Jonas Meese
18.02.2026
·
0 Min.
Lesedauer

Urkundenfälschung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Strafe für Urkundenfälschung: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Für Ersttäter droht eine Geldstrafe, es ist aber auch eine Einstellung des Verfahrens möglich.
  • Auch eine Unterschriftenfälschung kann bereits strafbar sein.
  • Typische Beispiele für Urkundenfälschung sind gefälschte Atteste, manipulierte Verträge oder veränderte Zeugnisse.
  • Nach einer Vorladung als Beschuldigter sollten Sie keine Aussage machen, bevor ein Strafverteidiger Akteneinsicht genommen hat.
  • Durch frühzeitige anwaltliche Verteidigung kann oft eine Einstellung des Verfahrens erzielt werden.

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Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Urkundenfälschung?

Die Urkundenfälschung ist in § 267 StGB geregelt. Danach macht sich strafbar, wer

  1. eine unechte Urkunde herstellt,
  2. eine echte Urkunde verfälscht oder
  3. eine unechte oder verfälschte Urkunde gebraucht.

Unecht ist eine Urkunde, wenn der scheinbare Aussteller und der tatsächliche Aussteller voneinander abweichen. Verfälscht ist eine Urkunde, wenn scheinbarer und tatsächlicher Aussteller gleich sind, die Urkunde aber ohne Einverständnis des Ausstellers verändert wurde. Das Verwenden ist strafbar, wenn dies zur Täuschung im Rechtsverkehr erfolgt.

Beispiele:

  • Unterschreiben im Namen einer anderen Person ohne deren Einverständnis
  • Verändern eines ärztlichen Attests oder Medikamentenrezepts.
  • Verwenden eines fremden Kfz-Kennzeichens
  • Veränderung der Noten auf einem Zeugnis

Strafe für Urkundenfälschung?

Die Strafe für Urkundenfälschung ist in § 267 StGB geregelt: Es drohen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. In besonders schweren Fällen – z.B. wenn die Fälschung gewerbsmäßig erfolgt oder besonders hohe Schäden verursacht – kann die Strafe noch höher ausfallen.

Wie hoch die Strafe bei Urkundenfälschung im Einzelfall ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • dem Motiv,
  • dem entstandenen Schaden,
  • dem Verhalten nach der Tat,
  • und den persönlichen Verhältnissen des Täters und dessen Vorleben

In der Praxis wird als Strafe für Urkundenfälschung meist eine Geldstrafe verhängt, sofern keine einschlägigen Vorstrafen vorliegen. Bei Ersttätern kann durch frühzeitige anwaltliche Unterstützung eine Einstellung des Verfahrens erwirkt werden.

Urkundenfälschung Geldstrafe – wie hoch?

Die Geldstrafe für Urkundenfälschung hängt vom Einkommen und der Schwere des Vorwurfs ab. Die Gerichte verhängen in einfacheren Fällen häufig Strafen zwischen 30 und 120 Tagessätzen.

Zur Orientierung:

  • Ein Tagessatz entspricht dem (geschätzten) monatlichen Netto-Einkommen geteilt durch 30
  • Ab 90 Tagessätzen erfolgt ein Eintrag im Führungszeugnis

Durch frühzeitige anwaltliche Beratung lässt sich eine Einstellung des Verfahrens oder eine möglichst niedrige Strafe erreichen.

Strafe Urkundenfälschung Ersttäter?

Ersttäter haben meist gute Chancen, dass keine Strafe ausgesprochen wird oder diese im unteren Bereich des Strafrahmens liegt.
In vielen Fällen erreichen Strafverteidiger eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage, sodass es gar nicht zu einer Strafe kommt.

Das Gericht berücksichtigt insbesondere:

  • die Motivation hinter der Tat,
  • den Umfang der Vorwürfe,
  • die Folgen der Urkundenfälschung,
  • und ob die Urkunde tatsächlich verwendet wurde.

Eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe kommt nur in besonders schweren Fällen oder bei wiederholter Begehung in Betracht.

Urkundenfälschung  – typische Fälle

Urkundenfälschung: Beispiele aus der Praxis:

  • Unterschriftenfälschung zur Täuschung im Rechtsverkehr
  • Verändern eines ärztlichen Attests (z. B. neues Datum eintragen)
  • Manipulieren einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
  • Fälschen von Schul- oder Hochschulzeugnissen
  • Veränderung von Fahrzeugscheinen, TÜV-Plaketten oder Umweltplaketten
  • Verwenden eines fremden Kfz-Kennzeichens
  • Preisschilder austauschen
  • Verwenden gefälschter Medikamentenrezepte

Unterschriftenfälschung und Dokumentenfälschung

Eine Unterschriftenfälschung stellt regelmäßig eine Urkundenfälschung dar, wenn dies zur Täuschung im Rechtsverkehr erfolgt. Die Strafe für Unterschriftenfälschung ist daher identisch mit der Strafe für Urkundenfälschung. Entscheidend ist, ob die Unterschrift eine rechtserhebliche Bedeutung hat – etwa bei Verträgen, Vollmachten oder Zeugnissen.

Auch Dokumentenfälschung ist regelmäßig als Urkundenfälschung zu bewerten. Dokumentenfälschung Strafe: Diese richtet sich ebenfalls nach dem konkreten Einzelfall, dem Ausmaß und dem Motiv.

Was ist eine zusammengesetzte Urkunde?

Eine zusammengesetzte Urkunde liegt vor, wenn eine Urkunde mit einem anderen Gegenstand fest verbunden wird und sich hierdurch eine sogenannte Beweiseinheit ergibt.

Zusammengesetzte Urkunde Beispiele:

  • Kennzeichen + Fahrzeug: Diese Verbindung soll erklären, dass dieses Fahrzeug mit diesem Kennzeichen zugelassen ist.
  • Preisschild + Ware: Diese Verbindung soll erklären, dass diese Ware den genannten Preis hat
  • Etikett + Gegenstand: Diese Verbindung soll die Zugehörigkeit oder Identifizierung des Gegenstands ermöglichen (z.B. Etikett an Blut- oder Urinprobe)

Urkundenfälschung Verjährung?

Die Verjährungsfrist bei Urkundenfälschung beträgt fünf Jahre. Wird die Urkundenfälschung banden- und gewerbsmäßig begangen beträgt die Verjährungsfrist zehn Jahre. Das bedeutet: Wenn innerhalb dieses Zeitraums kein rechtskräftiges Urteil ergeht, darf die Tat nicht mehr verfolgt werden.

Allerdings kann die Verjährung unterbrochen werden – zum Beispiel durch:

  • die erste Vernehmung des Beschuldigten,
  • den Erlass eines Strafbefehls,
  • oder die Erhebung der Anklage.

In der Praxis sollte man sich also nicht auf eine baldige Verjährung verlassen, da viele Umstände die Verjährung unterbrechen können. Stattdessen sollte mit einem Anwalt für Strafrecht eine individuelle Verteidigungsstrategie verfolgt werden.

Vorladung wegen Urkundenfälschung – was tun?

Wenn Sie eine Vorladung als Beschuldigter wegen Urkundenfälschung erhalten haben, gilt: Nicht ohne vorherige anwaltliche Beratung zur Vernehmung erscheinen. Dazu sind Sie weder verpflichtet, noch kann Ihnen dies nachteilig ausgelegt werden.

Viele Betroffene machen den Fehler, an einer Vernehmung der Polizei teilzunehmen, um die Sache aufzuklären oder schnell „vom Tisch“ zu bekommen. In der Regel schadet das jedoch mehr, als es nützt. Erst nach Akteneinsicht lässt sich klären, was Ihnen genau vorgeworfen wird und welche Beweise vorliegen.

Mehr Informationen finden Sie unter: Vorladung als Beschuldigter

Wie hilft ein Strafverteidiger im Ermittlungsverfahren?

Ein Strafverteidiger kann bereits im Ermittlungsverfahren entscheidend Einfluss nehmen. Er beantragt Akteneinsicht, prüft die Beweise und klärt, ob tatsächlich eine Urkundenfälschung vorliegt und ob es Möglichkeiten gibt, eine Einstellung des Verfahrens ohne Gerichtsverhandlung und ohne Eintragung im Führungszeugnis zu erwirken.

Wenn Sie bereits einen Strafbefehl erhalten haben, unterstützt der Anwalt Sie beim Vorgehen gegen Strafbefehl. Mehr dazu unter: Strafbefehl

Gerade bei Ersttätern lässt sich mit einer erfahrenen Verteidigung oft eine Einstellung wegen Geringfügigkeit oder gegen eine Geldauflage erreichen.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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FAQS

Die Antworten auf die häufigsten Fragen zu diesem Thema finden Sie hier.

Urkundenfälschung: Was gilt für Ersttäter?

Bei Ersttätern kann das Verfahren häufig gegen Geldauflage eingestellt werden. Eine Gerichtsverhandlung und eine Eintragung im Führungszeugnis sind oft vermeidbar.

Wann verjährt Urkundenfälschung?

Grundsätzliche nach fünf Jahren, in Ausnahmefällen nach zehn Jahren, wobei die Verjährung unterbrochen werden kann.

Was ist eine zusammengesetzte Urkunde?

Eine zusammengesetzte Urkunde, ist eine Urkunde, die fest mit einem Bezugsobjekt verbunden ist (z. B. Kennzeichen + Fahrzeug).

Welche Strafe droht bei Urkundenfälschung?

Nach § 267 StGB droht bei Urkundenfälschung eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Ist ein gefälschtes Attest eine Urkundenfälschung?

Ja, das Verändern oder Nachmachen eines ärztlichen Attests ist strafbar.

Wie hoch ist die Geldstrafe bei Urkundenfälschung?

Die Geldstrafe ist abhängig vom Einkommen und der Schwere der Tat.

Ist eine Unterschriftenfälschung immer strafbar?

Eine Unterschriftenfälschung ist immer dann strafbar, wenn die gefälschte Unterschrift zur Täuschung anderer im Rechtsverkehr verwendet werden soll.

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Allgemeines Strafrecht

Alle allgemeinen Straftaten, z.B. Diebstahl, Beleidigung, Körperverletzung

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
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Strafrecht - nothing else.

Wir beraten Sie umfassend im Strafrecht. Wir haben uns ausschließlich auf die Verteidigung in diesem Rechtsgebiet konzentriert - seit unserer Ausbildung.

Untergebiete innerhalb des Strafrechts

Zu unserem Beratungsspektrum gehören selbstverständlich neben Sondergebieten (z.B. Jugendstrafrecht, Geldwäsche, Verkehrsstrafrecht, Betäubungsmittelstrafrecht) auch alle Delikte aus dem allgemeinen Strafrecht.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Beleidigung

Beleidigung

Bußgeldkatalog bei Beleidigung?

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
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Was fällt unter Beleidigung?

Unter den Tatbestand der Beleidigung fällt jede Äußerung, die die Ehre eines anderen Menschen angreift. Das kann durch Worte, Gesten oder Handlungen geschehen. Entscheidend ist nicht, ob Sie „die Wahrheit“ sagen, sondern ob Ihre Äußerung als ehrverletzend gilt.

Was sind Beispiele für eine Beleidung?

  • Der Mittelfinger oder das „Vogel zeigen“ im Straßenverkehr sind klassische Beleidigungen
  • Auch durch digitale Kommunikation (WhatsApp, Instagram, Facebook) kann eine Beleidigung geäußert werden
  • Eine Beleidigung auf sexueller Grundlage liegt bei anzüglichen Bemerkungen oder Gesten vor, wenn sie objektiv als Herabwürdigung zu verstehen sind.
  • Eine Beamtenbeleidigung gibt es im Gesetz nicht: Wer einen Beamten beschimpft, wird genauso bestraft, wie bei einer „normalen“ Beleidigung.

Wird jede Beleidigung verfolgt?

Die Strafverfolgung erfolgt bei Beleidigung nur bei einem sogenannten Strafantrag des Verletzten. Das heißt: Nur wenn der Betroffene selbst einen Antrag auf Strafverfolgung stellt, wird gegen Sie ermittelt. Dieser Strafantrag muss innerhalb von drei Monaten gestellt werden.

Strafe bei Beleidigung

Die Strafe bei Beleidigung kann betragen:

  • Geldstrafe
  • Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr im Normalfall
  • Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren, wenn  die Beleidigung öffentlich, in einer Versammlung, durch Verbreiten eines Inhalts oder mittels einer Tätlichkeit begangen wird

Bußgeldkatalog: Für welche Beleidigung gibt es welche Strafe?

Es gibt keinen „Bußgeldkatalog“ für verschiedene Beleidigungen. Die konkrete Strafe hängt immer von dem jeweiligen Kontext der Äußerung ab. Sie wird in Tagessätzen bemessen.

Daumenregel: Monatliches Nettoeinkommen geteilt durch 30 = ein Tagessatz.

Auch wenn es keinen festen Bußgeldkatalog gibt, geben diese Urteile einen Überblick, wie viele Tagessätze von Gerichten festgesetzt wurden:

Tat Der Angeklagte beleidigte mit den Worten „Dreckspack“ und „Arschloch“.
Strafe 50 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Mönchengladbach (2017)
Tat Der Angeklagte bezeichnete einen Richter als „Volksverräter“.
Strafe 100 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Frankfurt am Main (2021)
Tat Eine angehende Polizistin beleidigte einen Kollegen in zwei Fällen rassistisch, unter anderem mit Affengesten.
Strafe 120 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Berlin-Tiergarten (2024)
Tat Der Angeklagte beleidigte im Internet Politiker mit Hasskommentaren.
Urteil 110 Tagessätze
Gericht Amtsgericht Detmold (2023)
Tat Der Angeklagte (Taxifahrer) zeigte im Straßenverkehr einen Mittelfinger.
Strafe 50 Tagessätze
Gericht Amtsgericht München (2015)

Wichtig: Je nach Höhe des Tagessatzes kann die Strafe sehr empfindlich ausfallen. In einem presseträchtigen Fall am Amtsgericht Hamburg-Mitte wurden ein Angeklagter für eine Beleidigung im Straßenverkehr zu 30 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt und die Tagessatzhöhe auf 2.000€ festgesetzt, da der Angeklagte ein sehr hohes Einkommen hatte. Die Gesamtstrafe betrug also 60.000€.

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Wird Beleidigung ins Führungszeugnis eingetragen?

Eine Verurteilung oder ein Strafbefehl wegen Beleidigung wird ins Führungszeugnis eingetragen, wenn Vorstrafen bestehen oder wenn die Strafe über 90 Tagessätze beträgt. Dies kann gravierende Folgen für Jobwahl bzw. Beamtenlaufbahn haben. Aber auch unterhalb der Grenze von 90 Tagessätzen wird die Verurteilung ins Bundeszentralregister eingetragen.

Oberstes Ziel eines Anwalts für Strafrecht ist daher, dass das Verfahren ohne Gerichtsverhandlung und ohne Eintrag ins Führungszeugnis eingestellt wird.

Vorladung wegen einer Beleidigung

  • Keine Aussage ohne Anwalt: als Beschuldigter sind Sie nicht verpflichtet, Angaben zur Sache zu machen. Viele versuchen, die Situation durch eine Erklärung zu entschärfen, und verschlimmern sie dadurch nur.
  • Beauftragen Sie einen Anwalt für Strafrecht. Wir helfen Ihnen gerne! Jeder Kontakt zur Polizei und der Staatsanwaltschaft sollte nur über einen Anwalt erfolgen.
  • Ein Rechtsanwalt kann die Ermittlungsakte einsehen. Daraus ergibt sich, was Ihnen konkret vorgeworfen wird.
  • Frühzeitige Verteidigung zahlt sich aus. Je früher ein erfahrener Strafverteidiger eingeschaltet wird, desto größer sind die Chancen, das Verfahren ohne Anklage zu beenden, z.B. mit einer Verfahrenseinstellung mangels Tatverdachts oder gegen eine geringe Geldauflage.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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Betrug

Anwalt erklärt Warenkreditbetrug, Warenbetrug und Höhe der Strafe

Jonas Meese
12.15.2025
·
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Was ist Betrug nach § 263 StGB?

Wegen Betruges macht sich strafbar, wer eine andere Person über Tatsachen täuscht, damit jemand aufgrund eines Irrtums eine Vermögensverfügung vornimmt, die den Täter oder jemand anderen rechtswidrig bereichert.

Einfacher gesagt: Betrug liegt vor, wenn jemand durch Täuschung Geld oder einen wirtschaftlichen Vorteil erlangt. Es kommt also immer auf Täuschung – Irrtum – Vermögensverfügung – Schaden an.

Anzeige wegen Betrugs – was kann passieren?

Eine Anzeige wegen Betrugs zieht immer ein Strafverfahren nach sich, in dem die Polizei ermittelt und das Verfahren am Schluss an die Staatsanwaltschaft abgibt. Hierbei erhalten Beschuldigte eine Vorladung von der Polizei.

Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann, wie das Ermittlungsverfahren endet: Mit einer Anklage, damit eine öffentliche Gerichtsverhandlung durchgeführt wird, einem Strafbefehl oder mit einer Einstellung, z.B. weil kein hinreichender Verdacht besteht oder wegen Geringfügigkeit.

Selbst ein scheinbar kleiner Vorfall – etwa das verspätete Bezahlen einer Ware – kann mit einer Anzeige wegen Betruges enden, wenn eine Täuschungsabsicht vermutet wird.

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Betrug - Typische Fälle aus der Praxis

Auch wenn kein Verfahren wegen Betruges dem anderen gleicht, kommen folgende Fälle häufig vor:

Eingehungsbetrug

Beim Eingehungsbetrug täuscht jemand bei einem Vertragsabschluss.

Verkäufern wird häufig vorgeworfen, über Mängel oder Eigenschaften eines Kaufgegenstandes getäuscht zu haben.

Beispielsweise könnte ein Fahrzeug als „unfallfrei“ verkauft werden, obwohl Vorschäden bestehen oder der Tacho manipuliert ist. Auch Verkäufern von Immobilien wird häufig vorgeworfen, z.B. über Schimmelbefall, Hausschwamm oder illegale Umbauten getäuscht zu haben. Wird dabei noch eine Urkunde gefälscht (z.B. Echtheitszertifikat einer Uhr), steht zusätzlich der Vorwurf der Urkundenfälschung im Raum.

Käufern wird häufig vorgeworfen, über ihre Zahlungsfähigkeit oder Zahlungswilligkeit getäuscht zu haben.

Einfach gesagt: Wenn eine Person etwas kauft, ohne die Sache bezahlen zu wollen oder zu diesem Zeitpunkt schon weiß, dass sie die Sache nicht bezahlen kann, begeht sie einen Betrug. Das Gericht prüft in diesen Fällen, ob von Anfang an keine Absicht zur Zahlung bestand.

Warenkreditbetrug

Der Vorwurf Warenkreditbetrug betrifft Fälle, in denen Waren auf Rechnung oder Kredit gekauft werden – ohne dass diese am Ende bezahlt werden.

Als Täuschung kommt in Betracht: Das Verschweigen der wirtschaftlichen Lage.
Besonders häufig: Onlinehandel oder kurzfristige Bestellungen in wirtschaftlicher Krise.

Warenbetrug

Beim Warenbetrug wird die Ware nicht oder nur teilweise geliefert, obwohl sie bezahlt wurde. Dies ist häufig der Fall bei Privatverkäufen über Portale wie Kleinanzeigen. Die Ermittlungsbehörden werten hierbei oft Chatverläufe und Kontobewegungen aus.

Besonders häufig trifft der Vorwurf des Betrugs über Kleinanzeigen in der Vergangenheit Unschuldige: Unbekannte Täter kopieren dabei geschickt Kleinanzeigen-Inserate und veranlassen Verkäufer dazu, die Ware an Dritte zu versenden. Dies geschieht häufig unter einem Vorwand, z.B.: „Ich bin gerade nicht zu Hause, aber versende die Ware bitte an meinen Freund.“

Die Ware kommt auf diesem Wege nie beim Käufer an, der dann gegen den Verkäufer mit einer Strafanzeige wegen Warenbetruges vorgeht.

Versenden Sie daher Ware bei privaten Verkäufen ausschließlich an die Person, die auch das Geld überwiesen hat.

Betrug Strafe – welche Strafen drohen nach § 263 StGB?

Die Strafe für Betrug hängt von Schadenshöhe, Vorsatz und Vorstrafen ab:

  • Einfacher Betrug: Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe
  • Gewerbsmäßiger oder bandenmäßiger Betrug: Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren
  • Versuchter Betrug: Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe mit der Möglichkeit der Milderung.

Paragraph 263 StGB Geldstrafe: Höhe?

Die Geldstrafe bei Betrug richtet sich nach dem Tagessatzsystem (§ 40 StGB).
Ein Tagessatz entspricht etwa 1/30 des monatlichen Nettoeinkommens, wobei z.B. Unterhaltsverpflichtungen abgezogen werden können. Heißt: Eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen ist so hoch, wie zwei Monatsgehälter (Netto).

Die Anzahl der Tagessätze richtet sich insbesondere nach folgenden Punkten:

  • Vorstrafen
  • Höhe des Schadens
  • Folgen für das Opfer
  • Professionalität des Vorgehens

Vorladung Betrug – Anwalt einschalten!

Ein erfahrener Strafverteidiger kann bereits im Ermittlungsverfahren Einfluss nehmen. Gerade bei erstmaliger Beschuldigung kann eine Verfahrenseinstellung erreicht werden.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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Gefährliche Körperverletzung

Alles zum Tatbestand, zur Strafe (auch bei Ersttätern) und Chancen

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
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Was ist eine gefährliche Körperverletzung?

Die gefährliche Körperverletzung gemäß § 224 StGB ist eine schwerwiegendere Form (sogenannte "Qualifikation") der einfachen Körperverletzung gemäß § 223 StGB. Eine gefährliche Körperverletzung liegt vor, wenn der Täter die Tat unter einem der folgenden Umstände begeht:

1. Verwendung von Gift oder gesundheitsschädlichen Stoffen

Das umfasst Substanzen, die die Gesundheit erheblich beeinträchtigen können. Beispiele, bei denen es sich um solche Stoffe handeln kann:

  • Medikamente in hoher Dosierung
  • Reizstoffe
  • Gase
  • sogenannte „K.O.-Tropfen

2. Verwendung einer Waffe oder eines gefährlichen Werkzeugs

Ein gefährliches Werkzeug ist jeder Gegenstand, der aufgrund seiner Beschaffenheit und der Art der Verwendung erhebliche Verletzungen verursachen kann. Beispiele sind:

  • Flaschen, die geworfen werden
  • Messer, mit denen Schnitt- oder Stichverletzungen zugefügt werden
  • Werkzeuge wie Schraubenzieher oder Stangen, mit denen zugeschlagen wird
  • Schwere Schuhe, mit denen zugetreten wird

3. Hinterlistiger Überfall

Dazu gehören Angriffe, die das Opfer nicht kommen sieht, weil sie vom Täter verdeckt erfolgen. Beispiel: Der Täter täuscht vor, dass er das Opfer begrüßen möchte und schlägt dann unvermittelt zu.

4. Gemeinsame Tatbegehung

Dazu gehören Taten, bei denen mehrere Täter gemeinsam handeln und das Opfer dadurch einem höheren Risiko ausgesetzt ist.

5. Beibringen einer das Leben gefährdenden Behandlung

Dazu zählen Handlungen, die objektiv geeignet sind, das Leben des Opfers zu gefährden. Beispiele:

  • Tritte gegen den Kopf
  • Würgen
  • Messerstiche

Welche Strafe droht bei gefährlicher Körperverletzung?

Bei einer gefährlichen Körperverletzung droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen hohe Geldstrafen. In der Regel erfolgt eine Eintragung im Führungszeugnis.

Wichtig: Zusätzlich zur Strafe drohen erhebliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen des Verletzten.

Welche Strafe ist bei einem Ersttäter bei gefährlicher Körperverletzung zu erwarten?

Für Ersttäter einer gefährlichen Körperverletzung wird in den meisten Fällen eine Freiheitsstrafe auf Bewährung oder eine Geldstrafe verhängt, wenn keine Vorstrafen bestehen und die Tat nicht besonders schwerwiegend ist.

Die tatsächliche Strafe hängt insbesondere von folgenden Punkten ab:

  • Schwere der Verletzungen
  • Art des gefährlichen Werkzeugs
  • Ablauf der Tat (z.B. im Affekt)
  • Verhalten nach der Tat
  • Provokation durch das Opfer
  • Alkoholisierung des Täters
  • Vorstrafen des Täters

Unter Umständen kommt auch eine Milderung des Strafrahmens (minder schwerer Fall) in Betracht, zum Beispiel bei einem Täter-Opfer-Ausgleich oder verminderter Schuldfähigkeit bei Alkoholisierung. In diesen Fällen kann gerade für Ersttäter ohne Vorstrafen in vielen Fällen noch eine Geldstrafe erreicht werden.

Außerdem besteht insbesondere bei Ersttätern die Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen. In diesem Fall erfolgt kein Eintrag im Führungszeugnis.

Wie kann ich mich gegen den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung verteidigen?

Mögliche Verteidigungsansätze sind:

  • Notwehr oder Nothilfe
  • fehlender Vorsatz
  • fehlende gefährliche Tathandlung (z.B. wenn die Verletzungshandlung mit einem Gegenstand nicht gefährlich war),
  • widersprüchliche Zeugenaussagen zum Verlauf der Tat
  • Alkoholisierung
  • unklare Täterschaft

Wie läuft das Ermittlungsverfahren ab?

Wie ein Strafverfahren abläuft, erfahren Sie unter: Ablauf des Strafverfahrens.

Besonderheiten zum Ablauf bei Jugendlichen und Heranwachsenden finden Sie unter: Ablauf des Jugendstrafverfahrens

Zu Beginn des Ermittlungsverfahrens erfolgt meistens eine Vorladung von der Polizei. Nach Abschluss der Ermittlungen wird die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft übergeben, die dann entscheidet, ob das Verfahren eingestellt wird, z.B. mangels Tatverdacht oder wegen Geringfügigkeit oder ob es zu einem Strafbefehl bzw. einer Anklage kommt.  

Wenn Sie einer gefährlichen Körperverletzung beschuldigt werden, machen Sie keine Aussage bei der Polizei. Mehr dazu unter: Warum Sie im Ermittlungsverfahren schweigen sollten.

Beauftragen Sie einen Anwalt für Strafrecht, der für Sie Akteneinsicht beantragen und eine Verteidigungsstrategie entwerfen kann.

Unser oberstes Ziel ist stets, das Verfahren noch im Ermittlungsverfahren ohne Gerichtsverhandlung und ohne Eintrag ins Führungszeugnis zur Einstellung zu bringen.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Sachbeschädigung

Sachbeschädigung

Strafen, Verjährung & Verteidigung

Alexander Schlüter
12.15.2025
·
5 Min.
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Was ist Sachbeschädigung?

Eine Sachbeschädigung begeht, wer vorsätzlich eine fremde Sache beschädigt oder zerstört. Eine Beschädigung liegt bereits vor, wenn die Sache nicht nur unerheblich in ihrer Substanz oder Funktion beeinträchtigt wird. Es muss also kein Totalschaden entstehen. Kratzer im Lack eines Fahrzeugs oder eine eingedellte Tür können bereits ausreichen.

Eine Sachbeschädigung liegt auch dann vor, wenn lediglich das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert wird. Hiervon umfasst sind z.B. Graffiti oder das Bekleben, Bemalen oder Beschmieren von Wänden und Gegenständen. Dies gilt allerdings nur, wenn diese Veränderung nicht durch einfaches Wischen oder zum Beispiel durch Regen wieder beseitigt wird.

Sachbeschädigung Strafe: Welche Sanktionen drohen?

Für Sachbeschädigung sieht das Gesetz eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor. In der Praxis werden Ersttäter häufig zu Geldstrafen verurteilt. Die genaue Höhe hängt u.a. von folgenden Faktoren ab:

  • Höhe des entstandenen Schadens,
  • Vorstrafen,
  • Tatmotiv,
  • dem Verhalten nach der Tat (z. B. Schadensersatz, Entschuldigung)

Höhere Strafen sieht das Gesetz vor, wenn zum Beispiel öffentliche Denkmäler, Kunst in öffentlichen Museen oder Bauwerke beschädigt werden.

In vielen Fällen ist auch eine Einstellung des Verfahrens möglich. Eine Einstellung mangels Tatverdacht kommt in Betracht bei einer Anzeige wegen Sachbeschädigung ohne belastbare Beweise, bei unklarer Täterschaft oder wenn der Gegenstand bereits vorher mit Graffitis versehen war. Bei schwieriger Beweislage besteht die Möglichkeit, eine Einstellung gegen Auflage (z.B. Schadenswiedergutmachung) zu erzielen. In beiden Fällen erfolgt keine Eintragung im Führungszeugnis.

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Ist Fahrlässige Sachbeschädigung strafbar?

Nein, fahrlässige Sachbeschädigung ist nicht strafbar. Wer also aus Unachtsamkeit oder Versehen eine fremde Sache beschädigt, macht sich nicht nach dem Strafgesetzbuch strafbar. Allerdings kann fahrlässiges Verhalten zivilrechtliche Schadensersatzansprüche zur Folge haben.

Wir erleben nicht selten, dass dennoch Anzeige wegen Sachbeschädigung erhoben wird, weil ein Vorsatz unterstellt wird. In diesen Fällen arbeiten wir heraus, dass unsere Mandanten nicht vorsätzlich gehandelt haben und wirken auf eine Einstellung mangels Tatverdacht oder einen Freispruch hin.

Anzeige wegen Sachbeschädigung – was passiert nach der Anzeige?

Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung führt zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Die Polizei versucht, den Sachverhalt aufzuklären, zum Beispiel durch:

  • Zeugenbefragungen,
  • Spurensicherung,
  • Auswertung von Videoaufnahmen

Als beschuldigte Person erhalten Sie in dieser Phase eine Vorladung als Beschuldigter oder die Aufforderung, schriftlich Stellung zu nehmen. Wichtig: Sie sind nicht verpflichtet, dort zu erscheinen oder Angaben zur Sache zu machen. Sobald Sie Post von der Polizei erhalten, sollten Sie sich von einem Anwalt für Strafrecht beraten lassen. Wir prüfen in einem kostenlosen Erstgespräch Ihre Möglichkeiten.

Wann verjährt Sachbeschädigung?

Die Verjährung von Sachbeschädigungen richtet sich nach § 78 StGB. Für die einfache Sachbeschädigung beträgt die Verjährungsfrist fünf Jahre.

Die Frist beginnt mit Beendigung der Tat. Allerdings haben eine Vielzahl an Handlungen der Ermittlungsbehörden eine Unterbrechung der Verjährung zur Folge. Ob die Tat bereits verjährt ist, sollte daher im Einzelfall ein Anwalt für Strafrecht prüfen.

Anwalt Sachbeschädigung: Warum frühzeitige Verteidigung entscheidend ist.

Ein erfahrener Anwalt für Strafrecht kann bereits im Ermittlungsverfahren Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens nehmen. Nach Akteneinsicht kann die Beweislage geprüft werden und eine individuelle Strategie entwickelt werden, um eine Einstellung des Verfahrens – ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung in das Führungszeugnis – zu erreichen.

Wir beraten Sie umfassend zu Ihren Möglichkeiten.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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Strafbefehl – was Sie wissen müssen

Strafbefehl erhalten - wie kann ich mich wehren?

Jonas Meese
12.15.2025
·
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Was ist ein Strafbefehl?

Ein Strafbefehl ist eine Entscheidung des Gerichts im Strafverfahren, die ohne Gerichtsverhandlung ergeht. Das Gericht verhängt eine Strafe allein auf Grundlage der Ermittlungsakte. Typische Strafen im Strafbefehlsverfahren sind:

  • Geldstrafe
  • Fahrverbot
  • Freiheitsstrafe auf Bewährung

Der Strafbefehl soll Strafverfahren vereinfachen und beschleunigen. Für Betroffene bedeutet ein Strafbefehl aber eine Verurteilung, obwohl sie keine Chance hatten, sich vor einem Gericht zu erklären.

Wie wehre ich mich?

Wenn Sie einen Strafbefehl erhalten, haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Strafbefehl akzeptieren oder
  • Einspruch einlegen.

STRAFBEFEHL AKZEPTIEREN

Der Strafbefehl wird rechtskräftig. Wenn z.B. eine Geldstrafe im Strafbefehl steht, müssen Sie die Geldstrafe an die Staatskasse zahlen.

Wichtig: Der Strafbefehl gilt als Vorstrafe! Er wird in das Bundeszentralregister und ggf. ins Führungszeugnis eingetragen.

EINSPRUCH EINLEGEN

Innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Strafbefehls können Sie Einspruch einlegen. Sie wissen nicht mehr genau, wann der Strafbefehl zugestellt wurde? Der Strafbefehl kommt in einem gelben Briefumschlag: Außen auf dem Briefumschlag steht das Datum.

Wenn Sie fristgerecht Einspruch einlegen, kommt es zu einer Gerichtsverhandlung.

Rechtsanwalt Alexander Schlüter:

Uns kontaktieren viele Mandanten, die einen Strafbefehl erhalten haben. Häufig haben diese vorher wegen der gleichen Sache eine Vorladung als Beschuldigter von der Polizei erhalten. Entweder Sie haben geschwiegen oder eine Aussage bei der Polizei gemacht, weil sie dachten, die Sache auch ohne Anwalt klären zu können".

So oder so: Wenn Sie einen Strafbefehl erhalten haben, halten Staatsanwaltschaft und Gericht Sie aktuell für schuldig. Wenn Sie bisher noch keinen Anwalt im Strafrecht eingeschaltet haben, sollten Sie dies nun dringend tun.

Einspruch: Ablauf

Wenn Sie uns mit Ihrer Verteidigung beauftragen, läuft das Strafbefehlsverfahren wie folgt ab:

  1. Erstberatung: Sie schildern uns den Sachverhalt und schicken uns den Strafbefehl.
  2. Akteneinsicht: Als Ihre Strafverteidiger beantragen wir Einsicht in die Ermittlungsakte.
  3. Aktenauswertung: Wir prüfen alle Beweise aus der Ermittlungsakte.
  4. Besprechung: Wir besprechen mit Ihnen die Aktenlage und entwickeln eine Verteidigungsstrategie.
  5. Stellungnahme: In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, schriftlich zur Aktenlage Stellung zu nehmen. Im besten Fall kann damit eine Einstellung ohne Gerichtsverhandlung erreicht werden.
  6. Gerichtsverhandlung: Wir gehen an Ihrer Seite in die Hauptverhandlung. Das Gericht führt eine vollständige neue Verhandlung durch. Die Entscheidung aus dem Strafbefehl ist nicht bindend.

Einspruch: Erfolgsaussichten?

Ein Einspruch kann Ihre Lage entscheidend verbessern, birgt aber auch Risiken:

Chancen:

  • Freispruch
  • Einstellung des Verfahrens, z.B. wegen Geringe der Schuld
  • Eintragung im Führungszeugnis verhindern
  • Geringere Strafe

Risiken:

  • Verhandlung kann zu einer höheren Strafe führen
  • Öffentliche Gerichtsverhandlung

Ob es sinnvoll ist, in einer Hauptverhandlung gegen den Strafbefehl vorzugehen, kann immer erst nach Akteneinsicht beurteilt werden.

Rechtsanwalt Jonas Meese:

Manchmal ist die Aktenlage ungünstig und es existieren auch keine neuen Beweise. Wenn die Strafe dazu noch sehr milde ist, kann man den Einspruch gegen einen Strafbefehl immer noch zurücknehmen und die Strafe akzeptieren. Das können wir aber erst nach Akteneinsicht beurteilen.

Andersrum geht es allerdings nicht: Wenn Sie den Strafbefehl einmal akzeptiert haben, kann er nach Ablauf der Frist nicht mehr angegriffen werden.

Deshalb: Sofort zum Anwalt und die Aktenlage prüfen lassen.“

Einspruch Strafbefehl: Welche Fristen gelten?

Die Frist für den Einspruch beträgt zwei Wochen ab Zustellung - verpassen Sie diese Frist, wird der Strafbefehl rechtskräftig und gilt wie ein Urteil. Nur in Ausnahmefällen kann eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt werden.

Bewahren Sie unbedingt den gelben Briefumschlag auf, in dem der Strafbefehl kommt. Auf dem Umschlag ist der Zeitpunkt der Zustellung vermerkt.

KANN ICH SELBST EINSPRUCH EINLEGEN?

Ein Einspruch gegen den Strafbefehl kann schriftlich beim Gericht selbst eingereicht werden. Theoretisch kann ein Strafbefehl auch auf der Geschäftsstelle mündlich („zu Protokoll“) eingelegt werden, dieses Vorgehen spielt in der Praxis jedoch kaum eine Rolle.

Kann ich per Email Einspruch gegen einen Strafbefehl einlegen?

Sie können gegen einen Strafbefehl nicht per Email Einspruch einlegen - der Einspruch wäre unwirksam.

Sie müssen den Einspruch gegen den Strafbefehl nicht begründen und sollten das auch nicht: Lassen Sie sich von einem Anwalt im Strafrecht beraten. Er kann Akteneinsicht beantragen. Erst dann ist überhaupt klar, welche Beweise gegen Sie vorliegen – oder auch nicht. Und erst dann kann entschieden werden, welche Verteidigungsstrategie sinnvoll ist.

Wie läuft die Verhandlung ab?

Nach einem Einspruch gegen den Strafbefehl findet eine normale Hauptverhandlung statt. Das bedeutet:

  • Ladung vor Gericht
  • Beweisaufnahme
  • Möglichkeit, Zeugen zu hören, Beweise einzubringen und eigene Argumente zu nennen
  • Möglichkeit, während der Gerichtsverhandlung mit Gericht und Staatsanwaltschaft über eine Einstellung zu verhandeln

In der Hauptverhandlung besteht die Chance, aktiv Einfluss auf den Prozess zu nehmen.

STRAFBEFEHL VOM ANWALT PRÜFEN LASSEN

Ein Strafbefehl wirkt auf den ersten Blick nicht wie ein echtes Gerichtsurteil. Er ist aber eine vollwertige Verurteilung mit Eintrag ins Bundeszentralregister, ggf. auch ins Führungszeugnis. Ob ein Einspruch Erfolgsaussichten hat, hängt vom Einzelfall ab. Akzeptieren Sie einen Strafbefehl nicht. Auch nicht dann, wenn Sie sich selbst für schuldig halten. In vielen Fällen kann eine Einstellung des Verfahrens, notfalls gegen eine Geldauflage erreicht werden. So kann oftmals einen Eintrag ins Führungszeugnis verhindert werden.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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View Allgemeines Strafrecht

Allgemeines Strafrecht

Alle allgemeinen Straftaten, z.B. Diebstahl, Beleidigung, Körperverletzung

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Strafrecht - nothing else.

Wir beraten Sie umfassend im Strafrecht. Wir haben uns ausschließlich auf die Verteidigung in diesem Rechtsgebiet konzentriert - seit unserer Ausbildung.

Untergebiete innerhalb des Strafrechts

Zu unserem Beratungsspektrum gehören selbstverständlich neben Sondergebieten (z.B. Jugendstrafrecht, Geldwäsche, Verkehrsstrafrecht, Betäubungsmittelstrafrecht) auch alle Delikte aus dem allgemeinen Strafrecht.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Beleidigung

Beleidigung

Bußgeldkatalog bei Beleidigung?

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was fällt unter Beleidigung?

Unter den Tatbestand der Beleidigung fällt jede Äußerung, die die Ehre eines anderen Menschen angreift. Das kann durch Worte, Gesten oder Handlungen geschehen. Entscheidend ist nicht, ob Sie „die Wahrheit“ sagen, sondern ob Ihre Äußerung als ehrverletzend gilt.

Was sind Beispiele für eine Beleidung?

  • Der Mittelfinger oder das „Vogel zeigen“ im Straßenverkehr sind klassische Beleidigungen
  • Auch durch digitale Kommunikation (WhatsApp, Instagram, Facebook) kann eine Beleidigung geäußert werden
  • Eine Beleidigung auf sexueller Grundlage liegt bei anzüglichen Bemerkungen oder Gesten vor, wenn sie objektiv als Herabwürdigung zu verstehen sind.
  • Eine Beamtenbeleidigung gibt es im Gesetz nicht: Wer einen Beamten beschimpft, wird genauso bestraft, wie bei einer „normalen“ Beleidigung.

Wird jede Beleidigung verfolgt?

Die Strafverfolgung erfolgt bei Beleidigung nur bei einem sogenannten Strafantrag des Verletzten. Das heißt: Nur wenn der Betroffene selbst einen Antrag auf Strafverfolgung stellt, wird gegen Sie ermittelt. Dieser Strafantrag muss innerhalb von drei Monaten gestellt werden.

Strafe bei Beleidigung

Die Strafe bei Beleidigung kann betragen:

  • Geldstrafe
  • Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr im Normalfall
  • Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren, wenn  die Beleidigung öffentlich, in einer Versammlung, durch Verbreiten eines Inhalts oder mittels einer Tätlichkeit begangen wird

Bußgeldkatalog: Für welche Beleidigung gibt es welche Strafe?

Es gibt keinen „Bußgeldkatalog“ für verschiedene Beleidigungen. Die konkrete Strafe hängt immer von dem jeweiligen Kontext der Äußerung ab. Sie wird in Tagessätzen bemessen.

Daumenregel: Monatliches Nettoeinkommen geteilt durch 30 = ein Tagessatz.

Auch wenn es keinen festen Bußgeldkatalog gibt, geben diese Urteile einen Überblick, wie viele Tagessätze von Gerichten festgesetzt wurden:

Tat Der Angeklagte beleidigte mit den Worten „Dreckspack“ und „Arschloch“.
Strafe 50 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Mönchengladbach (2017)
Tat Der Angeklagte bezeichnete einen Richter als „Volksverräter“.
Strafe 100 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Frankfurt am Main (2021)
Tat Eine angehende Polizistin beleidigte einen Kollegen in zwei Fällen rassistisch, unter anderem mit Affengesten.
Strafe 120 Tagessätze Geldstrafe
Gericht Amtsgericht Berlin-Tiergarten (2024)
Tat Der Angeklagte beleidigte im Internet Politiker mit Hasskommentaren.
Urteil 110 Tagessätze
Gericht Amtsgericht Detmold (2023)
Tat Der Angeklagte (Taxifahrer) zeigte im Straßenverkehr einen Mittelfinger.
Strafe 50 Tagessätze
Gericht Amtsgericht München (2015)

Wichtig: Je nach Höhe des Tagessatzes kann die Strafe sehr empfindlich ausfallen. In einem presseträchtigen Fall am Amtsgericht Hamburg-Mitte wurden ein Angeklagter für eine Beleidigung im Straßenverkehr zu 30 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt und die Tagessatzhöhe auf 2.000€ festgesetzt, da der Angeklagte ein sehr hohes Einkommen hatte. Die Gesamtstrafe betrug also 60.000€.

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Wird Beleidigung ins Führungszeugnis eingetragen?

Eine Verurteilung oder ein Strafbefehl wegen Beleidigung wird ins Führungszeugnis eingetragen, wenn Vorstrafen bestehen oder wenn die Strafe über 90 Tagessätze beträgt. Dies kann gravierende Folgen für Jobwahl bzw. Beamtenlaufbahn haben. Aber auch unterhalb der Grenze von 90 Tagessätzen wird die Verurteilung ins Bundeszentralregister eingetragen.

Oberstes Ziel eines Anwalts für Strafrecht ist daher, dass das Verfahren ohne Gerichtsverhandlung und ohne Eintrag ins Führungszeugnis eingestellt wird.

Vorladung wegen einer Beleidigung

  • Keine Aussage ohne Anwalt: als Beschuldigter sind Sie nicht verpflichtet, Angaben zur Sache zu machen. Viele versuchen, die Situation durch eine Erklärung zu entschärfen, und verschlimmern sie dadurch nur.
  • Beauftragen Sie einen Anwalt für Strafrecht. Wir helfen Ihnen gerne! Jeder Kontakt zur Polizei und der Staatsanwaltschaft sollte nur über einen Anwalt erfolgen.
  • Ein Rechtsanwalt kann die Ermittlungsakte einsehen. Daraus ergibt sich, was Ihnen konkret vorgeworfen wird.
  • Frühzeitige Verteidigung zahlt sich aus. Je früher ein erfahrener Strafverteidiger eingeschaltet wird, desto größer sind die Chancen, das Verfahren ohne Anklage zu beenden, z.B. mit einer Verfahrenseinstellung mangels Tatverdachts oder gegen eine geringe Geldauflage.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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Betrug

Anwalt erklärt Warenkreditbetrug, Warenbetrug und Höhe der Strafe

Jonas Meese
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist Betrug nach § 263 StGB?

Wegen Betruges macht sich strafbar, wer eine andere Person über Tatsachen täuscht, damit jemand aufgrund eines Irrtums eine Vermögensverfügung vornimmt, die den Täter oder jemand anderen rechtswidrig bereichert.

Einfacher gesagt: Betrug liegt vor, wenn jemand durch Täuschung Geld oder einen wirtschaftlichen Vorteil erlangt. Es kommt also immer auf Täuschung – Irrtum – Vermögensverfügung – Schaden an.

Anzeige wegen Betrugs – was kann passieren?

Eine Anzeige wegen Betrugs zieht immer ein Strafverfahren nach sich, in dem die Polizei ermittelt und das Verfahren am Schluss an die Staatsanwaltschaft abgibt. Hierbei erhalten Beschuldigte eine Vorladung von der Polizei.

Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann, wie das Ermittlungsverfahren endet: Mit einer Anklage, damit eine öffentliche Gerichtsverhandlung durchgeführt wird, einem Strafbefehl oder mit einer Einstellung, z.B. weil kein hinreichender Verdacht besteht oder wegen Geringfügigkeit.

Selbst ein scheinbar kleiner Vorfall – etwa das verspätete Bezahlen einer Ware – kann mit einer Anzeige wegen Betruges enden, wenn eine Täuschungsabsicht vermutet wird.

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Betrug - Typische Fälle aus der Praxis

Auch wenn kein Verfahren wegen Betruges dem anderen gleicht, kommen folgende Fälle häufig vor:

Eingehungsbetrug

Beim Eingehungsbetrug täuscht jemand bei einem Vertragsabschluss.

Verkäufern wird häufig vorgeworfen, über Mängel oder Eigenschaften eines Kaufgegenstandes getäuscht zu haben.

Beispielsweise könnte ein Fahrzeug als „unfallfrei“ verkauft werden, obwohl Vorschäden bestehen oder der Tacho manipuliert ist. Auch Verkäufern von Immobilien wird häufig vorgeworfen, z.B. über Schimmelbefall, Hausschwamm oder illegale Umbauten getäuscht zu haben. Wird dabei noch eine Urkunde gefälscht (z.B. Echtheitszertifikat einer Uhr), steht zusätzlich der Vorwurf der Urkundenfälschung im Raum.

Käufern wird häufig vorgeworfen, über ihre Zahlungsfähigkeit oder Zahlungswilligkeit getäuscht zu haben.

Einfach gesagt: Wenn eine Person etwas kauft, ohne die Sache bezahlen zu wollen oder zu diesem Zeitpunkt schon weiß, dass sie die Sache nicht bezahlen kann, begeht sie einen Betrug. Das Gericht prüft in diesen Fällen, ob von Anfang an keine Absicht zur Zahlung bestand.

Warenkreditbetrug

Der Vorwurf Warenkreditbetrug betrifft Fälle, in denen Waren auf Rechnung oder Kredit gekauft werden – ohne dass diese am Ende bezahlt werden.

Als Täuschung kommt in Betracht: Das Verschweigen der wirtschaftlichen Lage.
Besonders häufig: Onlinehandel oder kurzfristige Bestellungen in wirtschaftlicher Krise.

Warenbetrug

Beim Warenbetrug wird die Ware nicht oder nur teilweise geliefert, obwohl sie bezahlt wurde. Dies ist häufig der Fall bei Privatverkäufen über Portale wie Kleinanzeigen. Die Ermittlungsbehörden werten hierbei oft Chatverläufe und Kontobewegungen aus.

Besonders häufig trifft der Vorwurf des Betrugs über Kleinanzeigen in der Vergangenheit Unschuldige: Unbekannte Täter kopieren dabei geschickt Kleinanzeigen-Inserate und veranlassen Verkäufer dazu, die Ware an Dritte zu versenden. Dies geschieht häufig unter einem Vorwand, z.B.: „Ich bin gerade nicht zu Hause, aber versende die Ware bitte an meinen Freund.“

Die Ware kommt auf diesem Wege nie beim Käufer an, der dann gegen den Verkäufer mit einer Strafanzeige wegen Warenbetruges vorgeht.

Versenden Sie daher Ware bei privaten Verkäufen ausschließlich an die Person, die auch das Geld überwiesen hat.

Betrug Strafe – welche Strafen drohen nach § 263 StGB?

Die Strafe für Betrug hängt von Schadenshöhe, Vorsatz und Vorstrafen ab:

  • Einfacher Betrug: Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe
  • Gewerbsmäßiger oder bandenmäßiger Betrug: Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren
  • Versuchter Betrug: Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe mit der Möglichkeit der Milderung.

Paragraph 263 StGB Geldstrafe: Höhe?

Die Geldstrafe bei Betrug richtet sich nach dem Tagessatzsystem (§ 40 StGB).
Ein Tagessatz entspricht etwa 1/30 des monatlichen Nettoeinkommens, wobei z.B. Unterhaltsverpflichtungen abgezogen werden können. Heißt: Eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen ist so hoch, wie zwei Monatsgehälter (Netto).

Die Anzahl der Tagessätze richtet sich insbesondere nach folgenden Punkten:

  • Vorstrafen
  • Höhe des Schadens
  • Folgen für das Opfer
  • Professionalität des Vorgehens

Vorladung Betrug – Anwalt einschalten!

Ein erfahrener Strafverteidiger kann bereits im Ermittlungsverfahren Einfluss nehmen. Gerade bei erstmaliger Beschuldigung kann eine Verfahrenseinstellung erreicht werden.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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View Gefährliche Körperverletzung

Gefährliche Körperverletzung

Alles zum Tatbestand, zur Strafe (auch bei Ersttätern) und Chancen

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist eine gefährliche Körperverletzung?

Die gefährliche Körperverletzung gemäß § 224 StGB ist eine schwerwiegendere Form (sogenannte "Qualifikation") der einfachen Körperverletzung gemäß § 223 StGB. Eine gefährliche Körperverletzung liegt vor, wenn der Täter die Tat unter einem der folgenden Umstände begeht:

1. Verwendung von Gift oder gesundheitsschädlichen Stoffen

Das umfasst Substanzen, die die Gesundheit erheblich beeinträchtigen können. Beispiele, bei denen es sich um solche Stoffe handeln kann:

  • Medikamente in hoher Dosierung
  • Reizstoffe
  • Gase
  • sogenannte „K.O.-Tropfen

2. Verwendung einer Waffe oder eines gefährlichen Werkzeugs

Ein gefährliches Werkzeug ist jeder Gegenstand, der aufgrund seiner Beschaffenheit und der Art der Verwendung erhebliche Verletzungen verursachen kann. Beispiele sind:

  • Flaschen, die geworfen werden
  • Messer, mit denen Schnitt- oder Stichverletzungen zugefügt werden
  • Werkzeuge wie Schraubenzieher oder Stangen, mit denen zugeschlagen wird
  • Schwere Schuhe, mit denen zugetreten wird

3. Hinterlistiger Überfall

Dazu gehören Angriffe, die das Opfer nicht kommen sieht, weil sie vom Täter verdeckt erfolgen. Beispiel: Der Täter täuscht vor, dass er das Opfer begrüßen möchte und schlägt dann unvermittelt zu.

4. Gemeinsame Tatbegehung

Dazu gehören Taten, bei denen mehrere Täter gemeinsam handeln und das Opfer dadurch einem höheren Risiko ausgesetzt ist.

5. Beibringen einer das Leben gefährdenden Behandlung

Dazu zählen Handlungen, die objektiv geeignet sind, das Leben des Opfers zu gefährden. Beispiele:

  • Tritte gegen den Kopf
  • Würgen
  • Messerstiche

Welche Strafe droht bei gefährlicher Körperverletzung?

Bei einer gefährlichen Körperverletzung droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen hohe Geldstrafen. In der Regel erfolgt eine Eintragung im Führungszeugnis.

Wichtig: Zusätzlich zur Strafe drohen erhebliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen des Verletzten.

Welche Strafe ist bei einem Ersttäter bei gefährlicher Körperverletzung zu erwarten?

Für Ersttäter einer gefährlichen Körperverletzung wird in den meisten Fällen eine Freiheitsstrafe auf Bewährung oder eine Geldstrafe verhängt, wenn keine Vorstrafen bestehen und die Tat nicht besonders schwerwiegend ist.

Die tatsächliche Strafe hängt insbesondere von folgenden Punkten ab:

  • Schwere der Verletzungen
  • Art des gefährlichen Werkzeugs
  • Ablauf der Tat (z.B. im Affekt)
  • Verhalten nach der Tat
  • Provokation durch das Opfer
  • Alkoholisierung des Täters
  • Vorstrafen des Täters

Unter Umständen kommt auch eine Milderung des Strafrahmens (minder schwerer Fall) in Betracht, zum Beispiel bei einem Täter-Opfer-Ausgleich oder verminderter Schuldfähigkeit bei Alkoholisierung. In diesen Fällen kann gerade für Ersttäter ohne Vorstrafen in vielen Fällen noch eine Geldstrafe erreicht werden.

Außerdem besteht insbesondere bei Ersttätern die Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen. In diesem Fall erfolgt kein Eintrag im Führungszeugnis.

Wie kann ich mich gegen den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung verteidigen?

Mögliche Verteidigungsansätze sind:

  • Notwehr oder Nothilfe
  • fehlender Vorsatz
  • fehlende gefährliche Tathandlung (z.B. wenn die Verletzungshandlung mit einem Gegenstand nicht gefährlich war),
  • widersprüchliche Zeugenaussagen zum Verlauf der Tat
  • Alkoholisierung
  • unklare Täterschaft

Wie läuft das Ermittlungsverfahren ab?

Wie ein Strafverfahren abläuft, erfahren Sie unter: Ablauf des Strafverfahrens.

Besonderheiten zum Ablauf bei Jugendlichen und Heranwachsenden finden Sie unter: Ablauf des Jugendstrafverfahrens

Zu Beginn des Ermittlungsverfahrens erfolgt meistens eine Vorladung von der Polizei. Nach Abschluss der Ermittlungen wird die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft übergeben, die dann entscheidet, ob das Verfahren eingestellt wird, z.B. mangels Tatverdacht oder wegen Geringfügigkeit oder ob es zu einem Strafbefehl bzw. einer Anklage kommt.  

Wenn Sie einer gefährlichen Körperverletzung beschuldigt werden, machen Sie keine Aussage bei der Polizei. Mehr dazu unter: Warum Sie im Ermittlungsverfahren schweigen sollten.

Beauftragen Sie einen Anwalt für Strafrecht, der für Sie Akteneinsicht beantragen und eine Verteidigungsstrategie entwerfen kann.

Unser oberstes Ziel ist stets, das Verfahren noch im Ermittlungsverfahren ohne Gerichtsverhandlung und ohne Eintrag ins Führungszeugnis zur Einstellung zu bringen.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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Sachbeschädigung

Strafen, Verjährung & Verteidigung

Alexander Schlüter
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist Sachbeschädigung?

Eine Sachbeschädigung begeht, wer vorsätzlich eine fremde Sache beschädigt oder zerstört. Eine Beschädigung liegt bereits vor, wenn die Sache nicht nur unerheblich in ihrer Substanz oder Funktion beeinträchtigt wird. Es muss also kein Totalschaden entstehen. Kratzer im Lack eines Fahrzeugs oder eine eingedellte Tür können bereits ausreichen.

Eine Sachbeschädigung liegt auch dann vor, wenn lediglich das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert wird. Hiervon umfasst sind z.B. Graffiti oder das Bekleben, Bemalen oder Beschmieren von Wänden und Gegenständen. Dies gilt allerdings nur, wenn diese Veränderung nicht durch einfaches Wischen oder zum Beispiel durch Regen wieder beseitigt wird.

Sachbeschädigung Strafe: Welche Sanktionen drohen?

Für Sachbeschädigung sieht das Gesetz eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor. In der Praxis werden Ersttäter häufig zu Geldstrafen verurteilt. Die genaue Höhe hängt u.a. von folgenden Faktoren ab:

  • Höhe des entstandenen Schadens,
  • Vorstrafen,
  • Tatmotiv,
  • dem Verhalten nach der Tat (z. B. Schadensersatz, Entschuldigung)

Höhere Strafen sieht das Gesetz vor, wenn zum Beispiel öffentliche Denkmäler, Kunst in öffentlichen Museen oder Bauwerke beschädigt werden.

In vielen Fällen ist auch eine Einstellung des Verfahrens möglich. Eine Einstellung mangels Tatverdacht kommt in Betracht bei einer Anzeige wegen Sachbeschädigung ohne belastbare Beweise, bei unklarer Täterschaft oder wenn der Gegenstand bereits vorher mit Graffitis versehen war. Bei schwieriger Beweislage besteht die Möglichkeit, eine Einstellung gegen Auflage (z.B. Schadenswiedergutmachung) zu erzielen. In beiden Fällen erfolgt keine Eintragung im Führungszeugnis.

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Ist Fahrlässige Sachbeschädigung strafbar?

Nein, fahrlässige Sachbeschädigung ist nicht strafbar. Wer also aus Unachtsamkeit oder Versehen eine fremde Sache beschädigt, macht sich nicht nach dem Strafgesetzbuch strafbar. Allerdings kann fahrlässiges Verhalten zivilrechtliche Schadensersatzansprüche zur Folge haben.

Wir erleben nicht selten, dass dennoch Anzeige wegen Sachbeschädigung erhoben wird, weil ein Vorsatz unterstellt wird. In diesen Fällen arbeiten wir heraus, dass unsere Mandanten nicht vorsätzlich gehandelt haben und wirken auf eine Einstellung mangels Tatverdacht oder einen Freispruch hin.

Anzeige wegen Sachbeschädigung – was passiert nach der Anzeige?

Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung führt zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Die Polizei versucht, den Sachverhalt aufzuklären, zum Beispiel durch:

  • Zeugenbefragungen,
  • Spurensicherung,
  • Auswertung von Videoaufnahmen

Als beschuldigte Person erhalten Sie in dieser Phase eine Vorladung als Beschuldigter oder die Aufforderung, schriftlich Stellung zu nehmen. Wichtig: Sie sind nicht verpflichtet, dort zu erscheinen oder Angaben zur Sache zu machen. Sobald Sie Post von der Polizei erhalten, sollten Sie sich von einem Anwalt für Strafrecht beraten lassen. Wir prüfen in einem kostenlosen Erstgespräch Ihre Möglichkeiten.

Wann verjährt Sachbeschädigung?

Die Verjährung von Sachbeschädigungen richtet sich nach § 78 StGB. Für die einfache Sachbeschädigung beträgt die Verjährungsfrist fünf Jahre.

Die Frist beginnt mit Beendigung der Tat. Allerdings haben eine Vielzahl an Handlungen der Ermittlungsbehörden eine Unterbrechung der Verjährung zur Folge. Ob die Tat bereits verjährt ist, sollte daher im Einzelfall ein Anwalt für Strafrecht prüfen.

Anwalt Sachbeschädigung: Warum frühzeitige Verteidigung entscheidend ist.

Ein erfahrener Anwalt für Strafrecht kann bereits im Ermittlungsverfahren Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens nehmen. Nach Akteneinsicht kann die Beweislage geprüft werden und eine individuelle Strategie entwickelt werden, um eine Einstellung des Verfahrens – ohne Gerichtsverhandlung und Eintragung in das Führungszeugnis – zu erreichen.

Wir beraten Sie umfassend zu Ihren Möglichkeiten.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Alexander Schlüter ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Alexander Schlüter ist Volljurist, studierter Betriebswirt und unterrichtet Strafrecht als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg.

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View Strafbefehl – was Sie wissen müssen

Strafbefehl – was Sie wissen müssen

Strafbefehl erhalten - wie kann ich mich wehren?

Jonas Meese
February 18, 2026
·
5 Min.
Lesedauer

Was ist ein Strafbefehl?

Ein Strafbefehl ist eine Entscheidung des Gerichts im Strafverfahren, die ohne Gerichtsverhandlung ergeht. Das Gericht verhängt eine Strafe allein auf Grundlage der Ermittlungsakte. Typische Strafen im Strafbefehlsverfahren sind:

  • Geldstrafe
  • Fahrverbot
  • Freiheitsstrafe auf Bewährung

Der Strafbefehl soll Strafverfahren vereinfachen und beschleunigen. Für Betroffene bedeutet ein Strafbefehl aber eine Verurteilung, obwohl sie keine Chance hatten, sich vor einem Gericht zu erklären.

Wie wehre ich mich?

Wenn Sie einen Strafbefehl erhalten, haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Strafbefehl akzeptieren oder
  • Einspruch einlegen.

STRAFBEFEHL AKZEPTIEREN

Der Strafbefehl wird rechtskräftig. Wenn z.B. eine Geldstrafe im Strafbefehl steht, müssen Sie die Geldstrafe an die Staatskasse zahlen.

Wichtig: Der Strafbefehl gilt als Vorstrafe! Er wird in das Bundeszentralregister und ggf. ins Führungszeugnis eingetragen.

EINSPRUCH EINLEGEN

Innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Strafbefehls können Sie Einspruch einlegen. Sie wissen nicht mehr genau, wann der Strafbefehl zugestellt wurde? Der Strafbefehl kommt in einem gelben Briefumschlag: Außen auf dem Briefumschlag steht das Datum.

Wenn Sie fristgerecht Einspruch einlegen, kommt es zu einer Gerichtsverhandlung.

Rechtsanwalt Alexander Schlüter:

Uns kontaktieren viele Mandanten, die einen Strafbefehl erhalten haben. Häufig haben diese vorher wegen der gleichen Sache eine Vorladung als Beschuldigter von der Polizei erhalten. Entweder Sie haben geschwiegen oder eine Aussage bei der Polizei gemacht, weil sie dachten, die Sache auch ohne Anwalt klären zu können".

So oder so: Wenn Sie einen Strafbefehl erhalten haben, halten Staatsanwaltschaft und Gericht Sie aktuell für schuldig. Wenn Sie bisher noch keinen Anwalt im Strafrecht eingeschaltet haben, sollten Sie dies nun dringend tun.

Einspruch: Ablauf

Wenn Sie uns mit Ihrer Verteidigung beauftragen, läuft das Strafbefehlsverfahren wie folgt ab:

  1. Erstberatung: Sie schildern uns den Sachverhalt und schicken uns den Strafbefehl.
  2. Akteneinsicht: Als Ihre Strafverteidiger beantragen wir Einsicht in die Ermittlungsakte.
  3. Aktenauswertung: Wir prüfen alle Beweise aus der Ermittlungsakte.
  4. Besprechung: Wir besprechen mit Ihnen die Aktenlage und entwickeln eine Verteidigungsstrategie.
  5. Stellungnahme: In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, schriftlich zur Aktenlage Stellung zu nehmen. Im besten Fall kann damit eine Einstellung ohne Gerichtsverhandlung erreicht werden.
  6. Gerichtsverhandlung: Wir gehen an Ihrer Seite in die Hauptverhandlung. Das Gericht führt eine vollständige neue Verhandlung durch. Die Entscheidung aus dem Strafbefehl ist nicht bindend.

Einspruch: Erfolgsaussichten?

Ein Einspruch kann Ihre Lage entscheidend verbessern, birgt aber auch Risiken:

Chancen:

  • Freispruch
  • Einstellung des Verfahrens, z.B. wegen Geringe der Schuld
  • Eintragung im Führungszeugnis verhindern
  • Geringere Strafe

Risiken:

  • Verhandlung kann zu einer höheren Strafe führen
  • Öffentliche Gerichtsverhandlung

Ob es sinnvoll ist, in einer Hauptverhandlung gegen den Strafbefehl vorzugehen, kann immer erst nach Akteneinsicht beurteilt werden.

Rechtsanwalt Jonas Meese:

Manchmal ist die Aktenlage ungünstig und es existieren auch keine neuen Beweise. Wenn die Strafe dazu noch sehr milde ist, kann man den Einspruch gegen einen Strafbefehl immer noch zurücknehmen und die Strafe akzeptieren. Das können wir aber erst nach Akteneinsicht beurteilen.

Andersrum geht es allerdings nicht: Wenn Sie den Strafbefehl einmal akzeptiert haben, kann er nach Ablauf der Frist nicht mehr angegriffen werden.

Deshalb: Sofort zum Anwalt und die Aktenlage prüfen lassen.“

Einspruch Strafbefehl: Welche Fristen gelten?

Die Frist für den Einspruch beträgt zwei Wochen ab Zustellung - verpassen Sie diese Frist, wird der Strafbefehl rechtskräftig und gilt wie ein Urteil. Nur in Ausnahmefällen kann eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt werden.

Bewahren Sie unbedingt den gelben Briefumschlag auf, in dem der Strafbefehl kommt. Auf dem Umschlag ist der Zeitpunkt der Zustellung vermerkt.

KANN ICH SELBST EINSPRUCH EINLEGEN?

Ein Einspruch gegen den Strafbefehl kann schriftlich beim Gericht selbst eingereicht werden. Theoretisch kann ein Strafbefehl auch auf der Geschäftsstelle mündlich („zu Protokoll“) eingelegt werden, dieses Vorgehen spielt in der Praxis jedoch kaum eine Rolle.

Kann ich per Email Einspruch gegen einen Strafbefehl einlegen?

Sie können gegen einen Strafbefehl nicht per Email Einspruch einlegen - der Einspruch wäre unwirksam.

Sie müssen den Einspruch gegen den Strafbefehl nicht begründen und sollten das auch nicht: Lassen Sie sich von einem Anwalt im Strafrecht beraten. Er kann Akteneinsicht beantragen. Erst dann ist überhaupt klar, welche Beweise gegen Sie vorliegen – oder auch nicht. Und erst dann kann entschieden werden, welche Verteidigungsstrategie sinnvoll ist.

Wie läuft die Verhandlung ab?

Nach einem Einspruch gegen den Strafbefehl findet eine normale Hauptverhandlung statt. Das bedeutet:

  • Ladung vor Gericht
  • Beweisaufnahme
  • Möglichkeit, Zeugen zu hören, Beweise einzubringen und eigene Argumente zu nennen
  • Möglichkeit, während der Gerichtsverhandlung mit Gericht und Staatsanwaltschaft über eine Einstellung zu verhandeln

In der Hauptverhandlung besteht die Chance, aktiv Einfluss auf den Prozess zu nehmen.

STRAFBEFEHL VOM ANWALT PRÜFEN LASSEN

Ein Strafbefehl wirkt auf den ersten Blick nicht wie ein echtes Gerichtsurteil. Er ist aber eine vollwertige Verurteilung mit Eintrag ins Bundeszentralregister, ggf. auch ins Führungszeugnis. Ob ein Einspruch Erfolgsaussichten hat, hängt vom Einzelfall ab. Akzeptieren Sie einen Strafbefehl nicht. Auch nicht dann, wenn Sie sich selbst für schuldig halten. In vielen Fällen kann eine Einstellung des Verfahrens, notfalls gegen eine Geldauflage erreicht werden. So kann oftmals einen Eintrag ins Führungszeugnis verhindert werden.

ZUM AUTOR DES TEXTES

Der Autor Jonas Meese ist Rechtsanwalt bei NEMO Strafverteidiger. Die Kanzlei sitzt in Hamburg und vertritt bundesweit Mandanten auf dem Gebiet des Strafrechts. Jonas Meese verfügt über mehrjährige Erfahrung als Strafverteidiger und bereitet als Dozent für Strafrecht Juristen auf ihr Staatsexamen vor.

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