Alexander Schlüter
29.04.2026
·
0 Min.
Lesedauer

Nachstellung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Anzeige wegen Nachstellung (§ 238 StGB) wird häufig nach Streitigkeiten, Trennungen oder Konflikten im privaten oder beruflichen Umfeld erstattet.
  • Wer eine Vorladung als Beschuldigter wegen des Verdachts der Nachstellung erhält, sollte keine Aussage bei der Polizei machen, bevor ein Anwalt Einsicht in die Ermittlungsakte genommen hat.
  • Nachstellung („Stalking“) kann je nach Intensität und Folgen mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren, in schweren Fällen sogar bis zu fünf Jahren bestraft werden.
  • Auch digitale Nachstellung – sogenanntes Cyberstalking – fällt unter § 238 StGB.
  • Ein spezialisierter Strafverteidiger kann häufig eine Einstellung des Verfahrens erreichen, bevor Anklage erhoben wird.

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Inhaltsverzeichnis

Was ist Nachstellung? (§ 238 StGB)

Nach § 238 Abs. 1 StGB macht sich wegen Nachstellung strafbar, wer einem anderen unbefugt in einer Weise nachstellt, die geeignet ist, dessen Lebensgestaltung nicht unerheblich zu beeinträchtigen.

Dies kann etwa durch wiederholte (auch digitale) Kontaktaufnahmen, Beobachtungen, Bedrohungen oder Bestellungen unter unbefugter Verwendung der personenbezogenen Daten der anderen Person geschehen. Eine einmalige Handlung reicht nicht aus.

Entscheidend ist, dass das Opfer dadurch gezwungen wird, seine Lebensgestaltung zu ändern, z.B. durch Schutzmaßnahmen.

Die Handlungen müssen unbefugt erfolgen. Das bedeutet gegen den Willen der anderen Person. Daran kann es fehlen, wenn die andere Person ebenfalls Kontakt aufnimmt oder den Wunsch nach einem Kontaktabbruch nicht ausreichend deutlich macht.

Gerade in Trennungssituationen oder nach gescheiterten Beziehungen kommt es häufig zu einer Anzeige wegen Nachstellung, weil eine Person einen Kontaktabbruch wünscht. Für eine Strafbarkeit genügt jedoch noch nicht jede Belästigung, die mit Konflikten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Scheitern von Beziehungen verbunden ist, da dies häufig eine Kontaktaufnahme oder Kommunikation voraussetzt.

Was sind Beispiele für Nachstellung?

§ 238 StGB enthält verschiedene Nachstellungshandlungen, die unter den genannten Umständen strafbar sein können. Nachstellen meint dabei Handlungen, die darauf ausgerichtet sind, durch Annäherungen an das Opfer in dessen persönlichen Lebensbereich einzugreifen und dadurch seine Handlungs- und Entschließungsfreiheit zu beeinträchtigen.

Nachstellung Beispiele:

  • wiederholte Anrufe, SMS oder WhatsApp-Nachrichten trotz erkennbarer Ablehnung,
  • gezieltes Erscheinen am Arbeitsplatz oder vor der Wohnung,
  • Kontaktaufnahme über soziale Medien oder unter Verwendung falscher Profile,
  • unerwünschte Geschenke oder Briefe,
  • das Nachlaufen oder Beobachten, auch aus einem Auto heraus,
  • das Veröffentlichen persönlicher Daten oder Fotos im Internet (häufig beim Cyberstalking).

Welche Strafe droht beim Vorwurf der Nachstellung?

Nachstellung Strafe: Die Strafe für „Stalking“ hängt vom Einzelfall ab. Das Gesetz sieht Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. In besonders schweren Fällen (z.B. bei Gesundheitsschädigungen des Opfers oder Nachstellungen über sechs Monate) erhöht sich das Strafmaß auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Wird durch das Nachstellen der Tod des Opfers verursacht (z.B. durch Selbstmord), kann die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre betragen.

In vielen Fällen ist jedoch eine Einstellung des Verfahrens wegen Fehlen eines Tatverdachts oder gegen Auflage möglich. Auch bei vermeintlich „harmlosen“ Fällen sollte der Vorwurf ernst genommen werden und der Rat eines Anwalts für Strafrecht eingeholt werden, denn auch bei einer Geldstrafe kann eine Eintragung im Führungszeugnis Ihre berufliche Zukunft gefährden.

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Wann verjährt Nachstellung?

Nachstellung gem. § 238 StGB verjährt grundsätzlich fünf Jahre nach Beendigung der Tat. Die Verjährungsfrist kann jedoch durch bestimmte Ermittlungshandlungen neu zu laufen beginnen, sodass erst nach vollständiger Akteneinsicht beurteilt werden kann, ob die Tat verjährt ist.

Was ist Cyberstalking?

In Zeiten sozialer Medien gewinnt Cyberstalking immer mehr Bedeutung. Die Grenzen zwischen Online- und Offline-Handlungen sind oft fließend.

Cyberstalking liegt vor, wenn die Nachstellung über das Internet oder digitale Kommunikationsmittel erfolgt – etwa durch:

  • wiederholte unerwünschte Nachrichten oder Drohungen per Messenger,
  • Veröffentlichung intimer Inhalte,
  • Überwachung durch Apps oder Ortungsdienste,
  • Diffamierung oder Identitätsdiebstahl.

Auch Cyberstalking fällt unter den Tatbestand der Nachstellung. Die Nachweisbarkeit hängt hier häufig von digitalen Spuren (Chatverläufe, IP-Adressen etc.) ab. Ob eine Nachstellung vorliegt und nachweisbar ist, sollte ein Anwalt für Strafrecht nach Akteneinsicht prüfen.

Wie verhalte ich mich bei einer Vorladung wegen Nachstellung?

Wer wegen Nachstellung eine Vorladung erhält oder erfährt, dass jemand Anzeige erstattet hat, sollte sofort anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Eine Anzeige wegen Stalking löst regelmäßig ein Ermittlungsverfahren aus, selbst dann, wenn die Vorwürfe übertrieben oder unbegründet sind. Die Polizei wird den Beschuldigten zu einer Stellungnahme auffordern und eine Vorladung als Beschuldigter versenden.

Hier gilt: Keine Aussage ohne vorherige Akteneinsicht. Die Ermittlungsakte zeigt, worauf sich der Vorwurf stützt und welche Beweise vorliegen. Ein Anwalt für Strafrecht kann nach Akteneinsicht entscheiden, ob eine Stellungnahme sinnvoll ist oder Schweigen die bessere Verteidigungsstrategie ist.

Lesen Sie dazu auch: Vorladung als Beschuldigter

Wann erfolgt ein Kontaktverbot (Wegweisung und einstweilige Verfügung)?

Ob neben der Einleitung eines Strafverfahrens wegen Nachstellung auch ein Kontaktverbot erfolgt, hängt davon ab, ob die anzeigende Person auch auf dem zivilrechtlichen Weg vorgeht oder die Polizei von Amts wegen ein Kontaktverbot ausspricht.

Kontaktverbot und Wegweisung durch diePolizei

Die Möglichkeit eines Kontakt- und Näherungsverbotes bzw. einer sogenannten "Wegweisung" besteht zum einen durch die Polizei selbst. Die Grundlage hierfür ist jeweils landesrechtlich geregelt, in Hamburg beispielsweise in § 12 b SOG, wobei die Voraussetzungen in allen Bundesländern gleich oder ähnlich sind.

Kontaktverbot durch einstweilige Verfügung

Es besteht auch die Möglichkeit für die anzeigende Person, ein Kontaktverbot auf zivilrechtlichem Wege im Wege einer einstweiligen Anordnung durchzusetzen. Dies richtet sich nach § 1 des Gewaltschutzgesetzes (GewSchG).

Wichtig: Ein Verstoß gegen eine Gewaltschutzanordnung ist gem. § 4 GewSchG wiederum strafbar.

Was ist der Unterschied zwischen Nachstellung, Bedrohung und Nötigung?

Nachstellung nach § 238 StGB setzt eine Vielzahl von Handlungen voraus, während Bedrohung nach § 241 StGB und Nötigung nach § 240 StGB schon durch eine einzige Tat verwirklicht sein können. Außerdem handelt es sich bei der Bedrohung und der Nötigung um Privatklagedelikte, was bedeutet, dass bei der Einstellung des Strafverfahrens geringere Hürden bestehen als bei einer Nachstellung. In der Praxis werden bei Stalking-Vorwürfen häufig mehrere dieser Tatbestände gleichzeitig in der Anklageschrift aufgeführt.

Anwalt Stalking – warum frühzeitige Verteidigung entscheidend ist

Ein erfahrener Anwalt kann bereits im Ermittlungsverfahren wegen Stalking viel bewirken.
Ziel ist es, eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen, sodass keine Anklage erhoben wird und kein Gerichtsverfahren stattfindet.

Gerade bei Vorwürfen der Nachstellung hängt viel von der rechtlichen Bewertung des Verhaltens ab – also davon, ob tatsächlich eine „nicht unerhebliche Beeinträchtigung“ vorliegt oder ob die Handlungen sozialüblich und emotional motiviert sind oder auf Missverständnissen beruhen.

Der Strafverteidiger wird:

  • Akteneinsicht beantragen,
  • die Verteidigungsstrategie festlegen,
  • bei der Staatsanwaltschaft auf eine Einstellung hinwirken,
  • oder – falls nötig – eine Strategie für das gerichtliche Verfahren entwickeln.

Frühzeitige anwaltliche Unterstützung kann entscheidend sein, um ein Ermittlungsverfahren ohne öffentliche Hauptverhandlung zu beenden.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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FAQS

Die Antworten auf die häufigsten Fragen zu diesem Thema finden Sie hier.

Was ist Nachstellung?

Nachstellung bedeutet das wiederholte, unbefugte Aufsuchen, Verfolgen, Belästigen einer Person oder ähnliche Handlungen, wodurch deren Lebensgestaltung nicht unerheblich beeinträchtigt wird.

Welche Strafe droht bei Nachstellung?

Je nach Schwere kann die Strafe von einer Geldstrafe bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe reichen. Mit der richtigen Verteidigungsstrategie ist jedoch auch eine Einstellung des Verfahrens ohne Eintragung im Führungszeugnis möglich.

Benötige ich für Nachstellung einen Anwalt?

Es ist ratsam, sich anwaltlich vertreten zu lassen. Gerade in frühen Ermittlungsphasen kann ein Strafverteidiger durch Akteneinsicht und Stellungnahmen das Verfahren entscheidend beeinflussen.

Was passiert nach einer Anzeige wegen Nachstellung?

Die Polizei nimmt Ermittlungen auf und lädt den Beschuldigten zur Vernehmung. Ohne Akteneinsicht sollte keine Aussage erfolgen. Hierzu besteht keine Pflicht.

Wann wird ein Verfahren wegen Nachstellung eingestellt?

Wenn kein Nachweis der Vorwürfe gelingt oder wenn die Schuld gering ist und ggf. Auflagen erfüllt werden. Ein Strafverteidiger kann Sie hierzu im Einzelfall beraten.

Was ist der Unterschied zwischen Stalking und Nachstellung?

„Stalking“ ist der umgangssprachliche Begriff – juristisch spricht man von Nachstellung nach § 238 StGB.

Was gilt bei Cyberstalking?

Auch digitale Belästigung – etwa über soziale Medien oder Messenger – fällt unter § 238 StGB.

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