Alexander Schlüter
18.02.2026
·
0 Min.
Lesedauer

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Das Wichtigste in Kürze:

  • Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte nach § 113 StGB liegt vor, wenn sich jemand aktiv gegen eine rechtmäßige polizeiliche Maßnahme wehrt oder eine solche stört.
  • Bereits geringfügige körperliche Gegenwehr kann eine Strafbarkeit auslösen – auch bei Widerstand gegen Festnahmen oder Widerstand unter Alkoholeinfluss.
  • Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte Strafe: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren, in schweren Fällen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahre.
  • Ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte (§ 114 StGB) ist eine feindselige Einwirkung auf Vollstreckungsbeamte und setzt keinen Vorsatz für eine Körperverletzung voraus.

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Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte?

Der Straftatbestand Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ist in § 113 StGB geregelt. Das Gesetz schützt Polizisten, Justizvollzugsbeamte und andere Amtsträger bei der Durchführung rechtmäßiger Maßnahmen. § 113 StGB stellt es unter Strafe, wenn jemand eine polizeiliche Maßnahme oder sonstige Vollstreckungshandlung eines Vollstreckungsbeamten mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt aktiv verhindert oder erschwert.

Die Rechtsprechung legt den Begriff Widerstand weit aus. Ein Angriff oder eine Körperverletzung ist nicht erforderlich. Ausreichend ist ein gegen den Vollstreckungsbeamten gerichtetes Verhalten, das nach der Vorstellung des Täters die Vollstreckungshandlung erschweren oder verhindern soll.

Typische Beispiele:

  • sich einer Festnahme entziehen
  • die Arme versteifen, um das Anlegen von Handschellen zu verhindern
  • Versteifen des Körpers, um nicht abgeführt zu werden
  • Festhalten an einem Gegenstand, um nicht abgeführt zu werden
  • Verriegeln von Türen, damit die Polizei nicht reinkommen kann
  • Springen vor ein Polizeifahrzeug
  • Abwehrbewegung beim Zugriff

Widerstand gegen Polizei: Widerstandshandlungen erfolgen meistens im Zusammenhang mit polizeilichen Maßnahmen, z.B. Durchsuchung oder Festnahme. Gerade bei einer Festnahme durch die Polizei werden Bewegungen vorschnell als Widerstand gewertet. Viele Beschuldigte betonen später, dass sie nicht vorhatten, Gewalt anzuwenden – juristisch reicht jedoch oft schon die objektive Erschwerung des Zugriffs aus. Nicht selten fühlen sich die Beschuldigten als Opfer polizeilicher Gewalt im Vorfeld. In diesen Fällen ist eine konsequente Verteidigung erforderlich, um Ihre Rechte wirksam durchzusetzen.

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Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: Strafe?

Die Strafe für Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte hängt maßgeblich von der Intensität der Gegenwehr, den Folgen für die Beamten und möglichen Begleitumständen (z.B. Alkohol, Nachtatverhalten, Vorstrafen) ab.

Der Strafrahmen sieht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren vor. Bei Ersttätern kann sehr häufig eine Geldstrafe oder eine Einstellung gegen Geldauflage erreicht werden, insbesondere wenn niemand verletzt wurde.

Für besonders schwere Fälle sieht § 113 Abs. 2 StGB erhöhte Strafen (Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren) vor. Ein besonders schwerer Fall liegt zum Beispiel vor, wenn

  • eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug bei sich geführt wird,
  • durch den Widerstand die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung herbeigeführt wird, oder
  • der Widerstand gemeinschaftlich begangen wird.

Treten weitere Vorwürfe, wie Beleidigung, Bedrohung oder Körperverletzung hinzu, droht eine höhere Strafe. In diesen Fällen ist eine effektive Verteidigung unverzichtbar, um Ihre Rechte wirksam durchzusetzen.

Widerstand gegen Polizei unter Alkohol

Nicht selten führt der Konsum von Alkohol zu schlechterer Koordination, Missverständnissen und einer geringeren Hemmschwelle. In Konfliktsituationen mit der Polizei kommt es unter Alkoholeinfluss daher häufig zum Vorwurf "Widerstand gegen Polizisten".

Alkoholkonsum ist dabei nicht automatisch strafmildernd zu bewerten. Für eine verminderte Schuldfähigkeit ist ein hoher Alkoholisierungsgrad und eine eingeschränkte Steuerungs- oder Einsichtsfähigkeit erforderlich. Je nach Umfang und Auswirkungen der vorgeworfenen Widerstandshandlung kann jedoch häufig eine Einstellung des Verfahrens oder eine milde Strafe erzielt werden.

Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte

Häufig tritt neben dem Vorwurf „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ auch der Vorwurf „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte“. Dieser ist in § 114 StGB geregelt und stellt eine unmittelbar auf den Körper zielende feindselige Einwirkung gegen Polizisten oder andere Vollstreckungsbeamte unter Strafe.

Hierzu gehören z.B. das Schlagen, Stoßen, Treten oder Anrempeln von Polizisten. Eine Körperverletzung oder ein Verletzungsvorsatz ist nicht erforderlich.

Nicht erforderlich ist, dass dieser Angriff im Rahmen einer konkreten Diensthandlung erfolgt.

Das Gesetz sieht eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren vor. Freiheitsstrafen unter sechs Monaten werden jedoch in aller Regel in Geldstrafen umgewandelt, sodass auch eine Geldstrafe in Betracht kommt. Auch für den tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte sieht das Gesetz einen höheren Strafrahmen (Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren) vor, wenn

  • Waffen oder gefährliche Werkzeuge bei sich geführt werden,
  • eine schwere Gesundheitsschädigung herbeigeführt wurde oder
  • die Tat gemeinschaftlich begangen wurde.

Widerstand und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte fallen häufig zusammen, sodass die Verletzung von zwei Straftatbeständen strafschärfend berücksichtigt wird. Ziel unserer Verteidigung ist es, die vorschnell erhobenen Vorwürfe auszuräumen.

Anwalt für Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Viele Betroffene machen den Fehler, direkt nach der Festnahme oder bei einer Vorladung eine Aussage zu machen, meist aus dem Bedürfnis, sich zu rechtfertigen oder weil sie sich durch die Polizei ungerecht behandelt fühlen. Da die Polizisten als Zeugen jedoch meist in der Überzahl sind und ihnen häufig Glauben geschenkt wird, ist beim Vorwurf Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ein strategisches Vorgehen erforderlich.

Wenn Sie eine Vorladung als Beschuldigter erhalten, gilt:

  • Machen Sie keine Aussage bei der Polizei!
  • Sie sind nicht verpflichtet, zur Vernehmung zu erscheinen.
  • Schalten Sie einen Anwalt für Strafrecht ein. Nach Akteneinsicht kann die Beweislage geprüft und eine passende Strategie entwickelt werden.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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Ihr Ansprechpartner:
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FAQS

Die Antworten auf die häufigsten Fragen zu diesem Thema finden Sie hier.

Kann die Strafe erhöht werden, wenn ein Polizeibeamter verletzt wurde?

Ja, das Ausmaß der Verletzung ist wie bei der Körperverletzung häufig ein entscheidendes Kriterium für die Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens und die Höhe einer möglichen Strafe.

Was, wenn die Maßnahme der Polizei rechtswidrig war?

Eine rechtswidrige Maßnahme oder der Irrtum über die Rechtmäßigkeit kann die Strafbarkeit ausschließen. Hieran werden in der Praxis allerdings hohe Hürden gestellt. Wir prüfen für Sie im konkreten Einzelfall, ob die Verteidigungsstrategie auf die Rechtswidrigkeit der Maßnahme gestützt werden kann.

Muss ich eine Vorladung der Polizei wahrnehmen?

Nein. Sie müssen zu einer Vorladung als Beschuldigter nicht erscheinen und sollten auch schriftlich keine Aussage machen.

Ich habe mich nur bewegt, weil ich Schmerzen hatte – ist das Widerstand?

Das kommt einerseits auf die Bewegung, andererseits auf die Nachweisbarkeit der Schmerzen an. In diesen Konstellationen sind die Polizeibeamten als Zeugen meist in der Überzahl. Ziel unserer Verteidigung ist es, Ihre Rechte durchzusetzen und nachzuweisen, dass es sich lediglich um eine schmerzbedingte Reaktion handelt. Dann ist eine Einstellung des Verfahrens oder ein Freispruch möglich.

Kann man auch bestraft werden, wenn man die Polizeibeamten nicht verletzen wollte?

Ja. Vorsatz ist nur im Hinblick auf die Widerstandshandlung bzw. die „feindliche“ Einwirkung auf die Polizisten erforderlich. Ob Sie den Polizisten verletzen wollten, ist für eine Strafbarkeit nicht relevant, hat aber Einfluss auf die Chancen für eine Einstellung des Verfahrens und das mögliche Strafmaß.

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Bedrohung

Anzeige wegen Bedrohung: Alles Wichtige

Jonas Meese
12.15.2025
·
5 Min.
Lesedauer

Anzeige wegen Bedrohung – was bedeutet das?

Wenn Sie eine Anzeige wegen Bedrohung erhalten haben, wird Ihnen vorgeworfen, eine andere Person mit der Begehung einer gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten rechtswidrigen Tat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder gegen eine Sache von bedeutendem Wert bedroht zu haben (§ 241 Abs. 1 StGB).

Beispiele aus der Praxis:

  • Drohung, die Reifen eines Fahrzeugs aufzustechen (wenn Schaden über 750 € droht)
  • Drohung, jemanden zu schlagen (auch mit Baseballschläger oder Teleskopschlagstock)
  • Drohung, die Kinder der anderen zu schlagen.

Die Drohung muss konkret und ernst gemeint erscheinen. Flapsige Aussagen oder Übertreibungen im Streit sind nicht automatisch strafbar. Die Rechtsprechung verlangt, dass der Bedrohte die Ankündigung als ernsthafte Gefahr wahrnimmt. Irrelevant ist jedoch, ob die Drohung tatsächlich ernst gemeint war.

DROHUNG MIT VERBRECHEN (§ 241 ABS. 2 STGB)

Handelt es sich bei dem angedrohten Handeln um ein Verbrechen, greift ein höherer Strafrahmen (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren). Verbrechen sind alle Straftaten, die mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht sind (z.B. Mord, Totschlag oder Raub).

Beispiele aus der Praxis:

  • Drohung, jemanden „abzustechen“
  • „Wenn du das nochmal sagst, bringe ich dich um!“
  • Drohung, ein Gebäude „abzufackeln“

VORTÄUSCHEN EINES VERBRECHENS (§ 241 ABS. 3 STGB)

Strafbar ist auch, ein Verbrechen vorzutäuschen, auf das der Täter keinen Einfluss (mehr) hat. Nicht umfasst ist allerdings, wenn ein solches Verbrechen tatsächlich geplant ist oder bevorsteht.

Beispiele aus der Praxis:

  • Vortäuschen, eine Bombe versteckt zu haben, die jeden Moment explodieren könne.
  • Vortäuschen, dass jemand anderes den Adressaten töten werde.

Welche Strafe bei Bedrohung?

§ 241 StGB droht Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr, bei Bedrohung mit einem Verbrechen bis zu zwei Jahren an.

Wie hoch ist die Geldstrafe bei Bedrohung?

Die Geldstrafe richtet sich nach der Schwere des Vorwurfs und dem persönlichen Einkommen. Das monatliche Netto-Einkommen durch 30 dividiert ergibt die Höhe eines Tagessatzes. Die folgenden Faktoren bestimmen die Anzahl der Tagessätze:

  • Motiv und Hintergrund (z. B. Beziehungsstreit, Nachbarschaftskonflikt)
  • Ob Waffen oder gefährliche Gegenstände eine Rolle spielten
  • Ob die Drohung öffentlich oder in sozialen Medien erfolgte
  • Ob sich der Beschuldigte entschuldigt oder den Schaden wiedergutmacht

Bei Ersttätern werden häufig zwischen 30 und 120 Tagessätzen verhängt. Ab 90 Tagessätzen erfolgt regelmäßig eine Eintragung im Führungszeugnis.

Bedrohung Strafmaß – Geldstrafe oder Einstellung möglich?

Das Strafmaß bei Bedrohung und die Chancen für eine Einstellung des Verfahrens hängen von vielen Faktoren ab:

  • Vorstrafen
  • Art der Drohung (z.B. Morddrohung oder Drohung mit einer Körperverletzung)
  • Reaktion des Opfers
  • Verhalten nach der Tat

Gerade im Ermittlungsverfahren kann ein erfahrener Verteidiger mit der richtigen Strategie darauf hinwirken, dass das Verfahren eingestellt wird, insbesondere, wenn die Bedrohung im Affekt oder Streit gefallen ist.

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Was passiert nach einer Anzeige wegen Bedrohung?

Eine Anzeige wegen Bedrohung führt in der Regel zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Die Polizei nimmt den Sachverhalt auf, befragt Zeugen und verschickt anschließend häufig eine Vorladung als Beschuldigter.

Wer diese erhält, sollte nicht zur Polizei gehen und keine schriftliche Aussage tätigen, bevor ein Strafverteidiger Akteneinsicht genommen hat. Nur aus der Akte geht hervor, was Ihnen genau vorgeworfen wird und welche Beweise existieren.

Viele Beschuldigte denken, sie könnten den Vorwurf „aufklären“, indem sie ihre Sicht schildern. In der Praxis führt das jedoch oft zu Selbstbelastungen, die später kaum zu korrigieren sind.

Weitere Informationen finden Sie unter: Ablauf des Strafverfahrens.

Anwalt bei einer Anzeige wegen Bedrohung?

Ein erfahrener Strafverteidiger kann bereits im Ermittlungsverfahren entscheidend eingreifen:

Der Verteidiger erhält Einsicht in die Ermittlungsakte. Auf dieser Grundlage kann er einschätzen, ob eine Einstellung des Verfahrens realistisch ist oder ob eine Verteidigung vor Gericht vorbereitet werden muss.

In vielen Fällen lässt sich eine Einstellung nach § 153a StPO erreichen, z.B. gegen Zahlung einer Geldauflage. Das Verfahren wird dann ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung im Führungszeugnis abgeschlossen.

Haben Sie bereits einen Strafbefehl, ist schnelles Handeln erforderlich. Innerhalb von zwei Wochen kann Einspruch eingelegt werden – andernfalls wird der Strafbefehl rechtskräftig. Ein Strafverteidiger prüft, ob sich ein Einspruch lohnt oder ob eine mildere Lösung erreichbar ist.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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Beleidigung

Bußgeldkatalog bei Beleidigung?

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
Lesedauer

Was fällt unter Beleidigung?

Unter den Tatbestand der Beleidigung fällt jede Äußerung, die die Ehre eines anderen Menschen angreift. Das kann durch Worte, Gesten oder Handlungen geschehen. Entscheidend ist nicht, ob Sie „die Wahrheit“ sagen, sondern ob Ihre Äußerung als ehrverletzend gilt.

Was sind Beispiele für eine Beleidung?

  • Der Mittelfinger oder das „Vogel zeigen“ im Straßenverkehr sind klassische Beleidigungen
  • Auch durch digitale Kommunikation (WhatsApp, Instagram, Facebook) kann eine Beleidigung geäußert werden
  • Eine Beleidigung auf sexueller Grundlage liegt bei anzüglichen Bemerkungen oder Gesten vor, wenn sie objektiv als Herabwürdigung zu verstehen sind.
  • Eine Beamtenbeleidigung gibt es im Gesetz nicht: Wer einen Beamten beschimpft, wird genauso bestraft, wie bei einer „normalen“ Beleidigung.

Wird jede Beleidigung verfolgt?

Die Strafverfolgung erfolgt bei Beleidigung nur bei einem sogenannten Strafantrag des Verletzten. Das heißt: Nur wenn der Betroffene selbst einen Antrag auf Strafverfolgung stellt, wird gegen Sie ermittelt. Dieser Strafantrag muss innerhalb von drei Monaten gestellt werden.

Strafe bei Beleidigung

Die Strafe bei Beleidigung kann betragen:

  • Geldstrafe
  • Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr im Normalfall
  • Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren, wenn  die Beleidigung öffentlich, in einer Versammlung, durch Verbreiten eines Inhalts oder mittels einer Tätlichkeit begangen wird

Bußgeldkatalog: Für welche Beleidigung gibt es welche Strafe?

Es gibt keinen „Bußgeldkatalog“ für verschiedene Beleidigungen. Die konkrete Strafe hängt immer von dem jeweiligen Kontext der Äußerung ab. Sie wird in Tagessätzen bemessen.

Daumenregel: Monatliches Nettoeinkommen geteilt durch 30 = ein Tagessatz.

Auch wenn es keinen festen Bußgeldkatalog gibt, geben diese Urteile einen Überblick, wie viele Tagessätze von Gerichten festgesetzt wurden:

Tat Der Angeklagte beleidigte mit den Worten „Dreckspack“ und „Arschloch“.
Strafe 50 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Mönchengladbach (2017)
Tat Der Angeklagte bezeichnete einen Richter als „Volksverräter“.
Strafe 100 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Frankfurt am Main (2021)
Tat Eine angehende Polizistin beleidigte einen Kollegen in zwei Fällen rassistisch, unter anderem mit Affengesten.
Strafe 120 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Berlin-Tiergarten (2024)
Tat Der Angeklagte beleidigte im Internet Politiker mit Hasskommentaren.
Urteil 110 Tagessätze
Gericht Amtsgericht Detmold (2023)
Tat Der Angeklagte (Taxifahrer) zeigte im Straßenverkehr einen Mittelfinger.
Strafe 50 Tagessätze
Gericht Amtsgericht München (2015)

Wichtig: Je nach Höhe des Tagessatzes kann die Strafe sehr empfindlich ausfallen. In einem presseträchtigen Fall am Amtsgericht Hamburg-Mitte wurden ein Angeklagter für eine Beleidigung im Straßenverkehr zu 30 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt und die Tagessatzhöhe auf 2.000€ festgesetzt, da der Angeklagte ein sehr hohes Einkommen hatte. Die Gesamtstrafe betrug also 60.000€.

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Wird Beleidigung ins Führungszeugnis eingetragen?

Eine Verurteilung oder ein Strafbefehl wegen Beleidigung wird ins Führungszeugnis eingetragen, wenn Vorstrafen bestehen oder wenn die Strafe über 90 Tagessätze beträgt. Dies kann gravierende Folgen für Jobwahl bzw. Beamtenlaufbahn haben. Aber auch unterhalb der Grenze von 90 Tagessätzen wird die Verurteilung ins Bundeszentralregister eingetragen.

Oberstes Ziel eines Anwalts für Strafrecht ist daher, dass das Verfahren ohne Gerichtsverhandlung und ohne Eintrag ins Führungszeugnis eingestellt wird.

Vorladung wegen einer Beleidigung

  • Keine Aussage ohne Anwalt: als Beschuldigter sind Sie nicht verpflichtet, Angaben zur Sache zu machen. Viele versuchen, die Situation durch eine Erklärung zu entschärfen, und verschlimmern sie dadurch nur.
  • Beauftragen Sie einen Anwalt für Strafrecht. Wir helfen Ihnen gerne! Jeder Kontakt zur Polizei und der Staatsanwaltschaft sollte nur über einen Anwalt erfolgen.
  • Ein Rechtsanwalt kann die Ermittlungsakte einsehen. Daraus ergibt sich, was Ihnen konkret vorgeworfen wird.
  • Frühzeitige Verteidigung zahlt sich aus. Je früher ein erfahrener Strafverteidiger eingeschaltet wird, desto größer sind die Chancen, das Verfahren ohne Anklage zu beenden, z.B. mit einer Verfahrenseinstellung mangels Tatverdachts oder gegen eine geringe Geldauflage.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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Körperverletzung

Alles zu Strafe, Verjährung & Schmerzensgeld

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
Lesedauer

Dieser Text enthält alles Wichtige zum Thema vorsätzliche Körperverletzung.

Weitere Informationen finden Sie auch hier:

Was passiert nach einer Anzeige wegen Körperverletzung?

Wer eine Anzeige wegen Körperverletzung erhält, ist zunächst Beschuldigter in einem Strafverfahren. Die Polizei oder Staatsanwaltschaft wird Ermittlungen einleiten, um den Sachverhalt aufzuklären. Häufig werden Sie zunächst zur Vernehmung vorgeladen oder aufgefordert, schriftlich Stellung zu nehmen.

Wichtig: Sie sind nicht verpflichtet, bei der Polizei zu erscheinen oder Angaben zur Sache zu machen. Ohne anwaltliche Beratung sollten Sie grundsätzlich keine Aussage abgeben. Eine unüberlegte Äußerung kann die Verteidigung später erheblich erschweren.

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Nach Abschluss der Ermittlungen entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob das Verfahren eingestellt oder Anklage erhoben wird. Eine frühe Verteidigung durch einen Anwalt für Körperverletzung kann bereits im Ermittlungsverfahren dazu beitragen, dass das Verfahren eingestellt wird, ohne dass es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung oder einer Eintragung im Führungszeugnis kommt.

Weitere Informationen: Ablauf des Strafverfahrens

Vorsätzliche Körperverletzung (§ 223 StGB)

Die vorsätzliche Körperverletzung ist in § 223 des Strafgesetzbuches geregelt. Danach macht sich strafbar, wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt.

Körperverletzung: Strafe

Die Strafe für Körperverletzung reicht von Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe bis fünf Jahre. In der Praxis kann allerdings häufig eine Einstellung wegen Geringfügigkeit oder gegen Geldauflage erzielt werden, insbesondere bei einem Ersttäter.

Die genaue Höhe der Strafe hängt vom Einzelfall ab, insbesondere

  • Schwere der Verletzungen
  • Verhalten nach der Tat
  • Alkoholeinfluss
  • Motive / Provokation
  • Vorstrafen

Handelt es sich um eine gefährliche Körperverletzung  – etwa wenn eine Waffe benutzt oder die Körperverletzung mit mehreren Personen begangen wird – droht eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren. Mehr dazu unter: Gefährliche Körperverletzung

Was bedeutet vorsätzlich?

Eine vorsätzliche Körperverletzung setzt voraus, dass der Täter die Verletzung des anderen für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen hat. Handelt der Täter fahrlässig, kommt lediglich eine fahrlässige Körperverletzung in Betracht (§ 229 StGB).

Versuchte Körperverletzung

Eine versuchte Körperverletzung ist ebenfalls strafbar, sofern der Täter bereits zur Tat ansetzt, aber keine Verletzung eintritt.

Beispiel: Jemand holt zum Schlag aus, trifft das Opfer aber nicht. Auch in diesem Fall kommt eine Strafbarkeit wegen versuchter Körperverletzung in Betracht.

Die Strafe kann milder ausfallen als bei einer vollendeten Tat. Dies hängt vom Einzelfall ab.

Wann wird eine Anzeige wegen Körperverletzung fallen gelassen?

Eine Einstellung des Verfahrens ist möglich, wenn

  • kein hinreichender Tatverdacht besteht (z.B. bei unzureichenden Beweisen),
  • die Schuld als gering anzusehen ist (§ 153 StPO) - vor allem bei einem Ersttäter,
  • die Staatsanwaltschaft von einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflage (z.B. Geldauflage oder Täter-Opfer-Ausgleich) überzeugt werden kann

Gerade im Ermittlungsverfahren bestehen oft gute Chancen, das Verfahren ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung in das Führungszeugnis zu beenden. Hier zeigt sich der Vorteil einer frühen Strafverteidigung: Der Anwalt kann Akteneinsicht beantragen und gezielt auf eine Einstellung hinwirken.

Wenn Sie bereits einen Strafbefehl erhalten haben, beraten wir Sie gerne über Ihre Möglichkeiten und Erfolgsaussichten. Lesen Sie hierzu unseren Beitrag:
Strafbefehl

Schmerzensgeld wegen Körperverletzung?

Sowohl im Strafverfahren als auch auf dem zivilrechtlichen Weg können Geschädigte unter Umständen Schmerzensgeld wegen Körperverletzung verlangen.

Für Beschuldigte bedeutet das: Auch wenn das Strafverfahren eingestellt wird, kann der Verletzte weiterhin zivilrechtliche Forderungen stellen. Wenn das Strafverfahren wegen Fehlen eines hinreichenden Tatverdachts eingestellt wird, bestehen jedoch Chancen, dass kein Schmerzensgeld gezahlt werden muss. Ein Strafverteidiger kann hier helfen, das Verfahren so zu gestalten, dass zivilrechtliche Risiken minimiert werden.

Wann verjährt Körperverletzung?

Die Verjährung der Körperverletzung hängt von der jeweiligen Tatvariante ab:

Tatbestand Verjährungsfrist
einfache Körperverletzung § 223 StGB fünf Jahre
gefährliche Körperverletzung § 224 StGB zehn Jahre
schwere Körperverletzung § 226 StGB zehn Jahre
fahrlässige Körperverletzung § 229 StGB fünf Jahre

Die Verjährung der Körperverletzung kann durch verschiedene Maßnahmen der Staatsanwaltschaft unterbrochen werden. Ob die Körperverletzung verjährt ist, sollte daher ein Anwalt für Strafrecht prüfen.

Welcher Anwalt bei Körperverletzung?

Wenn Sie eine Anzeige wegen Körperverletzung oder eine Vorladung als Beschuldigter erhalten haben, sollten Sie sich umgehend an einen Anwalt für Strafrecht wenden.

Ein Strafverteidiger mit Erfahrung im Bereich der Körperverletzungsdelikte kann:

  • Akteneinsicht beantragen und die Beweislage prüfen,
  • die Kommunikation mit Polizei und Staatsanwaltschaft übernehmen,
  • auf eine Einstellung des Verfahrens hinwirken,
  • Sie umfassend zu möglichen Nebenfolgen (z.B. Schmerzensgeldforderungen) beraten.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Fahrlässige Körperverletzung

Fahrlässige Körperverletzung

Verfahren z.B. nach Unfällen & Behandlungsfehlern

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist fahrlässige Körperverletzung?

Fahrlässige Körperverletzung ist in § 229 des Strafgesetzbuches geregelt. Danach macht sich strafbar, wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht.

Was bedeutet „Fahrlässigkeit“?

Fahrlässig handelt, wer die gebotene Sorgfalt außer Acht lässt, zu der er nach den Umständen verpflichtet und fähig ist. Entscheidend ist, dass kein Vorsatz vorliegt – der Beschuldigte wollte den Erfolg also nicht herbeiführen, hätte ihn aber bei pflichtgemäßem Verhalten vermeiden können.

Beispiele:

  • Ein Autofahrer übersieht beim Abbiegen oder Parken einen Fußgänger oder Radfahrer.
  • Eine Person überschreitet die zulässige Höchstgeschwindigkeit und verursacht hierdurch einen Unfall.
  • Ein Arzt macht sorgfaltswidrig einen Behandlungsfehler.
  • Beim Werfen eines Gegenstandes wird eine andere Person getroffen.

In all diesen Fällen kann eine fahrlässige Körperverletzung vorliegen.

Fahrlässige Körperverletzung bei Verkehrsunfall

Besonders häufig wird der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung bei einem Verkehrsunfall erhoben. Hier reicht oft schon ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, etwa beim Spurwechsel, bei zu geringem Abstand oder bei einem Rotlichtverstoß.

Die Ermittlungsbehörden prüfen dabei, ob der Fahrer gegen Verkehrsregeln oder allgemeine Sorgfaltspflichten verstoßen hat. Liegt eine Pflichtverletzung vor und wurde dadurch ein anderer verletzt, gilt dies regelmäßig als fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr.

Auch wenn der Unfall „versehentlich“ geschah, bedeutet das nicht automatisch, dass keine strafrechtlichen Konsequenzen drohen. Entscheidend ist, ob der Fahrer objektiv und subjektiv pflichtwidrig gehandelt hat.

In solchen Fällen erhalten Beschuldigte häufig eine polizeiliche Vorladung als Beschuldigter. Sie sind nicht verpflichtet, dieser Folge zu leisten oder zur Sache auszusagen. Um alle Verteidigungschancen zu erhalten, sollten Sie sich umgehend an einen Anwalt für Strafrecht wenden.

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr – typische Fälle

Die meisten Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr entstehen durch:

  • Unaufmerksamkeit oder Ablenkung (z. B. Handy am Steuer),
  • Geschwindigkeitsüberschreitung,
  • Missachtung der Vorfahrt oder roter Ampeln,
  • Abstandsverstöße oder
  • Alkohol- oder Medikamenteneinfluss.

Besonders bei Vorwürfen im Straßenverkehr kann ein erfahrener Strafverteidiger bereits im Ermittlungsverfahren eine Einstellung des Verfahrens ohne Gerichtsverhandlung oder Eintragung in das Führungszeugnis erzielen.

Fahrlässige Körperverletzung – Strafe und Folgen

Welche Strafe droht bei fahrlässiger Körperverletzung? Das Gesetz sieht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. In der Praxis wird meist eine Geldstrafe verhängt oder das Verfahren (z.B. gegen eine Schadenswiedergutmachung) eingestellt. In gravierenderen Fällen kann der Entzug der Fahrerlaubnis drohen.

Neben der Strafe können auch zivilrechtliche Forderungen (z.B. Schmerzensgeld oder Schadensersatz) auf den Beschuldigten zukommen.

Eine frühzeitige anwaltliche Beratung ist daher entscheidend, um die Konsequenzen zu minimieren.

Vorladung wegen fahrlässiger Körperverletzung – was tun?

Wenn Sie eine Vorladung als Beschuldigter erhalten haben, sollten Sie keine Angaben zur Sache machen, bevor Sie mit einem Strafverteidiger gesprochen haben. Erfahren Sie mehr in unserem Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Ein Anwalt für Strafrecht beantragt zunächst Akteneinsicht und kann anschließend eine fundierte Verteidigungsstrategie entwickeln. Häufig besteht die Möglichkeit, das Verfahren im Ermittlungsverfahren einzustellen – etwa gegen Zahlung einer Geldauflage oder wegen Geringe der Schuld.

Erfahren Sie mehr über den Ablauf des Strafverfahrens.

Wann ist eine Einstellung möglich?

Ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung (im Straßenverkehr) kann eingestellt werden, wenn:

  • die Schuld als gering anzusehen ist (§ 153 StPO),
  • der Beschuldigte bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist,
  • das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung gering ist, oder
  • Wiedergutmachung erfolgt ist (z.B. Entschuldigung, Schadensregulierung).

Ein erfahrener Anwalt für Strafrecht kann Sie unterstützen, die Chancen auf eine Einstellung zu erhöhen. Die Einstellung des Verfahrens ohne Gerichtsverhandlung ist immer unser oberstes Ziel.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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Sachbeschädigung

Strafen, Verjährung & Verteidigung

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
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Was ist Sachbeschädigung?

Eine Sachbeschädigung begeht, wer vorsätzlich eine fremde Sache beschädigt oder zerstört. Eine Beschädigung liegt bereits vor, wenn die Sache nicht nur unerheblich in ihrer Substanz oder Funktion beeinträchtigt wird. Es muss also kein Totalschaden entstehen. Kratzer im Lack eines Fahrzeugs oder eine eingedellte Tür können bereits ausreichen.

Eine Sachbeschädigung liegt auch dann vor, wenn lediglich das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert wird. Hiervon umfasst sind z.B. Graffiti oder das Bekleben, Bemalen oder Beschmieren von Wänden und Gegenständen. Dies gilt allerdings nur, wenn diese Veränderung nicht durch einfaches Wischen oder zum Beispiel durch Regen wieder beseitigt wird.

Sachbeschädigung Strafe: Welche Sanktionen drohen?

Für Sachbeschädigung sieht das Gesetz eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor. In der Praxis werden Ersttäter häufig zu Geldstrafen verurteilt. Die genaue Höhe hängt u.a. von folgenden Faktoren ab:

  • Höhe des entstandenen Schadens,
  • Vorstrafen,
  • Tatmotiv,
  • dem Verhalten nach der Tat (z. B. Schadensersatz, Entschuldigung)

Höhere Strafen sieht das Gesetz vor, wenn zum Beispiel öffentliche Denkmäler, Kunst in öffentlichen Museen oder Bauwerke beschädigt werden.

In vielen Fällen ist auch eine Einstellung des Verfahrens möglich. Eine Einstellung mangels Tatverdacht kommt in Betracht bei einer Anzeige wegen Sachbeschädigung ohne belastbare Beweise, bei unklarer Täterschaft oder wenn der Gegenstand bereits vorher mit Graffitis versehen war. Bei schwieriger Beweislage besteht die Möglichkeit, eine Einstellung gegen Auflage (z.B. Schadenswiedergutmachung) zu erzielen. In beiden Fällen erfolgt keine Eintragung im Führungszeugnis.

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Ist Fahrlässige Sachbeschädigung strafbar?

Nein, fahrlässige Sachbeschädigung ist nicht strafbar. Wer also aus Unachtsamkeit oder Versehen eine fremde Sache beschädigt, macht sich nicht nach dem Strafgesetzbuch strafbar. Allerdings kann fahrlässiges Verhalten zivilrechtliche Schadensersatzansprüche zur Folge haben.

Wir erleben nicht selten, dass dennoch Anzeige wegen Sachbeschädigung erhoben wird, weil ein Vorsatz unterstellt wird. In diesen Fällen arbeiten wir heraus, dass unsere Mandanten nicht vorsätzlich gehandelt haben und wirken auf eine Einstellung mangels Tatverdacht oder einen Freispruch hin.

Anzeige wegen Sachbeschädigung – was passiert nach der Anzeige?

Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung führt zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Die Polizei versucht, den Sachverhalt aufzuklären, zum Beispiel durch:

  • Zeugenbefragungen,
  • Spurensicherung,
  • Auswertung von Videoaufnahmen

Als beschuldigte Person erhalten Sie in dieser Phase eine Vorladung als Beschuldigter oder die Aufforderung, schriftlich Stellung zu nehmen. Wichtig: Sie sind nicht verpflichtet, dort zu erscheinen oder Angaben zur Sache zu machen. Sobald Sie Post von der Polizei erhalten, sollten Sie sich von einem Anwalt für Strafrecht beraten lassen. Wir prüfen in einem kostenlosen Erstgespräch Ihre Möglichkeiten.

Wann verjährt Sachbeschädigung?

Die Verjährung von Sachbeschädigungen richtet sich nach § 78 StGB. Für die einfache Sachbeschädigung beträgt die Verjährungsfrist fünf Jahre.

Die Frist beginnt mit Beendigung der Tat. Allerdings haben eine Vielzahl an Handlungen der Ermittlungsbehörden eine Unterbrechung der Verjährung zur Folge. Ob die Tat bereits verjährt ist, sollte daher im Einzelfall ein Anwalt für Strafrecht prüfen.

Anwalt Sachbeschädigung: Warum frühzeitige Verteidigung entscheidend ist.

Ein erfahrener Anwalt für Strafrecht kann bereits im Ermittlungsverfahren Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens nehmen. Nach Akteneinsicht kann die Beweislage geprüft werden und eine individuelle Strategie entwickelt werden, um eine Einstellung des Verfahrens – ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung in das Führungszeugnis – zu erreichen.

Wir beraten Sie umfassend zu Ihren Möglichkeiten.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Falschaussage

Falschaussage

Welche Aussagen strafbar sind & welche Strafen drohen

Jonas Meese
12.15.2025
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist eine Falschaussage nach § 153 StGB?

Nach § 153 StGB macht sich strafbar, wer vor Gericht falsch aussagt, aber nicht vereidigt wurde. Die Falschaussage muss sich auf eine rechtserhebliche Tatsache beziehen – also auf etwas, das für das Verfahren wichtig ist.

Das bedeutet: Es wird vorsätzlich etwas ausgesagt, das nicht der Wahrheit entspricht, obwohl Sie Zeuge oder Zeugin in einem Verfahren sind und deshalb grundsätzlich zur Wahrheit verpflichtet sind. Hiervon erfasst sind:

  • Bewusste Lügen
  • „Beschönigen“ von Tatsachen
  • „Weglassen“ wichtiger Angaben

Aber auch Aussagen „ins blaue Hinein“ können unter den Tatbestand fallen: Dies ist der Fall, wenn vor Gericht Angaben gemacht werden über Tatsachen, die der Zeuge überhaupt nicht weiß, sondern nur vermutet. Hierbei kann es sich um eine Falschaussage gem. § 153 StGB handeln, wenn nicht ausreichend deutlich gemacht wird, dass es sich um eine Vermutung handelt.

Wann ist eine Aussage „uneidlich“?

Von einer uneidlichen Falschaussage spricht man, wenn die Aussage ohne Eid abgegeben wird. Ein Eid wird nur in Ausnahmefällen verlangt. Das heißt: In den meisten Gerichtsverfahren sagen Zeugen aus.

Kann man sich als Angeklagter wegen Falschaussage strafbar machen?

Ein Angeklagter kann sich nicht wegen falscher uneidlicher Aussage gem. § 153 StGB strafbar machen, nur Zeugen oder Sachverständige.

Gegebenenfalls können sich Angeklagte durch unwahre Angaben z.B. wegen falscher Verdächtigung gem. § 164 StGB strafbar machen, wenn sie andere Personen zu Unrecht verdächtigen. Auch das Vortäuschen einer Straftat ist gem. § 145d StGB strafbar.

Wie hoch ist die Strafe bei einer Falschaussage vor Gericht?

Eine uneidliche Falschaussage gem. § 153 StGB ist mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren können aber zur Bewährung ausgesetzt werden und Freiheitsstrafen unter sechs Monaten können in eine Geldstrafe umgewandelt werden.

Ob eine Freiheitsstrafe oder Geldstrafe verhängt wird und wie hoch die Strafe ist, hängt insbesondere von den folgenden Faktoren ab:

  • Wie bedeutsam ist das Verfahren, in dem ausgesagt wurde?
  • Wie wichtig war die Aussage für das Verfahren?
  • Was war das Motiv für die Falschaussage (z.B. ein Familienmitglied schützen)
  • Welche Folgen hatte die Falschaussage?
  • Vorstrafen
  • Wurde die falsche Aussage richtiggestellt?
  • Geständnis

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Wie hoch ist die Geldstrafe bei einer Falschaussage vor Gericht?

Die Höhe der Geldstrafe hängt von der Anzahl der Tagessätze und dem Einkommen ab.

Die Anzahl der Tagessätze wird vom Gericht danach bestimmt, wie schwer die Tat wiegt. Dabei sind die eben genannten Faktoren relevant.

Die Höhe der Tagessätze hängt von Ihrem Nettoeinkommen ab, wobei z.B. Unterhaltsverpflichtungen für Kinder angerechnet werden. Ein Tagessatz beträgt in der Regel 1/30 des monatlichen Nettoeinkommens.

Beispiel: Das Gericht verhängt 120 Tagessätze und der Tagessatz beträgt 80 Euro (Nettoeinkommen monatlich: 2.400 Euro). Dann beträgt die Geldstrafe insgesamt 120 x 80 Euro = 9.600 Euro.

Ist es auch strafbar, wenn ich unabsichtlich eine falsche Aussage mache?

Wegen uneidlicher Falschaussage kann sich nur strafbar machen, wer vorsätzlich handelt – wer sich irrt oder etwas vergisst, macht sich nicht strafbar.

Wichtig: Vorsatz und Absicht sind nicht das gleiche. Es genügt, wenn Sie die Unwahrheit gesagt haben und dies auch zumindest für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen haben.

Eine fahrlässige Falschaussage ist nur strafbar, wenn Sie vereidigt wurden (§ 161 StGB).

Welche Strafe bei Falschaussage vor der Polizei?

Eine Falschaussage vor der Polizei ist grundsätzlich nicht strafbar. § 153 StGB gilt nur für falsche Aussagen vor einem Gericht oder einem Untersuchungsausschuss – nicht für Aussagen bei der Polizei.

Wer im Rahmen einer polizeilichen Vernehmung als Zeuge nicht die Wahrheit sagt, kann sich aber trotzdem strafbar machen, zum Beispiel wegen der folgenden Delikte:

  • Strafvereitelung gem. § 258 StGB – Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe: z.B. wenn Zeugen falsch aussagen und deshalb ein Straftäter nicht überführt werden kann
  • Falsche Verdächtigung gem. § 164 StGB – Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe: z.B. wenn Zeugen den Verdacht auf Unschuldige lenken wollen
  • Vortäuschen einer Straftat gem. § 145d StGB – Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe: z.B. wenn Zeugen von einer Straftat berichten, die es gar nicht gab

Vorladung wegen Falschaussage – was soll ich jetzt tun?

Wenn Sie eine Vorladung wegen einer Falschaussage vor Gericht erhalten haben, bewahren Sie Ruhe und kontaktieren Sie sofort einen Anwalt für Strafrecht. Machen Sie keine Aussage bei der Polizei.

Die Strafen bei einer Falschaussage sind empfindlich. Wie vorgegangen werden soll, kann erst entschieden werden, wenn Ihr Anwalt Einsicht in die Akten genommen hat. Dann kann eine Strategie entworfen werden, wie das Verfahren möglichst ohne Gerichtsverhandlung zur Einstellung gebracht werden kann. Wer rechtzeitig reagiert, sichert sich alle Verteidigungsmöglichkeiten.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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Bedrohung

Anzeige wegen Bedrohung: Alles Wichtige

Jonas Meese
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Anzeige wegen Bedrohung – was bedeutet das?

Wenn Sie eine Anzeige wegen Bedrohung erhalten haben, wird Ihnen vorgeworfen, eine andere Person mit der Begehung einer gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten rechtswidrigen Tat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder gegen eine Sache von bedeutendem Wert bedroht zu haben (§ 241 Abs. 1 StGB).

Beispiele aus der Praxis:

  • Drohung, die Reifen eines Fahrzeugs aufzustechen (wenn Schaden über 750 € droht)
  • Drohung, jemanden zu schlagen (auch mit Baseballschläger oder Teleskopschlagstock)
  • Drohung, die Kinder der anderen zu schlagen.

Die Drohung muss konkret und ernst gemeint erscheinen. Flapsige Aussagen oder Übertreibungen im Streit sind nicht automatisch strafbar. Die Rechtsprechung verlangt, dass der Bedrohte die Ankündigung als ernsthafte Gefahr wahrnimmt. Irrelevant ist jedoch, ob die Drohung tatsächlich ernst gemeint war.

DROHUNG MIT VERBRECHEN (§ 241 ABS. 2 STGB)

Handelt es sich bei dem angedrohten Handeln um ein Verbrechen, greift ein höherer Strafrahmen (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren). Verbrechen sind alle Straftaten, die mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht sind (z.B. Mord, Totschlag oder Raub).

Beispiele aus der Praxis:

  • Drohung, jemanden „abzustechen“
  • „Wenn du das nochmal sagst, bringe ich dich um!“
  • Drohung, ein Gebäude „abzufackeln“

VORTÄUSCHEN EINES VERBRECHENS (§ 241 ABS. 3 STGB)

Strafbar ist auch, ein Verbrechen vorzutäuschen, auf das der Täter keinen Einfluss (mehr) hat. Nicht umfasst ist allerdings, wenn ein solches Verbrechen tatsächlich geplant ist oder bevorsteht.

Beispiele aus der Praxis:

  • Vortäuschen, eine Bombe versteckt zu haben, die jeden Moment explodieren könne.
  • Vortäuschen, dass jemand anderes den Adressaten töten werde.

Welche Strafe bei Bedrohung?

§ 241 StGB droht Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr, bei Bedrohung mit einem Verbrechen bis zu zwei Jahren an.

Wie hoch ist die Geldstrafe bei Bedrohung?

Die Geldstrafe richtet sich nach der Schwere des Vorwurfs und dem persönlichen Einkommen. Das monatliche Netto-Einkommen durch 30 dividiert ergibt die Höhe eines Tagessatzes. Die folgenden Faktoren bestimmen die Anzahl der Tagessätze:

  • Motiv und Hintergrund (z. B. Beziehungsstreit, Nachbarschaftskonflikt)
  • Ob Waffen oder gefährliche Gegenstände eine Rolle spielten
  • Ob die Drohung öffentlich oder in sozialen Medien erfolgte
  • Ob sich der Beschuldigte entschuldigt oder den Schaden wiedergutmacht

Bei Ersttätern werden häufig zwischen 30 und 120 Tagessätzen verhängt. Ab 90 Tagessätzen erfolgt regelmäßig eine Eintragung im Führungszeugnis.

Bedrohung Strafmaß – Geldstrafe oder Einstellung möglich?

Das Strafmaß bei Bedrohung und die Chancen für eine Einstellung des Verfahrens hängen von vielen Faktoren ab:

  • Vorstrafen
  • Art der Drohung (z.B. Morddrohung oder Drohung mit einer Körperverletzung)
  • Reaktion des Opfers
  • Verhalten nach der Tat

Gerade im Ermittlungsverfahren kann ein erfahrener Verteidiger mit der richtigen Strategie darauf hinwirken, dass das Verfahren eingestellt wird, insbesondere, wenn die Bedrohung im Affekt oder Streit gefallen ist.

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Was passiert nach einer Anzeige wegen Bedrohung?

Eine Anzeige wegen Bedrohung führt in der Regel zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Die Polizei nimmt den Sachverhalt auf, befragt Zeugen und verschickt anschließend häufig eine Vorladung als Beschuldigter.

Wer diese erhält, sollte nicht zur Polizei gehen und keine schriftliche Aussage tätigen, bevor ein Strafverteidiger Akteneinsicht genommen hat. Nur aus der Akte geht hervor, was Ihnen genau vorgeworfen wird und welche Beweise existieren.

Viele Beschuldigte denken, sie könnten den Vorwurf „aufklären“, indem sie ihre Sicht schildern. In der Praxis führt das jedoch oft zu Selbstbelastungen, die später kaum zu korrigieren sind.

Weitere Informationen finden Sie unter: Ablauf des Strafverfahrens.

Anwalt bei einer Anzeige wegen Bedrohung?

Ein erfahrener Strafverteidiger kann bereits im Ermittlungsverfahren entscheidend eingreifen:

Der Verteidiger erhält Einsicht in die Ermittlungsakte. Auf dieser Grundlage kann er einschätzen, ob eine Einstellung des Verfahrens realistisch ist oder ob eine Verteidigung vor Gericht vorbereitet werden muss.

In vielen Fällen lässt sich eine Einstellung nach § 153a StPO erreichen, z.B. gegen Zahlung einer Geldauflage. Das Verfahren wird dann ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung im Führungszeugnis abgeschlossen.

Haben Sie bereits einen Strafbefehl, ist schnelles Handeln erforderlich. Innerhalb von zwei Wochen kann Einspruch eingelegt werden – andernfalls wird der Strafbefehl rechtskräftig. Ein Strafverteidiger prüft, ob sich ein Einspruch lohnt oder ob eine mildere Lösung erreichbar ist.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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Beleidigung

Bußgeldkatalog bei Beleidigung?

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was fällt unter Beleidigung?

Unter den Tatbestand der Beleidigung fällt jede Äußerung, die die Ehre eines anderen Menschen angreift. Das kann durch Worte, Gesten oder Handlungen geschehen. Entscheidend ist nicht, ob Sie „die Wahrheit“ sagen, sondern ob Ihre Äußerung als ehrverletzend gilt.

Was sind Beispiele für eine Beleidung?

  • Der Mittelfinger oder das „Vogel zeigen“ im Straßenverkehr sind klassische Beleidigungen
  • Auch durch digitale Kommunikation (WhatsApp, Instagram, Facebook) kann eine Beleidigung geäußert werden
  • Eine Beleidigung auf sexueller Grundlage liegt bei anzüglichen Bemerkungen oder Gesten vor, wenn sie objektiv als Herabwürdigung zu verstehen sind.
  • Eine Beamtenbeleidigung gibt es im Gesetz nicht: Wer einen Beamten beschimpft, wird genauso bestraft, wie bei einer „normalen“ Beleidigung.

Wird jede Beleidigung verfolgt?

Die Strafverfolgung erfolgt bei Beleidigung nur bei einem sogenannten Strafantrag des Verletzten. Das heißt: Nur wenn der Betroffene selbst einen Antrag auf Strafverfolgung stellt, wird gegen Sie ermittelt. Dieser Strafantrag muss innerhalb von drei Monaten gestellt werden.

Strafe bei Beleidigung

Die Strafe bei Beleidigung kann betragen:

  • Geldstrafe
  • Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr im Normalfall
  • Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren, wenn  die Beleidigung öffentlich, in einer Versammlung, durch Verbreiten eines Inhalts oder mittels einer Tätlichkeit begangen wird

Bußgeldkatalog: Für welche Beleidigung gibt es welche Strafe?

Es gibt keinen „Bußgeldkatalog“ für verschiedene Beleidigungen. Die konkrete Strafe hängt immer von dem jeweiligen Kontext der Äußerung ab. Sie wird in Tagessätzen bemessen.

Daumenregel: Monatliches Nettoeinkommen geteilt durch 30 = ein Tagessatz.

Auch wenn es keinen festen Bußgeldkatalog gibt, geben diese Urteile einen Überblick, wie viele Tagessätze von Gerichten festgesetzt wurden:

Tat Der Angeklagte beleidigte mit den Worten „Dreckspack“ und „Arschloch“.
Strafe 50 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Mönchengladbach (2017)
Tat Der Angeklagte bezeichnete einen Richter als „Volksverräter“.
Strafe 100 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Frankfurt am Main (2021)
Tat Eine angehende Polizistin beleidigte einen Kollegen in zwei Fällen rassistisch, unter anderem mit Affengesten.
Strafe 120 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Berlin-Tiergarten (2024)
Tat Der Angeklagte beleidigte im Internet Politiker mit Hasskommentaren.
Urteil 110 Tagessätze
Gericht Amtsgericht Detmold (2023)
Tat Der Angeklagte (Taxifahrer) zeigte im Straßenverkehr einen Mittelfinger.
Strafe 50 Tagessätze
Gericht Amtsgericht München (2015)

Wichtig: Je nach Höhe des Tagessatzes kann die Strafe sehr empfindlich ausfallen. In einem presseträchtigen Fall am Amtsgericht Hamburg-Mitte wurden ein Angeklagter für eine Beleidigung im Straßenverkehr zu 30 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt und die Tagessatzhöhe auf 2.000€ festgesetzt, da der Angeklagte ein sehr hohes Einkommen hatte. Die Gesamtstrafe betrug also 60.000€.

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Wird Beleidigung ins Führungszeugnis eingetragen?

Eine Verurteilung oder ein Strafbefehl wegen Beleidigung wird ins Führungszeugnis eingetragen, wenn Vorstrafen bestehen oder wenn die Strafe über 90 Tagessätze beträgt. Dies kann gravierende Folgen für Jobwahl bzw. Beamtenlaufbahn haben. Aber auch unterhalb der Grenze von 90 Tagessätzen wird die Verurteilung ins Bundeszentralregister eingetragen.

Oberstes Ziel eines Anwalts für Strafrecht ist daher, dass das Verfahren ohne Gerichtsverhandlung und ohne Eintrag ins Führungszeugnis eingestellt wird.

Vorladung wegen einer Beleidigung

  • Keine Aussage ohne Anwalt: als Beschuldigter sind Sie nicht verpflichtet, Angaben zur Sache zu machen. Viele versuchen, die Situation durch eine Erklärung zu entschärfen, und verschlimmern sie dadurch nur.
  • Beauftragen Sie einen Anwalt für Strafrecht. Wir helfen Ihnen gerne! Jeder Kontakt zur Polizei und der Staatsanwaltschaft sollte nur über einen Anwalt erfolgen.
  • Ein Rechtsanwalt kann die Ermittlungsakte einsehen. Daraus ergibt sich, was Ihnen konkret vorgeworfen wird.
  • Frühzeitige Verteidigung zahlt sich aus. Je früher ein erfahrener Strafverteidiger eingeschaltet wird, desto größer sind die Chancen, das Verfahren ohne Anklage zu beenden, z.B. mit einer Verfahrenseinstellung mangels Tatverdachts oder gegen eine geringe Geldauflage.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Körperverletzung

Körperverletzung

Alles zu Strafe, Verjährung & Schmerzensgeld

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Dieser Text enthält alles Wichtige zum Thema vorsätzliche Körperverletzung.

Weitere Informationen finden Sie auch hier:

Was passiert nach einer Anzeige wegen Körperverletzung?

Wer eine Anzeige wegen Körperverletzung erhält, ist zunächst Beschuldigter in einem Strafverfahren. Die Polizei oder Staatsanwaltschaft wird Ermittlungen einleiten, um den Sachverhalt aufzuklären. Häufig werden Sie zunächst zur Vernehmung vorgeladen oder aufgefordert, schriftlich Stellung zu nehmen.

Wichtig: Sie sind nicht verpflichtet, bei der Polizei zu erscheinen oder Angaben zur Sache zu machen. Ohne anwaltliche Beratung sollten Sie grundsätzlich keine Aussage abgeben. Eine unüberlegte Äußerung kann die Verteidigung später erheblich erschweren.

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Nach Abschluss der Ermittlungen entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob das Verfahren eingestellt oder Anklage erhoben wird. Eine frühe Verteidigung durch einen Anwalt für Körperverletzung kann bereits im Ermittlungsverfahren dazu beitragen, dass das Verfahren eingestellt wird, ohne dass es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung oder einer Eintragung im Führungszeugnis kommt.

Weitere Informationen: Ablauf des Strafverfahrens

Vorsätzliche Körperverletzung (§ 223 StGB)

Die vorsätzliche Körperverletzung ist in § 223 des Strafgesetzbuches geregelt. Danach macht sich strafbar, wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt.

Körperverletzung: Strafe

Die Strafe für Körperverletzung reicht von Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe bis fünf Jahre. In der Praxis kann allerdings häufig eine Einstellung wegen Geringfügigkeit oder gegen Geldauflage erzielt werden, insbesondere bei einem Ersttäter.

Die genaue Höhe der Strafe hängt vom Einzelfall ab, insbesondere

  • Schwere der Verletzungen
  • Verhalten nach der Tat
  • Alkoholeinfluss
  • Motive / Provokation
  • Vorstrafen

Handelt es sich um eine gefährliche Körperverletzung  – etwa wenn eine Waffe benutzt oder die Körperverletzung mit mehreren Personen begangen wird – droht eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren. Mehr dazu unter: Gefährliche Körperverletzung

Was bedeutet vorsätzlich?

Eine vorsätzliche Körperverletzung setzt voraus, dass der Täter die Verletzung des anderen für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen hat. Handelt der Täter fahrlässig, kommt lediglich eine fahrlässige Körperverletzung in Betracht (§ 229 StGB).

Versuchte Körperverletzung

Eine versuchte Körperverletzung ist ebenfalls strafbar, sofern der Täter bereits zur Tat ansetzt, aber keine Verletzung eintritt.

Beispiel: Jemand holt zum Schlag aus, trifft das Opfer aber nicht. Auch in diesem Fall kommt eine Strafbarkeit wegen versuchter Körperverletzung in Betracht.

Die Strafe kann milder ausfallen als bei einer vollendeten Tat. Dies hängt vom Einzelfall ab.

Wann wird eine Anzeige wegen Körperverletzung fallen gelassen?

Eine Einstellung des Verfahrens ist möglich, wenn

  • kein hinreichender Tatverdacht besteht (z.B. bei unzureichenden Beweisen),
  • die Schuld als gering anzusehen ist (§ 153 StPO) - vor allem bei einem Ersttäter,
  • die Staatsanwaltschaft von einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflage (z.B. Geldauflage oder Täter-Opfer-Ausgleich) überzeugt werden kann

Gerade im Ermittlungsverfahren bestehen oft gute Chancen, das Verfahren ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung in das Führungszeugnis zu beenden. Hier zeigt sich der Vorteil einer frühen Strafverteidigung: Der Anwalt kann Akteneinsicht beantragen und gezielt auf eine Einstellung hinwirken.

Wenn Sie bereits einen Strafbefehl erhalten haben, beraten wir Sie gerne über Ihre Möglichkeiten und Erfolgsaussichten. Lesen Sie hierzu unseren Beitrag:
Strafbefehl

Schmerzensgeld wegen Körperverletzung?

Sowohl im Strafverfahren als auch auf dem zivilrechtlichen Weg können Geschädigte unter Umständen Schmerzensgeld wegen Körperverletzung verlangen.

Für Beschuldigte bedeutet das: Auch wenn das Strafverfahren eingestellt wird, kann der Verletzte weiterhin zivilrechtliche Forderungen stellen. Wenn das Strafverfahren wegen Fehlen eines hinreichenden Tatverdachts eingestellt wird, bestehen jedoch Chancen, dass kein Schmerzensgeld gezahlt werden muss. Ein Strafverteidiger kann hier helfen, das Verfahren so zu gestalten, dass zivilrechtliche Risiken minimiert werden.

Wann verjährt Körperverletzung?

Die Verjährung der Körperverletzung hängt von der jeweiligen Tatvariante ab:

Tatbestand Verjährungsfrist
einfache Körperverletzung § 223 StGB fünf Jahre
gefährliche Körperverletzung § 224 StGB zehn Jahre
schwere Körperverletzung § 226 StGB zehn Jahre
fahrlässige Körperverletzung § 229 StGB fünf Jahre

Die Verjährung der Körperverletzung kann durch verschiedene Maßnahmen der Staatsanwaltschaft unterbrochen werden. Ob die Körperverletzung verjährt ist, sollte daher ein Anwalt für Strafrecht prüfen.

Welcher Anwalt bei Körperverletzung?

Wenn Sie eine Anzeige wegen Körperverletzung oder eine Vorladung als Beschuldigter erhalten haben, sollten Sie sich umgehend an einen Anwalt für Strafrecht wenden.

Ein Strafverteidiger mit Erfahrung im Bereich der Körperverletzungsdelikte kann:

  • Akteneinsicht beantragen und die Beweislage prüfen,
  • die Kommunikation mit Polizei und Staatsanwaltschaft übernehmen,
  • auf eine Einstellung des Verfahrens hinwirken,
  • Sie umfassend zu möglichen Nebenfolgen (z.B. Schmerzensgeldforderungen) beraten.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Fahrlässige Körperverletzung

Fahrlässige Körperverletzung

Verfahren z.B. nach Unfällen & Behandlungsfehlern

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist fahrlässige Körperverletzung?

Fahrlässige Körperverletzung ist in § 229 des Strafgesetzbuches geregelt. Danach macht sich strafbar, wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht.

Was bedeutet „Fahrlässigkeit“?

Fahrlässig handelt, wer die gebotene Sorgfalt außer Acht lässt, zu der er nach den Umständen verpflichtet und fähig ist. Entscheidend ist, dass kein Vorsatz vorliegt – der Beschuldigte wollte den Erfolg also nicht herbeiführen, hätte ihn aber bei pflichtgemäßem Verhalten vermeiden können.

Beispiele:

  • Ein Autofahrer übersieht beim Abbiegen oder Parken einen Fußgänger oder Radfahrer.
  • Eine Person überschreitet die zulässige Höchstgeschwindigkeit und verursacht hierdurch einen Unfall.
  • Ein Arzt macht sorgfaltswidrig einen Behandlungsfehler.
  • Beim Werfen eines Gegenstandes wird eine andere Person getroffen.

In all diesen Fällen kann eine fahrlässige Körperverletzung vorliegen.

Fahrlässige Körperverletzung bei Verkehrsunfall

Besonders häufig wird der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung bei einem Verkehrsunfall erhoben. Hier reicht oft schon ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, etwa beim Spurwechsel, bei zu geringem Abstand oder bei einem Rotlichtverstoß.

Die Ermittlungsbehörden prüfen dabei, ob der Fahrer gegen Verkehrsregeln oder allgemeine Sorgfaltspflichten verstoßen hat. Liegt eine Pflichtverletzung vor und wurde dadurch ein anderer verletzt, gilt dies regelmäßig als fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr.

Auch wenn der Unfall „versehentlich“ geschah, bedeutet das nicht automatisch, dass keine strafrechtlichen Konsequenzen drohen. Entscheidend ist, ob der Fahrer objektiv und subjektiv pflichtwidrig gehandelt hat.

In solchen Fällen erhalten Beschuldigte häufig eine polizeiliche Vorladung als Beschuldigter. Sie sind nicht verpflichtet, dieser Folge zu leisten oder zur Sache auszusagen. Um alle Verteidigungschancen zu erhalten, sollten Sie sich umgehend an einen Anwalt für Strafrecht wenden.

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr – typische Fälle

Die meisten Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr entstehen durch:

  • Unaufmerksamkeit oder Ablenkung (z. B. Handy am Steuer),
  • Geschwindigkeitsüberschreitung,
  • Missachtung der Vorfahrt oder roter Ampeln,
  • Abstandsverstöße oder
  • Alkohol- oder Medikamenteneinfluss.

Besonders bei Vorwürfen im Straßenverkehr kann ein erfahrener Strafverteidiger bereits im Ermittlungsverfahren eine Einstellung des Verfahrens ohne Gerichtsverhandlung oder Eintragung in das Führungszeugnis erzielen.

Fahrlässige Körperverletzung – Strafe und Folgen

Welche Strafe droht bei fahrlässiger Körperverletzung? Das Gesetz sieht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. In der Praxis wird meist eine Geldstrafe verhängt oder das Verfahren (z.B. gegen eine Schadenswiedergutmachung) eingestellt. In gravierenderen Fällen kann der Entzug der Fahrerlaubnis drohen.

Neben der Strafe können auch zivilrechtliche Forderungen (z.B. Schmerzensgeld oder Schadensersatz) auf den Beschuldigten zukommen.

Eine frühzeitige anwaltliche Beratung ist daher entscheidend, um die Konsequenzen zu minimieren.

Vorladung wegen fahrlässiger Körperverletzung – was tun?

Wenn Sie eine Vorladung als Beschuldigter erhalten haben, sollten Sie keine Angaben zur Sache machen, bevor Sie mit einem Strafverteidiger gesprochen haben. Erfahren Sie mehr in unserem Beitrag: Vorladung als Beschuldigter

Ein Anwalt für Strafrecht beantragt zunächst Akteneinsicht und kann anschließend eine fundierte Verteidigungsstrategie entwickeln. Häufig besteht die Möglichkeit, das Verfahren im Ermittlungsverfahren einzustellen – etwa gegen Zahlung einer Geldauflage oder wegen Geringe der Schuld.

Erfahren Sie mehr über den Ablauf des Strafverfahrens.

Wann ist eine Einstellung möglich?

Ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung (im Straßenverkehr) kann eingestellt werden, wenn:

  • die Schuld als gering anzusehen ist (§ 153 StPO),
  • der Beschuldigte bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist,
  • das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung gering ist, oder
  • Wiedergutmachung erfolgt ist (z.B. Entschuldigung, Schadensregulierung).

Ein erfahrener Anwalt für Strafrecht kann Sie unterstützen, die Chancen auf eine Einstellung zu erhöhen. Die Einstellung des Verfahrens ohne Gerichtsverhandlung ist immer unser oberstes Ziel.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Sachbeschädigung

Sachbeschädigung

Strafen, Verjährung & Verteidigung

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist Sachbeschädigung?

Eine Sachbeschädigung begeht, wer vorsätzlich eine fremde Sache beschädigt oder zerstört. Eine Beschädigung liegt bereits vor, wenn die Sache nicht nur unerheblich in ihrer Substanz oder Funktion beeinträchtigt wird. Es muss also kein Totalschaden entstehen. Kratzer im Lack eines Fahrzeugs oder eine eingedellte Tür können bereits ausreichen.

Eine Sachbeschädigung liegt auch dann vor, wenn lediglich das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert wird. Hiervon umfasst sind z.B. Graffiti oder das Bekleben, Bemalen oder Beschmieren von Wänden und Gegenständen. Dies gilt allerdings nur, wenn diese Veränderung nicht durch einfaches Wischen oder zum Beispiel durch Regen wieder beseitigt wird.

Sachbeschädigung Strafe: Welche Sanktionen drohen?

Für Sachbeschädigung sieht das Gesetz eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor. In der Praxis werden Ersttäter häufig zu Geldstrafen verurteilt. Die genaue Höhe hängt u.a. von folgenden Faktoren ab:

  • Höhe des entstandenen Schadens,
  • Vorstrafen,
  • Tatmotiv,
  • dem Verhalten nach der Tat (z. B. Schadensersatz, Entschuldigung)

Höhere Strafen sieht das Gesetz vor, wenn zum Beispiel öffentliche Denkmäler, Kunst in öffentlichen Museen oder Bauwerke beschädigt werden.

In vielen Fällen ist auch eine Einstellung des Verfahrens möglich. Eine Einstellung mangels Tatverdacht kommt in Betracht bei einer Anzeige wegen Sachbeschädigung ohne belastbare Beweise, bei unklarer Täterschaft oder wenn der Gegenstand bereits vorher mit Graffitis versehen war. Bei schwieriger Beweislage besteht die Möglichkeit, eine Einstellung gegen Auflage (z.B. Schadenswiedergutmachung) zu erzielen. In beiden Fällen erfolgt keine Eintragung im Führungszeugnis.

{{orange-cta}}

Ist Fahrlässige Sachbeschädigung strafbar?

Nein, fahrlässige Sachbeschädigung ist nicht strafbar. Wer also aus Unachtsamkeit oder Versehen eine fremde Sache beschädigt, macht sich nicht nach dem Strafgesetzbuch strafbar. Allerdings kann fahrlässiges Verhalten zivilrechtliche Schadensersatzansprüche zur Folge haben.

Wir erleben nicht selten, dass dennoch Anzeige wegen Sachbeschädigung erhoben wird, weil ein Vorsatz unterstellt wird. In diesen Fällen arbeiten wir heraus, dass unsere Mandanten nicht vorsätzlich gehandelt haben und wirken auf eine Einstellung mangels Tatverdacht oder einen Freispruch hin.

Anzeige wegen Sachbeschädigung – was passiert nach der Anzeige?

Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung führt zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Die Polizei versucht, den Sachverhalt aufzuklären, zum Beispiel durch:

  • Zeugenbefragungen,
  • Spurensicherung,
  • Auswertung von Videoaufnahmen

Als beschuldigte Person erhalten Sie in dieser Phase eine Vorladung als Beschuldigter oder die Aufforderung, schriftlich Stellung zu nehmen. Wichtig: Sie sind nicht verpflichtet, dort zu erscheinen oder Angaben zur Sache zu machen. Sobald Sie Post von der Polizei erhalten, sollten Sie sich von einem Anwalt für Strafrecht beraten lassen. Wir prüfen in einem kostenlosen Erstgespräch Ihre Möglichkeiten.

Wann verjährt Sachbeschädigung?

Die Verjährung von Sachbeschädigungen richtet sich nach § 78 StGB. Für die einfache Sachbeschädigung beträgt die Verjährungsfrist fünf Jahre.

Die Frist beginnt mit Beendigung der Tat. Allerdings haben eine Vielzahl an Handlungen der Ermittlungsbehörden eine Unterbrechung der Verjährung zur Folge. Ob die Tat bereits verjährt ist, sollte daher im Einzelfall ein Anwalt für Strafrecht prüfen.

Anwalt Sachbeschädigung: Warum frühzeitige Verteidigung entscheidend ist.

Ein erfahrener Anwalt für Strafrecht kann bereits im Ermittlungsverfahren Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens nehmen. Nach Akteneinsicht kann die Beweislage geprüft werden und eine individuelle Strategie entwickelt werden, um eine Einstellung des Verfahrens – ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung in das Führungszeugnis – zu erreichen.

Wir beraten Sie umfassend zu Ihren Möglichkeiten.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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Falschaussage

Welche Aussagen strafbar sind & welche Strafen drohen

Jonas Meese
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist eine Falschaussage nach § 153 StGB?

Nach § 153 StGB macht sich strafbar, wer vor Gericht falsch aussagt, aber nicht vereidigt wurde. Die Falschaussage muss sich auf eine rechtserhebliche Tatsache beziehen – also auf etwas, das für das Verfahren wichtig ist.

Das bedeutet: Es wird vorsätzlich etwas ausgesagt, das nicht der Wahrheit entspricht, obwohl Sie Zeuge oder Zeugin in einem Verfahren sind und deshalb grundsätzlich zur Wahrheit verpflichtet sind. Hiervon erfasst sind:

  • Bewusste Lügen
  • „Beschönigen“ von Tatsachen
  • „Weglassen“ wichtiger Angaben

Aber auch Aussagen „ins blaue Hinein“ können unter den Tatbestand fallen: Dies ist der Fall, wenn vor Gericht Angaben gemacht werden über Tatsachen, die der Zeuge überhaupt nicht weiß, sondern nur vermutet. Hierbei kann es sich um eine Falschaussage gem. § 153 StGB handeln, wenn nicht ausreichend deutlich gemacht wird, dass es sich um eine Vermutung handelt.

Wann ist eine Aussage „uneidlich“?

Von einer uneidlichen Falschaussage spricht man, wenn die Aussage ohne Eid abgegeben wird. Ein Eid wird nur in Ausnahmefällen verlangt. Das heißt: In den meisten Gerichtsverfahren sagen Zeugen aus.

Kann man sich als Angeklagter wegen Falschaussage strafbar machen?

Ein Angeklagter kann sich nicht wegen falscher uneidlicher Aussage gem. § 153 StGB strafbar machen, nur Zeugen oder Sachverständige.

Gegebenenfalls können sich Angeklagte durch unwahre Angaben z.B. wegen falscher Verdächtigung gem. § 164 StGB strafbar machen, wenn sie andere Personen zu Unrecht verdächtigen. Auch das Vortäuschen einer Straftat ist gem. § 145d StGB strafbar.

Wie hoch ist die Strafe bei einer Falschaussage vor Gericht?

Eine uneidliche Falschaussage gem. § 153 StGB ist mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren können aber zur Bewährung ausgesetzt werden und Freiheitsstrafen unter sechs Monaten können in eine Geldstrafe umgewandelt werden.

Ob eine Freiheitsstrafe oder Geldstrafe verhängt wird und wie hoch die Strafe ist, hängt insbesondere von den folgenden Faktoren ab:

  • Wie bedeutsam ist das Verfahren, in dem ausgesagt wurde?
  • Wie wichtig war die Aussage für das Verfahren?
  • Was war das Motiv für die Falschaussage (z.B. ein Familienmitglied schützen)
  • Welche Folgen hatte die Falschaussage?
  • Vorstrafen
  • Wurde die falsche Aussage richtiggestellt?
  • Geständnis

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Wie hoch ist die Geldstrafe bei einer Falschaussage vor Gericht?

Die Höhe der Geldstrafe hängt von der Anzahl der Tagessätze und dem Einkommen ab.

Die Anzahl der Tagessätze wird vom Gericht danach bestimmt, wie schwer die Tat wiegt. Dabei sind die eben genannten Faktoren relevant.

Die Höhe der Tagessätze hängt von Ihrem Nettoeinkommen ab, wobei z.B. Unterhaltsverpflichtungen für Kinder angerechnet werden. Ein Tagessatz beträgt in der Regel 1/30 des monatlichen Nettoeinkommens.

Beispiel: Das Gericht verhängt 120 Tagessätze und der Tagessatz beträgt 80 Euro (Nettoeinkommen monatlich: 2.400 Euro). Dann beträgt die Geldstrafe insgesamt 120 x 80 Euro = 9.600 Euro.

Ist es auch strafbar, wenn ich unabsichtlich eine falsche Aussage mache?

Wegen uneidlicher Falschaussage kann sich nur strafbar machen, wer vorsätzlich handelt – wer sich irrt oder etwas vergisst, macht sich nicht strafbar.

Wichtig: Vorsatz und Absicht sind nicht das gleiche. Es genügt, wenn Sie die Unwahrheit gesagt haben und dies auch zumindest für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen haben.

Eine fahrlässige Falschaussage ist nur strafbar, wenn Sie vereidigt wurden (§ 161 StGB).

Welche Strafe bei Falschaussage vor der Polizei?

Eine Falschaussage vor der Polizei ist grundsätzlich nicht strafbar. § 153 StGB gilt nur für falsche Aussagen vor einem Gericht oder einem Untersuchungsausschuss – nicht für Aussagen bei der Polizei.

Wer im Rahmen einer polizeilichen Vernehmung als Zeuge nicht die Wahrheit sagt, kann sich aber trotzdem strafbar machen, zum Beispiel wegen der folgenden Delikte:

  • Strafvereitelung gem. § 258 StGB – Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe: z.B. wenn Zeugen falsch aussagen und deshalb ein Straftäter nicht überführt werden kann
  • Falsche Verdächtigung gem. § 164 StGB – Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe: z.B. wenn Zeugen den Verdacht auf Unschuldige lenken wollen
  • Vortäuschen einer Straftat gem. § 145d StGB – Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe: z.B. wenn Zeugen von einer Straftat berichten, die es gar nicht gab

Vorladung wegen Falschaussage – was soll ich jetzt tun?

Wenn Sie eine Vorladung wegen einer Falschaussage vor Gericht erhalten haben, bewahren Sie Ruhe und kontaktieren Sie sofort einen Anwalt für Strafrecht. Machen Sie keine Aussage bei der Polizei.

Die Strafen bei einer Falschaussage sind empfindlich. Wie vorgegangen werden soll, kann erst entschieden werden, wenn Ihr Anwalt Einsicht in die Akten genommen hat. Dann kann eine Strategie entworfen werden, wie das Verfahren möglichst ohne Gerichtsverhandlung zur Einstellung gebracht werden kann. Wer rechtzeitig reagiert, sichert sich alle Verteidigungsmöglichkeiten.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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