Anzeige wegen Bedrohung – was bedeutet das?
Wenn Sie eine Anzeige wegen Bedrohung erhalten haben, wird Ihnen vorgeworfen, eine andere Person mit der Begehung einer gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten rechtswidrigen Tat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder gegen eine Sache von bedeutendem Wert bedroht zu haben (§ 241 Abs. 1 StGB).
Beispiele aus der Praxis:
- Drohung, die Reifen eines Fahrzeugs aufzustechen (wenn Schaden über 750 € droht)
- Drohung, jemanden zu schlagen (auch mit Baseballschläger oder Teleskopschlagstock)
- Drohung, die Kinder der anderen zu schlagen.
Die Drohung muss konkret und ernst gemeint erscheinen. Flapsige Aussagen oder Übertreibungen im Streit sind nicht automatisch strafbar. Die Rechtsprechung verlangt, dass der Bedrohte die Ankündigung als ernsthafte Gefahr wahrnimmt. Irrelevant ist jedoch, ob die Drohung tatsächlich ernst gemeint war.
DROHUNG MIT VERBRECHEN (§ 241 ABS. 2 STGB)
Handelt es sich bei dem angedrohten Handeln um ein Verbrechen, greift ein höherer Strafrahmen (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren). Verbrechen sind alle Straftaten, die mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht sind (z.B. Mord, Totschlag oder Raub).
Beispiele aus der Praxis:
- Drohung, jemanden „abzustechen“
- „Wenn du das nochmal sagst, bringe ich dich um!“
- Drohung, ein Gebäude „abzufackeln“
VORTÄUSCHEN EINES VERBRECHENS (§ 241 ABS. 3 STGB)
Strafbar ist auch, ein Verbrechen vorzutäuschen, auf das der Täter keinen Einfluss (mehr) hat. Nicht umfasst ist allerdings, wenn ein solches Verbrechen tatsächlich geplant ist oder bevorsteht.
Beispiele aus der Praxis:
- Vortäuschen, eine Bombe versteckt zu haben, die jeden Moment explodieren könne.
- Vortäuschen, dass jemand anderes den Adressaten töten werde.
Welche Strafe bei Bedrohung?
§ 241 StGB droht Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr, bei Bedrohung mit einem Verbrechen bis zu zwei Jahren an.
Wie hoch ist die Geldstrafe bei Bedrohung?
Die Geldstrafe richtet sich nach der Schwere des Vorwurfs und dem persönlichen Einkommen. Das monatliche Netto-Einkommen durch 30 dividiert ergibt die Höhe eines Tagessatzes. Die folgenden Faktoren bestimmen die Anzahl der Tagessätze:
- Motiv und Hintergrund (z. B. Beziehungsstreit, Nachbarschaftskonflikt)
- Ob Waffen oder gefährliche Gegenstände eine Rolle spielten
- Ob die Drohung öffentlich oder in sozialen Medien erfolgte
- Ob sich der Beschuldigte entschuldigt oder den Schaden wiedergutmacht
Bei Ersttätern werden häufig zwischen 30 und 120 Tagessätzen verhängt. Ab 90 Tagessätzen erfolgt regelmäßig eine Eintragung im Führungszeugnis.
Bedrohung Strafmaß – Geldstrafe oder Einstellung möglich?
Das Strafmaß bei Bedrohung und die Chancen für eine Einstellung des Verfahrens hängen von vielen Faktoren ab:
- Vorstrafen
- Art der Drohung (z.B. Morddrohung oder Drohung mit einer Körperverletzung)
- Reaktion des Opfers
- Verhalten nach der Tat
Gerade im Ermittlungsverfahren kann ein erfahrener Verteidiger mit der richtigen Strategie darauf hinwirken, dass das Verfahren eingestellt wird, insbesondere, wenn die Bedrohung im Affekt oder Streit gefallen ist.
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Was passiert nach einer Anzeige wegen Bedrohung?
Eine Anzeige wegen Bedrohung führt in der Regel zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Die Polizei nimmt den Sachverhalt auf, befragt Zeugen und verschickt anschließend häufig eine Vorladung als Beschuldigter.
Wer diese erhält, sollte nicht zur Polizei gehen und keine schriftliche Aussage tätigen, bevor ein Strafverteidiger Akteneinsicht genommen hat. Nur aus der Akte geht hervor, was Ihnen genau vorgeworfen wird und welche Beweise existieren.
Viele Beschuldigte denken, sie könnten den Vorwurf „aufklären“, indem sie ihre Sicht schildern. In der Praxis führt das jedoch oft zu Selbstbelastungen, die später kaum zu korrigieren sind.
Weitere Informationen finden Sie unter: Ablauf des Strafverfahrens.
Anwalt bei einer Anzeige wegen Bedrohung?
Ein erfahrener Strafverteidiger kann bereits im Ermittlungsverfahren entscheidend eingreifen:
Der Verteidiger erhält Einsicht in die Ermittlungsakte. Auf dieser Grundlage kann er einschätzen, ob eine Einstellung des Verfahrens realistisch ist oder ob eine Verteidigung vor Gericht vorbereitet werden muss.
In vielen Fällen lässt sich eine Einstellung nach § 153a StPO erreichen, z.B. gegen Zahlung einer Geldauflage. Das Verfahren wird dann ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung im Führungszeugnis abgeschlossen.
Haben Sie bereits einen Strafbefehl, ist schnelles Handeln erforderlich. Innerhalb von zwei Wochen kann Einspruch eingelegt werden – andernfalls wird der Strafbefehl rechtskräftig. Ein Strafverteidiger prüft, ob sich ein Einspruch lohnt oder ob eine mildere Lösung erreichbar ist.
Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.
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