunden ist, da dies häufig eine Kontaktaufnahme oder Kommunikation voraussetzt.

Nachstellung Bedeutung & Beispiele

§ 238 StGB enthält verschiedene Nachstellungshandlungen, die unter den genannten Umständen strafbar sein können. Nachstellen meint dabei Handlungen, die darauf ausgerichtet sind, durch Annäherungen an das Opfer in dessen persönlichen Lebensbereich einzugreifen und dadurch seine Handlungs- und Entschließungsfreiheit zu beeinträchtigen.

Nachstellung Beispiele:

  • wiederholte Anrufe, SMS oder WhatsApp-Nachrichten trotz erkennbarer Ablehnung,
  • gezieltes Erscheinen am Arbeitsplatz oder vor der Wohnung,
  • Kontaktaufnahme über soziale Medien oder unter Verwendung falscher Profile,
  • unerwünschte Geschenke oder Briefe,
  • das Nachlaufen oder Beobachten, auch aus einem Auto heraus,
  • das Veröffentlichen persönlicher Daten oder Fotos im Internet (häufig beim Cyberstalking).

Nachstellung Strafe – Welche Folgen drohen?

Nachstellung Strafe: Die Strafe für „Stalking“ hängt vom Einzelfall ab. Das Gesetz sieht Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. In besonders schweren Fällen (z.B. bei Gesundheitsschädigungen des Opfers oder Nachstellungen über sechs Monate) erhöht sich das Strafmaß auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Wird durch das Nachstellen der Tod des Opfers verursacht (z.B. durch Selbstmord), kann die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre betragen.

In vielen Fällen ist jedoch eine Einstellung des Verfahrens wegen Fehlen eines Tatverdachts oder gegen Auflage möglich. Auch bei vermeintlich „harmlosen“ Fällen sollte der Vorwurf ernst genommen werden und der Rat eines Anwalts für Strafrecht eingeholt werden, denn auch bei einer Geldstrafe kann eine Eintragung im Führungszeugnis Ihre berufliche Zukunft gefährden.

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Cyberstalking

In Zeiten sozialer Medien gewinnt Cyberstalking immer mehr Bedeutung. Die Grenzen zwischen Online- und Offline-Handlungen sind oft fließend.

Cyberstalking liegt vor, wenn die Nachstellung über das Internet oder digitale Kommunikationsmittel erfolgt – etwa durch:

  • wiederholte unerwünschte Nachrichten oder Drohungen per Messenger,
  • Veröffentlichung intimer Inhalte,
  • Überwachung durch Apps oder Ortungsdienste,
  • Diffamierung oder Identitätsdiebstahl.

Auch Cyberstalking fällt unter den Tatbestand der Nachstellung. Die Nachweisbarkeit hängt hier häufig von digitalen Spuren (Chatverläufe, IP-Adressen etc.) ab. Ob eine Nachstellung vorliegt und nachweisbar ist, sollte ein Anwalt für Strafrecht nach Akteneinsicht prüfen.

Nachstellung: Anzeige oder Vorladung – Was tun?

Wer wegen Nachstellung eine Vorladung erhält oder erfährt, dass jemand Anzeige erstattet hat, sollte sofort anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Eine Anzeige wegen Stalking löst regelmäßig ein Ermittlungsverfahren aus, selbst dann, wenn die Vorwürfe übertrieben oder unbegründet sind. Die Polizei wird den Beschuldigten zu einer Stellungnahme auffordern und eine Vorladung als Beschuldigter versenden.

Hier gilt: Keine Aussage ohne vorherige Akteneinsicht. Die Ermittlungsakte zeigt, worauf sich der Vorwurf stützt und welche Beweise vorliegen. Ein Anwalt für Strafrecht kann nach Akteneinsicht entscheiden, ob eine Stellungnahme sinnvoll ist oder Schweigen die bessere Verteidigungsstrategie ist.

Lesen Sie dazu auch: Vorladung als Beschuldigter

Anwalt Stalking – warum frühzeitige Verteidigung entscheidend ist

Ein erfahrener Anwalt kann bereits im Ermittlungsverfahren wegen Stalking viel bewirken.
Ziel ist es, eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen, sodass keine Anklage erhoben wird und kein Gerichtsverfahren stattfindet.

Gerade bei Vorwürfen der Nachstellung hängt viel von der rechtlichen Bewertung des Verhaltens ab – also davon, ob tatsächlich eine „nicht unerhebliche Beeinträchtigung“ vorliegt oder ob die Handlungen sozialüblich und emotional motiviert sind oder auf Missverständnissen beruhen.

Der Strafverteidiger wird:

  • Akteneinsicht beantragen,
  • die Verteidigungsstrategie festlegen,
  • bei der Staatsanwaltschaft auf eine Einstellung hinwirken,
  • oder – falls nötig – eine Strategie für das gerichtliche Verfahren entwickeln.

Frühzeitige anwaltliche Unterstützung kann entscheidend sein, um ein Ermittlungsverfahren ohne öffentliche Hauptverhandlung zu beenden.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Strafen & Möglichkeiten bei Widerstand gegen Polizei

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
Lesedauer

Was bedeutet Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte?

Der Straftatbestand Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ist in § 113 StGB geregelt. Das Gesetz schützt Polizisten, Justizvollzugsbeamte und andere Amtsträger bei der Durchführung rechtmäßiger Maßnahmen. § 113 StGB stellt es unter Strafe, wenn jemand eine polizeiliche Maßnahme oder sonstige Vollstreckungshandlung eines Vollstreckungsbeamten mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt aktiv verhindert oder erschwert.

Die Rechtsprechung legt den Begriff Widerstand weit aus. Ein Angriff oder eine Körperverletzung ist nicht erforderlich. Ausreichend ist ein gegen den Vollstreckungsbeamten gerichtetes Verhalten, das nach der Vorstellung des Täters die Vollstreckungshandlung erschweren oder verhindern soll.

Typische Beispiele:

  • sich einer Festnahme entziehen
  • die Arme versteifen, um das Anlegen von Handschellen zu verhindern
  • Versteifen des Körpers, um nicht abgeführt zu werden
  • Festhalten an einem Gegenstand, um nicht abgeführt zu werden
  • Verriegeln von Türen, damit die Polizei nicht reinkommen kann
  • Springen vor ein Polizeifahrzeug
  • Abwehrbewegung beim Zugriff

Widerstand gegen Polizei: Widerstandshandlungen erfolgen meistens im Zusammenhang mit polizeilichen Maßnahmen, z.B. Durchsuchung oder Festnahme. Gerade bei einer Festnahme durch die Polizei werden Bewegungen vorschnell als Widerstand gewertet. Viele Beschuldigte betonen später, dass sie nicht vorhatten, Gewalt anzuwenden – juristisch reicht jedoch oft schon die objektive Erschwerung des Zugriffs aus. Nicht selten fühlen sich die Beschuldigten als Opfer polizeilicher Gewalt im Vorfeld. In diesen Fällen ist eine konsequente Verteidigung erforderlich, um Ihre Rechte wirksam durchzusetzen.

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Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: Strafe?

Die Strafe für Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte hängt maßgeblich von der Intensität der Gegenwehr, den Folgen für die Beamten und möglichen Begleitumständen (z.B. Alkohol, Nachtatverhalten, Vorstrafen) ab.

Der Strafrahmen sieht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren vor. Bei Ersttätern kann sehr häufig eine Geldstrafe oder eine Einstellung gegen Geldauflage erreicht werden, insbesondere wenn niemand verletzt wurde.

Für besonders schwere Fälle sieht § 113 Abs. 2 StGB erhöhte Strafen (Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren) vor. Ein besonders schwerer Fall liegt zum Beispiel vor, wenn

  • eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug bei sich geführt wird,
  • durch den Widerstand die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung herbeigeführt wird, oder
  • der Widerstand gemeinschaftlich begangen wird.

Treten weitere Vorwürfe, wie Beleidigung, Bedrohung oder Körperverletzung hinzu, droht eine höhere Strafe. In diesen Fällen ist eine effektive Verteidigung unverzichtbar, um Ihre Rechte wirksam durchzusetzen.

Widerstand gegen Polizei unter Alkohol

Nicht selten führt der Konsum von Alkohol zu schlechterer Koordination, Missverständnissen und einer geringeren Hemmschwelle. In Konfliktsituationen mit der Polizei kommt es unter Alkoholeinfluss daher häufig zum Vorwurf "Widerstand gegen Polizisten".

Alkoholkonsum ist dabei nicht automatisch strafmildernd zu bewerten. Für eine verminderte Schuldfähigkeit ist ein hoher Alkoholisierungsgrad und eine eingeschränkte Steuerungs- oder Einsichtsfähigkeit erforderlich. Je nach Umfang und Auswirkungen der vorgeworfenen Widerstandshandlung kann jedoch häufig eine Einstellung des Verfahrens oder eine milde Strafe erzielt werden.

Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte

Häufig tritt neben dem Vorwurf „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ auch der Vorwurf „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte“. Dieser ist in § 114 StGB geregelt und stellt eine unmittelbar auf den Körper zielende feindselige Einwirkung gegen Polizisten oder andere Vollstreckungsbeamte unter Strafe.

Hierzu gehören z.B. das Schlagen, Stoßen, Treten oder Anrempeln von Polizisten. Eine Körperverletzung oder ein Verletzungsvorsatz ist nicht erforderlich.

Nicht erforderlich ist, dass dieser Angriff im Rahmen einer konkreten Diensthandlung erfolgt.

Das Gesetz sieht eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren vor. Freiheitsstrafen unter sechs Monaten werden jedoch in aller Regel in Geldstrafen umgewandelt, sodass auch eine Geldstrafe in Betracht kommt. Auch für den tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte sieht das Gesetz einen höheren Strafrahmen (Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren) vor, wenn

  • Waffen oder gefährliche Werkzeuge bei sich geführt werden,
  • eine schwere Gesundheitsschädigung herbeigeführt wurde oder
  • die Tat gemeinschaftlich begangen wurde.

Widerstand und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte fallen häufig zusammen, sodass die Verletzung von zwei Straftatbeständen strafschärfend berücksichtigt wird. Ziel unserer Verteidigung ist es, die vorschnell erhobenen Vorwürfe auszuräumen.

Anwalt für Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Viele Betroffene machen den Fehler, direkt nach der Festnahme oder bei einer Vorladung eine Aussage zu machen, meist aus dem Bedürfnis, sich zu rechtfertigen oder weil sie sich durch die Polizei ungerecht behandelt fühlen. Da die Polizisten als Zeugen jedoch meist in der Überzahl sind und ihnen häufig Glauben geschenkt wird, ist beim Vorwurf Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ein strategisches Vorgehen erforderlich.

Wenn Sie eine Vorladung als Beschuldigter erhalten, gilt:

  • Machen Sie keine Aussage bei der Polizei!
  • Sie sind nicht verpflichtet, zur Vernehmung zu erscheinen.
  • Schalten Sie einen Anwalt für Strafrecht ein. Nach Akteneinsicht kann die Beweislage geprüft und eine passende Strategie entwickelt werden.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Raub

Raub

Raub & schwerer Raub: Strafen & Jugendstrafrecht

Jonas Meese
12.15.2025
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist Raub?

Raub (§ 249 StGB) ist die Kombination aus dem Einsatz von Gewalt oder Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben und einem Diebstahl.

Damit ein Raub vorliegt, muss die Gewalt oder die Drohung mit dem Ziel eingesetzt werden, die Wegnahme der fremden Sache zu ermöglichen. Es kann jedoch auch ausreichen, wenn eine durch Gewalt erzeugte Situation für eine Wegnahme ausgenutzt wird, weil sich der Geschädigte aus Sorge vor weiterer Gewalt nicht gegen die Wegnahme wehrt.

Handeln zwei Personen zusammen, liegt auch dann ein Raub vor, wenn nur eine Person Gewalt anwendet und die andere eine Sache stiehlt.

Wann wird aus einem Raub ein schwerer Raub?

Sobald bestimmte qualifizierende Umstände vorliegen, wird ein einfacher Raub zu einem schweren Raub im Sinne von § 250 Abs. 1 StGB oder sogar zu einem besonders schweren Raub (§ 250 Abs. 2 StGB).

Schwerer Raub

Ein schwerer Raub liegt vor, wenn

  • bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug mitgeführt wird,
  • bei der Tat andere Werkzeuge oder Mittel mitgeführt werden, um den Widerstand einer anderen Person zu verhindern oder zu überwinden,
  • eine andere Person durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung gebracht wird oder
  • die Tat als Mitglied einer Bande unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds begangen wird.

Es reicht aus, wenn eines dieser Merkmale erfüllt ist. Bei einem bewaffneten Raubüberfall liegt daher, unabhängig von der Verwendung einer Waffe, bereits ein schwerer Raub vor.

Besonders schwerer Raub

Ein besonders schwerer Raub liegt vor, wenn

  • bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet wird,
  • die Tat als Mitglied einer Bande mit einem anderen Bandenmitglied begangen wird und dabei eine Waffe mitgeführt wird, oder
  • eine andere Person bei der Tat körperlich schwer misshandelt oder durch die Tat in die Gefahr des Todes gebracht wird.

Wird bei einem Raubüberfall mit einer Waffe gedroht oder diese eingesetzt handelt es sich um einen besonders schweren Raub.

(Schwerer) Raub Strafe

Der Strafrahmen für Raub, schweren Raub und besonders schweren Raub im Überblick:

Regelfall minder schwerer Fall
Raub 1–15 Jahre 6 Monate–5 Jahre
Schwerer
Raub
3–15 Jahre 1–10 Jahre
Besonders
schwerer
Raub
5–15 Jahre 1–10 Jahre

Die konkrete Strafe hängt von vielen Faktoren des Einzelfalls, wie z.B. Vorstrafen, Tatfolgen und Nachtatverhalten ab. Auch für Ersttäter drohen allerdings sensible Strafen. Ziel der Verteidigung ist es in der Regel, die Vorwürfe auszuräumen und eine Einstellung mangels Tatverdacht oder einen Freispruch zu erkämpfen. Alternativ kann durch eine Strafmaßverteidigung auf eine Bewährungsstrafe hingewirkt werden, um Ihre Freiheit zu erhalten.

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Strafe für Raub im Jugendstrafrecht

Wenn Jugendliche oder Heranwachsende (14-21 Jahre) wegen Raub oder schwerem Raub beschuldigt werden, gelten abweichend von den Strafrahmen des Strafgesetzbuchs die besonderen Sanktionen im Jugendstrafrecht.

Grundsätzlich gilt: Im Jugendstrafrecht steht nicht die Bestrafung, sondern die Erziehung im Fokus. Dennoch gehören die Raubdelikte zu den schwersten Straftaten, insbesondere schwerer bzw. bewaffneter Raub. Es drohen daher auch für Jugendliche und Heranwachsende Jugendarrest oder Jugendstrafe.

Eine frühzeitige Verteidigung kann hier entscheidend sein. Wir beraten Sie über die Besonderheiten im Ablauf des Jugendstrafverfahrens und entwickeln eine individuelle Verteidigungsstrategie für Ihren Fall.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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View Gefährliche Körperverletzung

Gefährliche Körperverletzung

Alles zum Tatbestand, zur Strafe (auch bei Ersttätern) und Chancen

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist eine gefährliche Körperverletzung?

Die gefährliche Körperverletzung gemäß § 224 StGB ist eine schwerwiegendere Form (sogenannte "Qualifikation") der einfachen Körperverletzung gemäß § 223 StGB. Eine gefährliche Körperverletzung liegt vor, wenn der Täter die Tat unter einem der folgenden Umstände begeht:

1. Verwendung von Gift oder gesundheitsschädlichen Stoffen

Das umfasst Substanzen, die die Gesundheit erheblich beeinträchtigen können. Beispiele, bei denen es sich um solche Stoffe handeln kann:

  • Medikamente in hoher Dosierung
  • Reizstoffe
  • Gase
  • sogenannte „K.O.-Tropfen

2. Verwendung einer Waffe oder eines gefährlichen Werkzeugs

Ein gefährliches Werkzeug ist jeder Gegenstand, der aufgrund seiner Beschaffenheit und der Art der Verwendung erhebliche Verletzungen verursachen kann. Beispiele sind:

  • Flaschen, die geworfen werden
  • Messer, mit denen Schnitt- oder Stichverletzungen zugefügt werden
  • Werkzeuge wie Schraubenzieher oder Stangen, mit denen zugeschlagen wird
  • Schwere Schuhe, mit denen zugetreten wird

3. Hinterlistiger Überfall

Dazu gehören Angriffe, die das Opfer nicht kommen sieht, weil sie vom Täter verdeckt erfolgen. Beispiel: Der Täter täuscht vor, dass er das Opfer begrüßen möchte und schlägt dann unvermittelt zu.

4. Gemeinsame Tatbegehung

Dazu gehören Taten, bei denen mehrere Täter gemeinsam handeln und das Opfer dadurch einem höheren Risiko ausgesetzt ist.

5. Beibringen einer das Leben gefährdenden Behandlung

Dazu zählen Handlungen, die objektiv geeignet sind, das Leben des Opfers zu gefährden. Beispiele:

  • Tritte gegen den Kopf
  • Würgen
  • Messerstiche

Welche Strafe droht bei gefährlicher Körperverletzung?

Bei einer gefährlichen Körperverletzung droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen hohe Geldstrafen. In der Regel erfolgt eine Eintragung im Führungszeugnis.

Wichtig: Zusätzlich zur Strafe drohen erhebliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen des Verletzten.

Welche Strafe ist bei einem Ersttäter bei gefährlicher Körperverletzung zu erwarten?

Für Ersttäter einer gefährlichen Körperverletzung wird in den meisten Fällen eine Freiheitsstrafe auf Bewährung oder eine Geldstrafe verhängt, wenn keine Vorstrafen bestehen und die Tat nicht besonders schwerwiegend ist.

Die tatsächliche Strafe hängt insbesondere von folgenden Punkten ab:

  • Schwere der Verletzungen
  • Art des gefährlichen Werkzeugs
  • Ablauf der Tat (z.B. im Affekt)
  • Verhalten nach der Tat
  • Provokation durch das Opfer
  • Alkoholisierung des Täters
  • Vorstrafen des Täters

Unter Umständen kommt auch eine Milderung des Strafrahmens (minder schwerer Fall) in Betracht, zum Beispiel bei einem Täter-Opfer-Ausgleich oder verminderter Schuldfähigkeit bei Alkoholisierung. In diesen Fällen kann gerade für Ersttäter ohne Vorstrafen in vielen Fällen noch eine Geldstrafe erreicht werden.

Außerdem besteht insbesondere bei Ersttätern die Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen. In diesem Fall erfolgt kein Eintrag im Führungszeugnis.

Wie kann ich mich gegen den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung verteidigen?

Mögliche Verteidigungsansätze sind:

  • Notwehr oder Nothilfe
  • fehlender Vorsatz
  • fehlende gefährliche Tathandlung (z.B. wenn die Verletzungshandlung mit einem Gegenstand nicht gefährlich war),
  • widersprüchliche Zeugenaussagen zum Verlauf der Tat
  • Alkoholisierung
  • unklare Täterschaft

Wie läuft das Ermittlungsverfahren ab?

Wie ein Strafverfahren abläuft, erfahren Sie unter: Ablauf des Strafverfahrens.

Besonderheiten zum Ablauf bei Jugendlichen und Heranwachsenden finden Sie unter: Ablauf des Jugendstrafverfahrens

Zu Beginn des Ermittlungsverfahrens erfolgt meistens eine Vorladung von der Polizei. Nach Abschluss der Ermittlungen wird die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft übergeben, die dann entscheidet, ob das Verfahren eingestellt wird, z.B. mangels Tatverdacht oder wegen Geringfügigkeit oder ob es zu einem Strafbefehl bzw. einer Anklage kommt.  

Wenn Sie einer gefährlichen Körperverletzung beschuldigt werden, machen Sie keine Aussage bei der Polizei. Mehr dazu unter: Warum Sie im Ermittlungsverfahren schweigen sollten.

Beauftragen Sie einen Anwalt für Strafrecht, der für Sie Akteneinsicht beantragen und eine Verteidigungsstrategie entwerfen kann.

Unser oberstes Ziel ist stets, das Verfahren noch im Ermittlungsverfahren ohne Gerichtsverhandlung und ohne Eintrag ins Führungszeugnis zur Einstellung zu bringen.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Fahrlässige Körperverletzung

Fahrlässige Körperverletzung

Verfahren z.B. nach Unfällen & Behandlungsfehlern

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist fahrlässige Körperverletzung?

Fahrlässige Körperverletzung ist in § 229 des Strafgesetzbuches geregelt. Danach macht sich strafbar, wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht.

Was bedeutet „Fahrlässigkeit“?

Fahrlässig handelt, wer die gebotene Sorgfalt außer Acht lässt, zu der er nach den Umständen verpflichtet und fähig ist. Entscheidend ist, dass kein Vorsatz vorliegt – der Beschuldigte wollte den Erfolg also nicht herbeiführen, hätte ihn aber bei pflichtgemäßem Verhalten vermeiden können.

Beispiele:

  • Ein Autofahrer übersieht beim Abbiegen oder Parken einen Fußgänger oder Radfahrer.
  • Eine Person überschreitet die zulässige Höchstgeschwindigkeit und verursacht hierdurch einen Unfall.
  • Ein Arzt macht sorgfaltswidrig einen Behandlungsfehler.
  • Beim Werfen eines Gegenstandes wird eine andere Person getroffen.

In all diesen Fällen kann eine fahrlässige Körperverletzung vorliegen.

Fahrlässige Körperverletzung bei Verkehrsunfall

Besonders häufig wird der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung bei einem Verkehrsunfall erhoben. Hier reicht oft schon ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, etwa beim Spurwechsel, bei zu geringem Abstand oder bei einem Rotlichtverstoß.

Die Ermittlungsbehörden prüfen dabei, ob der Fahrer gegen Verkehrsregeln oder allgemeine Sorgfaltspflichten verstoßen hat. Liegt eine Pflichtverletzung vor und wurde dadurch ein anderer verletzt, gilt dies regelmäßig als fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr.

Auch wenn der Unfall „versehentlich“ geschah, bedeutet das nicht automatisch, dass keine strafrechtlichen Konsequenzen drohen. Entscheidend ist, ob der Fahrer objektiv und subjektiv pflichtwidrig gehandelt hat.

In solchen Fällen erhalten Beschuldigte häufig eine polizeiliche Vorladung als Beschuldigter. Sie sind nicht verpflichtet, dieser Folge zu leisten oder zur Sache auszusagen. Um alle Verteidigungschancen zu erhalten, sollten Sie sich umgehend an einen Anwalt für Strafrecht wenden.

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr – typische Fälle

Die meisten Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr entstehen durch:

  • Unaufmerksamkeit oder Ablenkung (z. B. Handy am Steuer),
  • Geschwindigkeitsüberschreitung,
  • Missachtung der Vorfahrt oder roter Ampeln,
  • Abstandsverstöße oder
  • Alkohol- oder Medikamenteneinfluss.

Besonders bei Vorwürfen im Straßenverkehr kann ein erfahrener Strafverteidiger bereits im Ermittlungsverfahren eine Einstellung des Verfahrens ohne Gerichtsverhandlung oder Eintragung in das Führungszeugnis erzielen.

Fahrlässige Körperverletzung – Strafe und Folgen

Welche Strafe droht bei fahrlässiger Körperverletzung? Das Gesetz sieht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. In der Praxis wird meist eine Geldstrafe verhängt oder das Verfahren (z.B. gegen eine Schadenswiedergutmachung) eingestellt. In gravierenderen Fällen kann der Entzug der Fahrerlaubnis drohen.

Neben der Strafe können auch zivilrechtliche Forderungen (z.B. Schmerzensgeld oder Schadensersatz) auf den Beschuldigten zukommen.

Eine frühzeitige anwaltliche Beratung ist daher entscheidend, um die Konsequenzen zu minimieren.

Vorladung wegen fahrlässiger Körperverletzung – was tun?

Wenn Sie eine Vorladung als Beschuldigter erhalten haben, sollten Sie keine Angaben zur Sache machen, bevor Sie mit einem Strafverteidiger gesprochen haben. Erfahren Sie mehr in unserem Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Ein Anwalt für Strafrecht beantragt zunächst Akteneinsicht und kann anschließend eine fundierte Verteidigungsstrategie entwickeln. Häufig besteht die Möglichkeit, das Verfahren im Ermittlungsverfahren einzustellen – etwa gegen Zahlung einer Geldauflage oder wegen Geringe der Schuld.

Erfahren Sie mehr über den Ablauf des Strafverfahrens.

Wann ist eine Einstellung möglich?

Ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung (im Straßenverkehr) kann eingestellt werden, wenn:

  • die Schuld als gering anzusehen ist (§ 153 StPO),
  • der Beschuldigte bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist,
  • das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung gering ist, oder
  • Wiedergutmachung erfolgt ist (z.B. Entschuldigung, Schadensregulierung).

Ein erfahrener Anwalt für Strafrecht kann Sie unterstützen, die Chancen auf eine Einstellung zu erhöhen. Die Einstellung des Verfahrens ohne Gerichtsverhandlung ist immer unser oberstes Ziel.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Bedrohung

Bedrohung

Anzeige wegen Bedrohung: Alles Wichtige

Jonas Meese
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Anzeige wegen Bedrohung – was bedeutet das?

Wenn Sie eine Anzeige wegen Bedrohung erhalten haben, wird Ihnen vorgeworfen, eine andere Person mit der Begehung einer gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten rechtswidrigen Tat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder gegen eine Sache von bedeutendem Wert bedroht zu haben (§ 241 Abs. 1 StGB).

Beispiele aus der Praxis:

  • Drohung, die Reifen eines Fahrzeugs aufzustechen (wenn Schaden über 750 € droht)
  • Drohung, jemanden zu schlagen (auch mit Baseballschläger oder Teleskopschlagstock)
  • Drohung, die Kinder der anderen zu schlagen.

Die Drohung muss konkret und ernst gemeint erscheinen. Flapsige Aussagen oder Übertreibungen im Streit sind nicht automatisch strafbar. Die Rechtsprechung verlangt, dass der Bedrohte die Ankündigung als ernsthafte Gefahr wahrnimmt. Irrelevant ist jedoch, ob die Drohung tatsächlich ernst gemeint war.

DROHUNG MIT VERBRECHEN (§ 241 ABS. 2 STGB)

Handelt es sich bei dem angedrohten Handeln um ein Verbrechen, greift ein höherer Strafrahmen (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren). Verbrechen sind alle Straftaten, die mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht sind (z.B. Mord, Totschlag oder Raub).

Beispiele aus der Praxis:

  • Drohung, jemanden „abzustechen“
  • „Wenn du das nochmal sagst, bringe ich dich um!“
  • Drohung, ein Gebäude „abzufackeln“

VORTÄUSCHEN EINES VERBRECHENS (§ 241 ABS. 3 STGB)

Strafbar ist auch, ein Verbrechen vorzutäuschen, auf das der Täter keinen Einfluss (mehr) hat. Nicht umfasst ist allerdings, wenn ein solches Verbrechen tatsächlich geplant ist oder bevorsteht.

Beispiele aus der Praxis:

  • Vortäuschen, eine Bombe versteckt zu haben, die jeden Moment explodieren könne.
  • Vortäuschen, dass jemand anderes den Adressaten töten werde.

Welche Strafe bei Bedrohung?

§ 241 StGB droht Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr, bei Bedrohung mit einem Verbrechen bis zu zwei Jahren an.

Wie hoch ist die Geldstrafe bei Bedrohung?

Die Geldstrafe richtet sich nach der Schwere des Vorwurfs und dem persönlichen Einkommen. Das monatliche Netto-Einkommen durch 30 dividiert ergibt die Höhe eines Tagessatzes. Die folgenden Faktoren bestimmen die Anzahl der Tagessätze:

  • Motiv und Hintergrund (z. B. Beziehungsstreit, Nachbarschaftskonflikt)
  • Ob Waffen oder gefährliche Gegenstände eine Rolle spielten
  • Ob die Drohung öffentlich oder in sozialen Medien erfolgte
  • Ob sich der Beschuldigte entschuldigt oder den Schaden wiedergutmacht

Bei Ersttätern werden häufig zwischen 30 und 120 Tagessätzen verhängt. Ab 90 Tagessätzen erfolgt regelmäßig eine Eintragung im Führungszeugnis.

Bedrohung Strafmaß – Geldstrafe oder Einstellung möglich?

Das Strafmaß bei Bedrohung und die Chancen für eine Einstellung des Verfahrens hängen von vielen Faktoren ab:

  • Vorstrafen
  • Art der Drohung (z.B. Morddrohung oder Drohung mit einer Körperverletzung)
  • Reaktion des Opfers
  • Verhalten nach der Tat

Gerade im Ermittlungsverfahren kann ein erfahrener Verteidiger mit der richtigen Strategie darauf hinwirken, dass das Verfahren eingestellt wird, insbesondere, wenn die Bedrohung im Affekt oder Streit gefallen ist.

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Was passiert nach einer Anzeige wegen Bedrohung?

Eine Anzeige wegen Bedrohung führt in der Regel zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Die Polizei nimmt den Sachverhalt auf, befragt Zeugen und verschickt anschließend häufig eine Vorladung als Beschuldigter.

Wer diese erhält, sollte nicht zur Polizei gehen und keine schriftliche Aussage tätigen, bevor ein Strafverteidiger Akteneinsicht genommen hat. Nur aus der Akte geht hervor, was Ihnen genau vorgeworfen wird und welche Beweise existieren.

Viele Beschuldigte denken, sie könnten den Vorwurf „aufklären“, indem sie ihre Sicht schildern. In der Praxis führt das jedoch oft zu Selbstbelastungen, die später kaum zu korrigieren sind.

Weitere Informationen finden Sie unter: Ablauf des Strafverfahrens.

Anwalt bei einer Anzeige wegen Bedrohung?

Ein erfahrener Strafverteidiger kann bereits im Ermittlungsverfahren entscheidend eingreifen:

Der Verteidiger erhält Einsicht in die Ermittlungsakte. Auf dieser Grundlage kann er einschätzen, ob eine Einstellung des Verfahrens realistisch ist oder ob eine Verteidigung vor Gericht vorbereitet werden muss.

In vielen Fällen lässt sich eine Einstellung nach § 153a StPO erreichen, z.B. gegen Zahlung einer Geldauflage. Das Verfahren wird dann ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung im Führungszeugnis abgeschlossen.

Haben Sie bereits einen Strafbefehl, ist schnelles Handeln erforderlich. Innerhalb von zwei Wochen kann Einspruch eingelegt werden – andernfalls wird der Strafbefehl rechtskräftig. Ein Strafverteidiger prüft, ob sich ein Einspruch lohnt oder ob eine mildere Lösung erreichbar ist.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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View Nachstellung

Nachstellung

Anzeige wegen Nachstellung – was tun?

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist Nachstellung? (§ 238 StGB)

Nach § 238 Abs. 1 StGB macht sich wegen Nachstellung strafbar, wer einem anderen unbefugt in einer Weise nachstellt, die geeignet ist, dessen Lebensgestaltung nicht unerheblich zu beeinträchtigen.

Dies kann etwa durch wiederholte (auch digitale) Kontaktaufnahmen, Beobachtungen, Bedrohungen oder Bestellungen unter unbefugter Verwendung der personenbezogenen Daten der anderen Person geschehen. Eine einmalige Handlung reicht nicht aus.

Entscheidend ist, dass das Opfer dadurch gezwungen wird, seine Lebensgestaltung zu ändern, z.B. durch Schutzmaßnahmen.

Die Handlungen müssen unbefugt erfolgen. Das bedeutet gegen den Willen der anderen Person. Daran kann es fehlen, wenn die andere Person ebenfalls Kontakt aufnimmt oder den Wunsch nach einem Kontaktabbruch nicht ausreichend deutlich macht.

Gerade in Trennungssituationen oder nach gescheiterten Beziehungen kommt es häufig zu einer Anzeige wegen Nachstellung, weil eine Person einen Kontaktabbruch wünscht. Für eine Strafbarkeit genügt jedoch noch nicht jede Belästigung, die mit Konflikten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Scheitern von Beziehungen verbunden ist, da dies häufig eine Kontaktaufnahme oder Kommunikation voraussetzt.

Nachstellung Bedeutung & Beispiele

§ 238 StGB enthält verschiedene Nachstellungshandlungen, die unter den genannten Umständen strafbar sein können. Nachstellen meint dabei Handlungen, die darauf ausgerichtet sind, durch Annäherungen an das Opfer in dessen persönlichen Lebensbereich einzugreifen und dadurch seine Handlungs- und Entschließungsfreiheit zu beeinträchtigen.

Nachstellung Beispiele:

  • wiederholte Anrufe, SMS oder WhatsApp-Nachrichten trotz erkennbarer Ablehnung,
  • gezieltes Erscheinen am Arbeitsplatz oder vor der Wohnung,
  • Kontaktaufnahme über soziale Medien oder unter Verwendung falscher Profile,
  • unerwünschte Geschenke oder Briefe,
  • das Nachlaufen oder Beobachten, auch aus einem Auto heraus,
  • das Veröffentlichen persönlicher Daten oder Fotos im Internet (häufig beim Cyberstalking).

Nachstellung Strafe – Welche Folgen drohen?

Nachstellung Strafe: Die Strafe für „Stalking“ hängt vom Einzelfall ab. Das Gesetz sieht Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. In besonders schweren Fällen (z.B. bei Gesundheitsschädigungen des Opfers oder Nachstellungen über sechs Monate) erhöht sich das Strafmaß auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Wird durch das Nachstellen der Tod des Opfers verursacht (z.B. durch Selbstmord), kann die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre betragen.

In vielen Fällen ist jedoch eine Einstellung des Verfahrens wegen Fehlen eines Tatverdachts oder gegen Auflage möglich. Auch bei vermeintlich „harmlosen“ Fällen sollte der Vorwurf ernst genommen werden und der Rat eines Anwalts für Strafrecht eingeholt werden, denn auch bei einer Geldstrafe kann eine Eintragung im Führungszeugnis Ihre berufliche Zukunft gefährden.

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Cyberstalking

In Zeiten sozialer Medien gewinnt Cyberstalking immer mehr Bedeutung. Die Grenzen zwischen Online- und Offline-Handlungen sind oft fließend.

Cyberstalking liegt vor, wenn die Nachstellung über das Internet oder digitale Kommunikationsmittel erfolgt – etwa durch:

  • wiederholte unerwünschte Nachrichten oder Drohungen per Messenger,
  • Veröffentlichung intimer Inhalte,
  • Überwachung durch Apps oder Ortungsdienste,
  • Diffamierung oder Identitätsdiebstahl.

Auch Cyberstalking fällt unter den Tatbestand der Nachstellung. Die Nachweisbarkeit hängt hier häufig von digitalen Spuren (Chatverläufe, IP-Adressen etc.) ab. Ob eine Nachstellung vorliegt und nachweisbar ist, sollte ein Anwalt für Strafrecht nach Akteneinsicht prüfen.

Nachstellung: Anzeige oder Vorladung – Was tun?

Wer wegen Nachstellung eine Vorladung erhält oder erfährt, dass jemand Anzeige erstattet hat, sollte sofort anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Eine Anzeige wegen Stalking löst regelmäßig ein Ermittlungsverfahren aus, selbst dann, wenn die Vorwürfe übertrieben oder unbegründet sind. Die Polizei wird den Beschuldigten zu einer Stellungnahme auffordern und eine Vorladung als Beschuldigter versenden.

Hier gilt: Keine Aussage ohne vorherige Akteneinsicht. Die Ermittlungsakte zeigt, worauf sich der Vorwurf stützt und welche Beweise vorliegen. Ein Anwalt für Strafrecht kann nach Akteneinsicht entscheiden, ob eine Stellungnahme sinnvoll ist oder Schweigen die bessere Verteidigungsstrategie ist.

Lesen Sie dazu auch: Vorladung als Beschuldigter

Anwalt Stalking – warum frühzeitige Verteidigung entscheidend ist

Ein erfahrener Anwalt kann bereits im Ermittlungsverfahren wegen Stalking viel bewirken.
Ziel ist es, eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen, sodass keine Anklage erhoben wird und kein Gerichtsverfahren stattfindet.

Gerade bei Vorwürfen der Nachstellung hängt viel von der rechtlichen Bewertung des Verhaltens ab – also davon, ob tatsächlich eine „nicht unerhebliche Beeinträchtigung“ vorliegt oder ob die Handlungen sozialüblich und emotional motiviert sind oder auf Missverständnissen beruhen.

Der Strafverteidiger wird:

  • Akteneinsicht beantragen,
  • die Verteidigungsstrategie festlegen,
  • bei der Staatsanwaltschaft auf eine Einstellung hinwirken,
  • oder – falls nötig – eine Strategie für das gerichtliche Verfahren entwickeln.

Frühzeitige anwaltliche Unterstützung kann entscheidend sein, um ein Ermittlungsverfahren ohne öffentliche Hauptverhandlung zu beenden.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Strafen & Möglichkeiten bei Widerstand gegen Polizei

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was bedeutet Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte?

Der Straftatbestand Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ist in § 113 StGB geregelt. Das Gesetz schützt Polizisten, Justizvollzugsbeamte und andere Amtsträger bei der Durchführung rechtmäßiger Maßnahmen. § 113 StGB stellt es unter Strafe, wenn jemand eine polizeiliche Maßnahme oder sonstige Vollstreckungshandlung eines Vollstreckungsbeamten mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt aktiv verhindert oder erschwert.

Die Rechtsprechung legt den Begriff Widerstand weit aus. Ein Angriff oder eine Körperverletzung ist nicht erforderlich. Ausreichend ist ein gegen den Vollstreckungsbeamten gerichtetes Verhalten, das nach der Vorstellung des Täters die Vollstreckungshandlung erschweren oder verhindern soll.

Typische Beispiele:

  • sich einer Festnahme entziehen
  • die Arme versteifen, um das Anlegen von Handschellen zu verhindern
  • Versteifen des Körpers, um nicht abgeführt zu werden
  • Festhalten an einem Gegenstand, um nicht abgeführt zu werden
  • Verriegeln von Türen, damit die Polizei nicht reinkommen kann
  • Springen vor ein Polizeifahrzeug
  • Abwehrbewegung beim Zugriff

Widerstand gegen Polizei: Widerstandshandlungen erfolgen meistens im Zusammenhang mit polizeilichen Maßnahmen, z.B. Durchsuchung oder Festnahme. Gerade bei einer Festnahme durch die Polizei werden Bewegungen vorschnell als Widerstand gewertet. Viele Beschuldigte betonen später, dass sie nicht vorhatten, Gewalt anzuwenden – juristisch reicht jedoch oft schon die objektive Erschwerung des Zugriffs aus. Nicht selten fühlen sich die Beschuldigten als Opfer polizeilicher Gewalt im Vorfeld. In diesen Fällen ist eine konsequente Verteidigung erforderlich, um Ihre Rechte wirksam durchzusetzen.

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Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: Strafe?

Die Strafe für Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte hängt maßgeblich von der Intensität der Gegenwehr, den Folgen für die Beamten und möglichen Begleitumständen (z.B. Alkohol, Nachtatverhalten, Vorstrafen) ab.

Der Strafrahmen sieht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren vor. Bei Ersttätern kann sehr häufig eine Geldstrafe oder eine Einstellung gegen Geldauflage erreicht werden, insbesondere wenn niemand verletzt wurde.

Für besonders schwere Fälle sieht § 113 Abs. 2 StGB erhöhte Strafen (Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren) vor. Ein besonders schwerer Fall liegt zum Beispiel vor, wenn

  • eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug bei sich geführt wird,
  • durch den Widerstand die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung herbeigeführt wird, oder
  • der Widerstand gemeinschaftlich begangen wird.

Treten weitere Vorwürfe, wie Beleidigung, Bedrohung oder Körperverletzung hinzu, droht eine höhere Strafe. In diesen Fällen ist eine effektive Verteidigung unverzichtbar, um Ihre Rechte wirksam durchzusetzen.

Widerstand gegen Polizei unter Alkohol

Nicht selten führt der Konsum von Alkohol zu schlechterer Koordination, Missverständnissen und einer geringeren Hemmschwelle. In Konfliktsituationen mit der Polizei kommt es unter Alkoholeinfluss daher häufig zum Vorwurf "Widerstand gegen Polizisten".

Alkoholkonsum ist dabei nicht automatisch strafmildernd zu bewerten. Für eine verminderte Schuldfähigkeit ist ein hoher Alkoholisierungsgrad und eine eingeschränkte Steuerungs- oder Einsichtsfähigkeit erforderlich. Je nach Umfang und Auswirkungen der vorgeworfenen Widerstandshandlung kann jedoch häufig eine Einstellung des Verfahrens oder eine milde Strafe erzielt werden.

Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte

Häufig tritt neben dem Vorwurf „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ auch der Vorwurf „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte“. Dieser ist in § 114 StGB geregelt und stellt eine unmittelbar auf den Körper zielende feindselige Einwirkung gegen Polizisten oder andere Vollstreckungsbeamte unter Strafe.

Hierzu gehören z.B. das Schlagen, Stoßen, Treten oder Anrempeln von Polizisten. Eine Körperverletzung oder ein Verletzungsvorsatz ist nicht erforderlich.

Nicht erforderlich ist, dass dieser Angriff im Rahmen einer konkreten Diensthandlung erfolgt.

Das Gesetz sieht eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren vor. Freiheitsstrafen unter sechs Monaten werden jedoch in aller Regel in Geldstrafen umgewandelt, sodass auch eine Geldstrafe in Betracht kommt. Auch für den tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte sieht das Gesetz einen höheren Strafrahmen (Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren) vor, wenn

  • Waffen oder gefährliche Werkzeuge bei sich geführt werden,
  • eine schwere Gesundheitsschädigung herbeigeführt wurde oder
  • die Tat gemeinschaftlich begangen wurde.

Widerstand und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte fallen häufig zusammen, sodass die Verletzung von zwei Straftatbeständen strafschärfend berücksichtigt wird. Ziel unserer Verteidigung ist es, die vorschnell erhobenen Vorwürfe auszuräumen.

Anwalt für Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Viele Betroffene machen den Fehler, direkt nach der Festnahme oder bei einer Vorladung eine Aussage zu machen, meist aus dem Bedürfnis, sich zu rechtfertigen oder weil sie sich durch die Polizei ungerecht behandelt fühlen. Da die Polizisten als Zeugen jedoch meist in der Überzahl sind und ihnen häufig Glauben geschenkt wird, ist beim Vorwurf Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ein strategisches Vorgehen erforderlich.

Wenn Sie eine Vorladung als Beschuldigter erhalten, gilt:

  • Machen Sie keine Aussage bei der Polizei!
  • Sie sind nicht verpflichtet, zur Vernehmung zu erscheinen.
  • Schalten Sie einen Anwalt für Strafrecht ein. Nach Akteneinsicht kann die Beweislage geprüft und eine passende Strategie entwickelt werden.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Raub

Raub

Raub & schwerer Raub: Strafen & Jugendstrafrecht

Jonas Meese
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist Raub?

Raub (§ 249 StGB) ist die Kombination aus dem Einsatz von Gewalt oder Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben und einem Diebstahl.

Damit ein Raub vorliegt, muss die Gewalt oder die Drohung mit dem Ziel eingesetzt werden, die Wegnahme der fremden Sache zu ermöglichen. Es kann jedoch auch ausreichen, wenn eine durch Gewalt erzeugte Situation für eine Wegnahme ausgenutzt wird, weil sich der Geschädigte aus Sorge vor weiterer Gewalt nicht gegen die Wegnahme wehrt.

Handeln zwei Personen zusammen, liegt auch dann ein Raub vor, wenn nur eine Person Gewalt anwendet und die andere eine Sache stiehlt.

Wann wird aus einem Raub ein schwerer Raub?

Sobald bestimmte qualifizierende Umstände vorliegen, wird ein einfacher Raub zu einem schweren Raub im Sinne von § 250 Abs. 1 StGB oder sogar zu einem besonders schweren Raub (§ 250 Abs. 2 StGB).

Schwerer Raub

Ein schwerer Raub liegt vor, wenn

  • bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug mitgeführt wird,
  • bei der Tat andere Werkzeuge oder Mittel mitgeführt werden, um den Widerstand einer anderen Person zu verhindern oder zu überwinden,
  • eine andere Person durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung gebracht wird oder
  • die Tat als Mitglied einer Bande unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds begangen wird.

Es reicht aus, wenn eines dieser Merkmale erfüllt ist. Bei einem bewaffneten Raubüberfall liegt daher, unabhängig von der Verwendung einer Waffe, bereits ein schwerer Raub vor.

Besonders schwerer Raub

Ein besonders schwerer Raub liegt vor, wenn

  • bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet wird,
  • die Tat als Mitglied einer Bande mit einem anderen Bandenmitglied begangen wird und dabei eine Waffe mitgeführt wird, oder
  • eine andere Person bei der Tat körperlich schwer misshandelt oder durch die Tat in die Gefahr des Todes gebracht wird.

Wird bei einem Raubüberfall mit einer Waffe gedroht oder diese eingesetzt handelt es sich um einen besonders schweren Raub.

(Schwerer) Raub Strafe

Der Strafrahmen für Raub, schweren Raub und besonders schweren Raub im Überblick:

Regelfall minder schwerer Fall
Raub 1–15 Jahre 6 Monate–5 Jahre
Schwerer
Raub
3–15 Jahre 1–10 Jahre
Besonders
schwerer
Raub
5–15 Jahre 1–10 Jahre

Die konkrete Strafe hängt von vielen Faktoren des Einzelfalls, wie z.B. Vorstrafen, Tatfolgen und Nachtatverhalten ab. Auch für Ersttäter drohen allerdings sensible Strafen. Ziel der Verteidigung ist es in der Regel, die Vorwürfe auszuräumen und eine Einstellung mangels Tatverdacht oder einen Freispruch zu erkämpfen. Alternativ kann durch eine Strafmaßverteidigung auf eine Bewährungsstrafe hingewirkt werden, um Ihre Freiheit zu erhalten.

{{orange-cta}}

Strafe für Raub im Jugendstrafrecht

Wenn Jugendliche oder Heranwachsende (14-21 Jahre) wegen Raub oder schwerem Raub beschuldigt werden, gelten abweichend von den Strafrahmen des Strafgesetzbuchs die besonderen Sanktionen im Jugendstrafrecht.

Grundsätzlich gilt: Im Jugendstrafrecht steht nicht die Bestrafung, sondern die Erziehung im Fokus. Dennoch gehören die Raubdelikte zu den schwersten Straftaten, insbesondere schwerer bzw. bewaffneter Raub. Es drohen daher auch für Jugendliche und Heranwachsende Jugendarrest oder Jugendstrafe.

Eine frühzeitige Verteidigung kann hier entscheidend sein. Wir beraten Sie über die Besonderheiten im Ablauf des Jugendstrafverfahrens und entwickeln eine individuelle Verteidigungsstrategie für Ihren Fall.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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Gefährliche Körperverletzung

Alles zum Tatbestand, zur Strafe (auch bei Ersttätern) und Chancen

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist eine gefährliche Körperverletzung?

Die gefährliche Körperverletzung gemäß § 224 StGB ist eine schwerwiegendere Form (sogenannte "Qualifikation") der einfachen Körperverletzung gemäß § 223 StGB. Eine gefährliche Körperverletzung liegt vor, wenn der Täter die Tat unter einem der folgenden Umstände begeht:

1. Verwendung von Gift oder gesundheitsschädlichen Stoffen

Das umfasst Substanzen, die die Gesundheit erheblich beeinträchtigen können. Beispiele, bei denen es sich um solche Stoffe handeln kann:

  • Medikamente in hoher Dosierung
  • Reizstoffe
  • Gase
  • sogenannte „K.O.-Tropfen

2. Verwendung einer Waffe oder eines gefährlichen Werkzeugs

Ein gefährliches Werkzeug ist jeder Gegenstand, der aufgrund seiner Beschaffenheit und der Art der Verwendung erhebliche Verletzungen verursachen kann. Beispiele sind:

  • Flaschen, die geworfen werden
  • Messer, mit denen Schnitt- oder Stichverletzungen zugefügt werden
  • Werkzeuge wie Schraubenzieher oder Stangen, mit denen zugeschlagen wird
  • Schwere Schuhe, mit denen zugetreten wird

3. Hinterlistiger Überfall

Dazu gehören Angriffe, die das Opfer nicht kommen sieht, weil sie vom Täter verdeckt erfolgen. Beispiel: Der Täter täuscht vor, dass er das Opfer begrüßen möchte und schlägt dann unvermittelt zu.

4. Gemeinsame Tatbegehung

Dazu gehören Taten, bei denen mehrere Täter gemeinsam handeln und das Opfer dadurch einem höheren Risiko ausgesetzt ist.

5. Beibringen einer das Leben gefährdenden Behandlung

Dazu zählen Handlungen, die objektiv geeignet sind, das Leben des Opfers zu gefährden. Beispiele:

  • Tritte gegen den Kopf
  • Würgen
  • Messerstiche

Welche Strafe droht bei gefährlicher Körperverletzung?

Bei einer gefährlichen Körperverletzung droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen hohe Geldstrafen. In der Regel erfolgt eine Eintragung im Führungszeugnis.

Wichtig: Zusätzlich zur Strafe drohen erhebliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen des Verletzten.

Welche Strafe ist bei einem Ersttäter bei gefährlicher Körperverletzung zu erwarten?

Für Ersttäter einer gefährlichen Körperverletzung wird in den meisten Fällen eine Freiheitsstrafe auf Bewährung oder eine Geldstrafe verhängt, wenn keine Vorstrafen bestehen und die Tat nicht besonders schwerwiegend ist.

Die tatsächliche Strafe hängt insbesondere von folgenden Punkten ab:

  • Schwere der Verletzungen
  • Art des gefährlichen Werkzeugs
  • Ablauf der Tat (z.B. im Affekt)
  • Verhalten nach der Tat
  • Provokation durch das Opfer
  • Alkoholisierung des Täters
  • Vorstrafen des Täters

Unter Umständen kommt auch eine Milderung des Strafrahmens (minder schwerer Fall) in Betracht, zum Beispiel bei einem Täter-Opfer-Ausgleich oder verminderter Schuldfähigkeit bei Alkoholisierung. In diesen Fällen kann gerade für Ersttäter ohne Vorstrafen in vielen Fällen noch eine Geldstrafe erreicht werden.

Außerdem besteht insbesondere bei Ersttätern die Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen. In diesem Fall erfolgt kein Eintrag im Führungszeugnis.

Wie kann ich mich gegen den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung verteidigen?

Mögliche Verteidigungsansätze sind:

  • Notwehr oder Nothilfe
  • fehlender Vorsatz
  • fehlende gefährliche Tathandlung (z.B. wenn die Verletzungshandlung mit einem Gegenstand nicht gefährlich war),
  • widersprüchliche Zeugenaussagen zum Verlauf der Tat
  • Alkoholisierung
  • unklare Täterschaft

Wie läuft das Ermittlungsverfahren ab?

Wie ein Strafverfahren abläuft, erfahren Sie unter: Ablauf des Strafverfahrens.

Besonderheiten zum Ablauf bei Jugendlichen und Heranwachsenden finden Sie unter: Ablauf des Jugendstrafverfahrens

Zu Beginn des Ermittlungsverfahrens erfolgt meistens eine Vorladung von der Polizei. Nach Abschluss der Ermittlungen wird die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft übergeben, die dann entscheidet, ob das Verfahren eingestellt wird, z.B. mangels Tatverdacht oder wegen Geringfügigkeit oder ob es zu einem Strafbefehl bzw. einer Anklage kommt.  

Wenn Sie einer gefährlichen Körperverletzung beschuldigt werden, machen Sie keine Aussage bei der Polizei. Mehr dazu unter: Warum Sie im Ermittlungsverfahren schweigen sollten.

Beauftragen Sie einen Anwalt für Strafrecht, der für Sie Akteneinsicht beantragen und eine Verteidigungsstrategie entwerfen kann.

Unser oberstes Ziel ist stets, das Verfahren noch im Ermittlungsverfahren ohne Gerichtsverhandlung und ohne Eintrag ins Führungszeugnis zur Einstellung zu bringen.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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